Die Zukunft ist sein Land – Update aus der EKD

„Hallo, ich würde gerne mein Zimmer beziehen.“ „Warten Sie damit bitte noch, vermutlich wird die Tagung pandemiebedingt spontan digital stattfinden.“ Wir Synodalen in der Lobby des Maritim Hotels in Bremen erstarren zu Salzsäulen, während um uns herum Verantwortliche chaotisch im Kreis herumirren. Die Gesichter zeigen Enttäuschung. Die Münder sind von Masken verdeckt, offen vor Fassungslosigkeit. Die Augen starren bedeutungslos auf den Marmorboden. Nach rund 30 Minuten reise ich mich aus dem Delirium und buche einen Zug zurück nach Tübingen, um meine 14 Stunden Fahrzeit für diesen Tag noch vollzumachen. 

Meine erste reguläre Synodentagung der Evangelischen Kirche in Deutschland war emotional kein Kickstart. Umso überraschender war für mich die positive Stimmung, die schon im Laufe des ersten digitalen Tages aufkam. Wir machen das Beste draus! Außerdem sind die Themen zu wichtig, um sie aufzuschieben.

Sexualisierte Gewalt in der EKD

Wichtig war der Nachmittag zum Thema sexualisierte Gewalt. Ich war sehr beeindruckt und bewegt von den Berichten der Betroffenen, die uns den Finger in konkrete, systemische Wunden gelegt haben. Wir sind schuldig geworden, nicht nur wegen der Taten selbst, sondern auch wegen der mangelhaften Aufklärung und den vielen Stellen, an denen unsere Behörden-förmigen Systeme Betroffene im Stich gelassen haben. Ein nächster Schritt bei diesem Thema wird eine Neuausrichtung der Betroffenenbeteiligung sein, die wir verabschiedet haben. Das Thema soll zudem ab jetzt fortlaufend auf zukünftigen Synoden bearbeitet werden. Ich finde es gut, dass auch die Landessynode sich im Herbst weiter damit beschäftigt.

Ratswahl

Und dann war da die Ratswahl. Der Rat ist das sichtbarste Gremium der EKD und meiner Meinung nach auch das wichtigste, denn dort werden die aktuellen Fragen bearbeitet. Diese Wahl dauerte in diesem Jahr satte zehn (!) Stunden und gleicht einem American-Football-Spiel. Es wird angepfiffen, abgestimmt, nur um dann direkt danach wieder eine ewig lange Auszeit einzuschieben, in der man in Teams zusammensteht und die Strategie abstimmt. Damit eine Person in den Rat gewählt wird, braucht es eine sportliche 2/3-Mehrheit. Das klingt mega complicated, lohnt sich aber auch, denn wir haben dadurch eine wirklich diverse Mischung an Personen zusammengestellt, die ich euch hier auf Instagram vorgestellt habe. Besonders freut mich, dass mit Josephine Teske (@seligkeitsdinge) eine Digitale-Kirche-Native mit am Start ist. Besonders Leid tut es mir für Tobias Faix, der ein echter Gewinn für Zukunftsprozesse gewesen wäre. Leider gibt es auch niemanden aus den Südkirchen (Baden/Bayern/Württemberg) im Rat, das wird sich aber vielleicht in drei Jahren ändern, wenn Volker Jung in den Ruhestand geht und wir nachwählen. 

Die neue Ratsvorsitzende

Annette Kurschus, die Präses (» Bischöfin) von Westfalen, wird als Ratsvorsitzende den Platz von Heinrich Bedford-Strohm einnehmen und damit das neue Gesicht der Evangelischen Kirche in den Medien sein. Das gefällt mir. Bekannt wurde sie unter anderem durch ihre Gedenkfeier zum Germanwings-Flugzeugabsturz. Sie ist eine begnadete Predigerin, Seelsorgerin und möchte in der Öffentlichkeit Glaubensthemen in den Vordergrund stellen. Politisch will sie Klimaschutz nach vorne bringen und die Aufarbeitung von sexueller Gewalt zur „Chefinnensache“ machen. Mit ihr, Kirstin Fehrs und Anna-Nicole Heinrich haben wir damit erstmals ein weibliches Trio an der Spitze der EKD. Nice!

Schockstarre

Ich habe das Gefühl, auch unsere Kirche steht aktuell teilweise noch in der Salzsäulen-Schockstarre. Die Gesichter zeigen Pandemiemüdigkeit. Die Münder stehen fassungslos offen vor dem Bedeutungsverlust der Kirchen. Die Augen starren paralysiert in die kirchliche Landschaft. Symbolisch dafür ist der Ausfall des Synoden-Thementags „Die Zukunft ist sein Land“, an dem wir uns dem für Zitronen so wichtigen Thema Kirchen- und Gemeindeentwicklung widmen wollten. Fiel der Umorganisation zum Opfer.

Aber zurückzuschauen auf das Land, das wir verloren haben, paralysiert uns. Ich möchte uns dazu ermutigen, uns aus diesem Delirium herauszureißen. In den fahrenden Zug einzusteigen. Mitzugestalten. Den Kurs zu ändern. Auf der EKD-Ebene sind wir mit dem neuen Rat gut aufgestellt. Nun geht es darum. weiter hoffnungsvoll nach vorne zu schauen in die Zukunft. Denn er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land. Das macht Hoffnung!

Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt!
Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land.
Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit.
Die Tore stehen offen.
Das Land ist hell und weit. (EG 395)

David Lehmann, Synodaler für Württemberg und Kfm in der Synode der EKD

Neue Doppelspitze in der Reforminitiative „Kirche für morgen“

Diakonin Angela Schwarz aus Tübingen und Pfarrer Andreas Arnold aus Filderstadt-Bonlanden sind auf der Mitgliederversammlung von Kirche für morgen e.V. am Freitag zur neuen Doppelspitze des Vereins gewählt worden. Nach Vereinssatzung ist Schwarz zur ersten Vorsitzenden und Arnold zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Die beiden wollen sich künftig jedoch die Aufgaben, die bisher beim ersten Vorsitzenden Jens Schnabel lagen, im Sinne eines Tandems teilen. 

„Beim gemeinsamen Austausch über die Frage, was für die Zukunft von Kirche für morgen und für die Zukunft unserer Kirche wichtig ist, haben wir viele Gemeinsamkeiten entdeckt. Wir ergänzen uns sehr gut und wollen deshalb die Arbeit gemeinsam voranbringen“,  

resümieren Schwarz und Arnold nach der Wahl. Ebenfalls gewählt sind Diakon und Synodaler Reiner Klotz aus Steinheim für den zweiten Vorsitz sowie Steuerberater Martin Mielke aus Balingen als Kassierer. 

Tobias Stippich, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Kirche für morgen e.V.

Sommersynode 2021 – Raus aus dem Kirchenschiff.


Raus aus dem Kirchenschiff – mach es zu deinem Ding.

Gesangbuch, Choräle und Pfarrer – auch das kann Kfm! Wir waren diesmal turnusmäßig für den Startgottesdienst zuständig. Unser Pfarrer Matthias Vosseler predigte über Petrus und den „Walk on the water“.

Außerhalb der sicheren Bootsplanken fand die Jesusbegegnung statt. Auch wir als Kirche haben das Zentrum unserer Spiritualität außerhalb unserer Kirchenmauern. Wir sind gesandt in diese Welt – außerhalb der kirchlichen Bubble.
Was für eine Ermutigung zu Beginn der Tagung!

Die Musik wurde durch das Pfarrerduo  Weida & Mohns beigetragen. Wir sangen ausschließlich aus dem Gesangbuch – natürlich im poppigen Sound mit Bandbegleitung. Britta Gall moderierte durch den Gottesdienst, weil Anja leider kurzfristig zuhause bleiben musste. Am Ende sagte Britta: „Mach es zu deinem Ding!“ Mach die Tagung zu deinem Ding! Mach die Gestaltung der Kirche zu deinem Ding! Mach den Aufbruch für morgen zu deinem Ding!
Der ganze Gottesdienst war ein richtig guter Auftakt für die Sommertagung.

Tobi Wörner


Votum zu den inhaltlichen Schwerpunkten unserer Landeskirche

Im Gesprächskreisvotum konzentrierte sich Marion Blessing mit Zu-Mutungen auf 4 Kriterien, die uns besonders wichtig sind:

Die Ehrenamtlichen werden gestärkt.
Ehrenamtlich engagierte Menschen gehören zur DNA unserer Kirche. Es braucht Möglichkeiten zur Partizipation und zur Mitgestaltung, Beteiligung bei Veränderungsprozessen und profilierte, kostenlose Fortbildungs- und Weiterbildungsangebote.

Die Kirche eröffnet Spielräume für Erprobungen und fördert nachhaltige Gemeindeentwicklungen.
Unser Antrag „Konkrete Unterstützung für gemeindebildende Initiativen für junge Erwachsene“ geht in diese Richtung. Es geht um die Qualifikation und Ausbildung von Menschen, die in den entsprechenden Milieus zu Hause sind, um andere Zielgruppen zu erreichen.

Die kirchliche Arbeit gewinnt Menschen für das Evangelium, wendet sich dem Nächsten zu und entfaltet eine große Bindungskraft.
Erreichen wir mit unseren Angeboten Menschen aus unterschiedlichen Milieus? Jesus ist zu den Menschen gegangen und hat sich dort dem Nächsten zugewandt. Kirchliche Arbeit, wo wir Menschen an der Basis erreichen, muss gestärkt werden.

Es werden Kooperationen gestärkt und Synergien geschaffen, Ineffizienzen und Doppelstrukturen abgebaut und vermieden.
Die Entwicklung einer gemeinsamen Vision, die Erarbeitung gemeinsamer Schwerpunkte und der damit verbundenen Investitionen und die Transparenz und Kommunikation von Entscheidungen und deren Gestaltung sind hier wichtig.
 

Marion Blessing


Museumspflege oder Kirche der Zukunft?

Wie in jeder Sommersynode hatte die Synode die Mittelfristige Finanzplanung zur Kenntnis zu nehmen. Diese dient dazu die finanzielle Zukunft der Landeskirche und der Gemeinde zu planen.

Das Finanzdezernat hat Zahlen und Statistiken produziert bezüglich Mitgliederentwicklung und langfristiger Kirchensteuerentwicklung. Dabei gibt es eine transparentere Haushaltsdarstellung und eine 10-Jahresprognose. Das Kollegium hat sich auf jährliche Einsparungen von 0,9 % verständigt und eine erste Liste möglicher Einsparungen vorgelegt; und der Sonderausschuss eine Kriterienliste, die als Richtlinie für Prioritäten gelten kann. 

Jetzt müssen wir als Synode und OKR beweisen das wir nicht ängstlich wie die Maus vor der Schlange  (Kirchenmitgliederrückgang/weniger Kirchensteuern/Niedrigzins/Inflation/…) sitzen und warten bis sie zubeißt, sondern bereit sind die Zukunft anzugehen. „Wir haben Zeit zu handeln, aber wir müssen handeln.“

Reiner Klotz hat in seinem Votum die Frage aufgeworfen, ob die Mittelfristige Finanzplanung nicht zu konservativ und vorsichtig geplant ist und ob die Synodalen wirklich ein „Weiter so“ wie immer wollen, also so etwas wie Museumspflege betreiben wollen. Oder ob sich die Landeskirche weiterbewegen will und eine Kirche der Zukunft sein will! Wir von Kirche für morgen setzen alle unsere Kräfte dafür ein eine zukunftsfähige Kirche zu gestalten!
 

Reiner Klotz


Mehr Gemeindebildende Initiativen für junge Erwachsene?

Kirche für morgen hat den Antrag „Konkrete Unterstützung für gemeindebildende Initiativen mit jungen Erwachsenen“ eingebracht. Der OKR wird gebeten, 5-10 gemeindebildende Initiativen, die hauptsächlich junge Erwachsene (im Alter von 20 bis 40 Jahren) ansprechen und in unserer Ev. Landeskirche in Württemberg zu beheimaten mit einer landeskirchlichen Förderung zu unterstützen.

Die Freiburger Studie verdeutlichte, dass junge Erwachsene in unserem kirchlichen Umfeld nur sehr begrenzt vorkommen.

Entsprechend ist es notwendig, junge Erwachsene wieder deutlicher in unser Blickfeld zu nehmen. Ziel muss es sein, wieder mehr Kirche für 20 bis 40-Jährige zu sein. So könnte es gelingen dem Trend der Austritte entgegenwirken und unserem Auftrag gerecht werden, Kirche für alle Altersgruppen zu sein.

Gemäß unseres Fokussierungskriteriums „Eröffnung von Erprobungsräumen“ gilt es, diese alternativen Formen von Kirche frühzeitig zu unterstützen und diese auch in unserer Landeskirche zu verorten, um eine zukunftsfähige Kirche zu gestalten!

Marion Blessing


Nominierungsausschuss für Bischofswahl eingesetzt

Die Landessynode wird im nächsten Jahr eine neue Landesbischöfin oder einen neuen Landesbischof wählen, Bischof July wird im Sommer 2022 aus Altersgründen aus seinem Amt ausscheiden. Für die Auswahl geeigneter Kandidatinnen und Kandidaten hat die Synode einen Nominierungsausschuss eingesetzt. Mit Matthias Böhler haben wir einen KFM Synodalen in dieser Runde.

Nachdem sich der Nominierungsausschuss konstituiert hat, macht er sich auf die Suche nach geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten. Maximal drei Personen kann er der Landesynode vorschlagen. Die Bischofswahl ist für die Frühjahrssynode 2022 vorgesehen, am 24. Juli 2022 soll in einem Gottesdienst in der Stuttgarter Stiftskirche der Bischofswechsel vollzogen werden.

Spannend wird diese Wahl auch deshalb, weil dazu eine Zweidrittel-Mehrheit der Landessynode (91 Sitze) notwendig ist. Somit können die großen Gesprächskreise, die „Offene Kirche“ (31 Sitze) und die „Lebendige Gemeinde“ (30) jeweils mit einer geschlossenen Ablehnung eine Wahl eines potentiellen Gegenkandidaten verhindern. Gleichzeitig werden die die beiden kleineren Gesprächskreise „Evangelium und Kirche“ (17 Sitze) und „Kirche für Morgen (12 Sitze) dadurch eine wichtige Rolle spielen müssen.

Den 91. Sitz in der Synode nimmt der Vertreter der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen ein.

Götz Kanzleiter

Mutiger Neustart für die EKD-Synode

Ein persönlicher Rückblick von David Lehmann

128 Synodale aus ganz Deutschland. Davon 25 Personen unter 27 Jahren. Mit diesem starken Statement für die nächste Generation startete die neue EKD-Synode vom 6.-8. Mai hochmotiviert in die erste digitale Tagung. Schon am ersten Abend in digitalen Bars wurde mir schnell klar: hier sind viele Menschen zusammen, die wirklich mutig und hoffnungsvoll in die Zukunft schauen.  

Das zeigte sich besonders in der Wahl der 25-jährigen Studentin Anna-Nicole Heinrich aus Regensburg zur neuen Präses, dem höchsten Laienamt in der EKD. Für mich ein echtes Aufbruchssignal, denn bisher waren es vor allem erfahrene Politik-Profis und Ex-Minister:innen, die die Synode geleitet und nach außen vertreten haben. Ich habe Anna als eine sehr kompetente, gut vernetzte und leidenschaftlich glaubende Persönlichkeit kennengelernt, die für vieles steht, was auch uns am Herzen liegt: Eine zukunftsorientierte, pragmatische und missionale Kirche, die auch die im Blick hat, die wie sie selbst nicht aus der christlichen Bubble stammen.  

Zum ersten Mal überhaupt haben wir als Kirche für morgen einen Platz in der EKD-Synode und ich freue mich sehr darauf, dort über die nächsten 6 Jahre Kirche mitgestalten zu dürfen. Als Zitrone bin ich selbstverständlich im Zukunftsausschuss aktiv und werde dort unsere Ideen für die Kirche mit einbringen. 

Die EKD-Synode ist neben dem Rat der EKD und der Kirchenkonferenz eines der drei Leitungsgremien der Evangelischen Kirche in Deutschland. Hier werden ähnlich wie in der Landessynode Themen diskutiert und Gesetze beschlossen. Trotzdem tickt das Gremium etwas anders: Die Synodalen Arbeitsgruppen (quasi EKD-„Gesprächskreise“) sind eher lose Zusammenschlüsse, Wortbeiträge im Plenum haben wesentlich mehr Gewicht und die Vielfalt an Hintergründen und Interessen ist nochmal größer. 

Unsere Württemberger EKD-Team besteht neben mir aus 7 weiteren Synodalen, darunter auch Andrea Bleher, die in das Präsidium um Anna-Nicole Heinrich gewählt wurde.  

Ich bin sehr gespannt auf diese neue Aufgabe und die nächste Tagung im Herbst. 

– David Lehmann 

Für alle, die die neue Präses noch etwas näher kennenlernen wollen:

Frühjahrssynode 2021 – Beziehungen statt Bezäunungen

Liebe Kirche für morgen Unterstützende!

Hier kommen ganz frisch aktuelle Infos aus der Frühjahrstagung der Landessynode. Wir tagten diesmal wieder hybrid – mit einer kleinen Anzahl Menschen im Hospitalhof und der Mehrheit der Synodalen zuhause vor dem Screen. Wie gewohnt finden Sie hier eine Zusammenfassung der wesentlichen Punkte.

Viel Spaß beim Lesen!


Mehr „Kömmer des mal wieder machen“-Momente in der Kirche

Landesbischof July äußerte sich in seinem Bericht in der Frühjahrstagung der Landessynode zu den 12 Leitsätzen der EKD. Bewusst öffnete er damit ein weites Feld. Die Leitsätze berühren nahezu jeden Punkt im kirchlichen Geschehen der Landeskirche.  Dadurch wurden sämtliche Themen angesprochen und von den Gesprächskreisen in den  Voten und den anschließenden Wortbeiträgen dann auch unterschiedlich aufgegriffen und bewertet.

Als „Herz- und Gänsehautmomente“ bezeichnete July  die besonderen geistlichen Erlebnisse, die Glaube und Kirche ausmachen. „Kömmer des mal wieder machen“  zitierte ich deshalb meinen Sohn Johannes,  nachdem er sein erstes Abendmahl zuhause im Wohnzimmer gefeiert hatte. Und damit einen dieser „Herz- und Gänsehautmomente“ erlebt hatte, nach denen sich viele Menschen sehnen. Davon will „Kirche für morgen“ viel mehr ermöglichen!

Zum Beispiel durch

  • die Gemeindegründungsarbeit mit jungen Erwachsenen – um ihnen eine geistliche Heimat zu ermöglichen
  • den erleichterten Zugang zum Pfarrberuf für Menschen, die nicht Theologie studiert haben – um Menschen aus vielen Milieus zu erreichen
  • die Ermöglichung der Feier des digitalen Abendmahls und des Hausabendmahls – um Raum zu schaffen für tiefe geistliche Erfahrungen, dort, wo man zuhause ist.

Damit die Frage in der Kirche (wieder) häufiger zu hören ist – DAS WÜNSCHEN WIR UNS: „Kömmer des mal wieder machen?“

Britta Gall


Digitales Abendmahl? Geht das und darf man das?

Für manche eine Randfrage und leicht zu lösen. Warum nicht?! Für die Kirchenleitung und die Theologen ein umstrittenes Ding. Hellger Koepff (Vorsitzender des theologischen Ausschusses) berichtete vom Studientag im Februar 2021 und den Diskussionen im theologischen Ausschuss. Dabei ging es vor allem um Fragen der Digitalisierung und um einzelne Aspekte des Abendmahls (z.B. Gemeinschaft, Leiblichkeit). Er brachte drei Anträge ein. Hier geht es um die weiteren Beratungen, die Informationen zum Osterfest 2021 und der Ermöglichung von digitalen Abendmahlsfeiern. Nach einer umfassenden Aussprache der Synodalen wurde allen Anträge mit großer Mehrheit zugestimmt. Dabei zeigte sich auch eine große Einheit gesprächskreisübergreifend. Am Freitag haben wir als Gesprächskreis schon einen selbstständigen Antrag eingebracht zur Änderung der Abendmahlsordnung. Wir können uns gut vorstellen, dass in Notfällen ein Hausabendmahl ohne von der Landeskirche ausgebildete Personen möglich sein kann. Dieser Antrag wurde in den Rechtausschuss verwiesen.

Anja Faisst


Kirche verständlicher machen – Auch auf Youtube

In der Frühjahrssynode wurde der Antrag „Videos für unterschiedliche Ziel- und Altersgruppen“ von uns eingebracht. Ziel dieses Antrags ist die Produktion von kurzen Clips für Konfirmanden, Junge Erwachsene und viele mehr, um für mehr Transparenz an der Basis zu sorgen und um die Aufgaben der Ev. Kirche verständlich zu erklären, u.a. zu den Themen: Was passiert mit meiner Kirchensteuer? Welche Bereiche gehören zur Landeskirche? Was ist Diakonie? Was macht ein Landesbischof? Was sind die Aufgaben der Landessynode? Viele Begriffe in Bezug auf die Institution Kirche werden heute nicht mehr verstanden, deshalb ist es notwendig für größtmögliche Transparenz zu sorgen. Diese Transparenz braucht es insbesondere in den Gruppen der Jugendlichen und jungen Erwachsenen, um dem Austrittsverhalten aktiv entgegenzuwirken. Junge Menschen müssen nachvollziehen können, welche Aufgaben wir als Kirche wahrnehmen, woher das nötige Geld kommt und welche Mitbestimmungsmöglichkeiten es gibt.

Marion Blessing


Was sind unsere kirchlichen Schwerpunkte in Zukunft?

Eine der wichtigsten Aufgaben der Landessynode ist die Verantwortung für den Haushalt. Es geht also viel um Geld. Dass wir davon immer weniger haben werden ist eine Entwicklung, die uns viele Untersuchungen und Studien in den letzten Jahren immer wieder vor Augen führen. Die Landessynode hat im letzten Jahr einen Sonderausschuss für „inhaltliche Ausrichtung und Schwerpunktsetzung“ eingesetzt, der sich intensiv damit beschäftigt, welche strategischen Ziele wir als Kirche langfristig verfolgen wollen.
Wie stellen wir uns Kirche 2030 vor? Welche Arbeitsfelder sind zukunftsfähig? An welchen Stellen müssen wir Dinge aufgeben? Wie gehen wir mit dem massiven Mitgliederrückgang um und wie können wir in Zukunft noch oder wieder Menschen erreichen? Es geht um ein langfristiges Bild von Kirche. Sparen nach dem Rasenmäherprinzip wie in der Vergangenheit üblich, soll es nicht mehr geben. Für uns Kfm-Synodale ist in diesem Prozess wichtig, dass wir eine Kirche im Wandel mutig gestalten. Experimentierräume und neue Formen von Kirche dürfen keinen Sparzwängen zum Opfer fallen, sondern haben für uns oberste Priorität für eine zukunftsfähige Kirche. Wir wollen eine mutige Kultur der Erneuerung, mit dem Fokus auf Menschen, die wir nicht mehr oder noch nicht erreichen.

Matthias Böhler 


Die aktuelle Stunde

In der aktuellen Stunde beschäftigte sich die Landessynode unter anderem mit dem Thema „Neue Egoismen in der Corona-Pandemie“. Unser Synodaler Bernd Wetzel stellte die Frage in den Raum: „Was ist die Aufgabe der Kirche im Blick auf Egoismen?“ und beantwortete diese, indem er feststellte, dass „die stärkste und nachhaltigste Veränderung bei mir selbst beginnt!“ Im Sinne der Jahreslosung empfiehlt er uns, Barmherzigkeit zu üben – oder, wie sein Sohn es ausdrückte: „Chill mal!“ Ich  stellte die Frage in den Raum, ob die „neuen Egoismen“ tatsächlich so neu sind – oder durch die Krise und den damit einhergehenden Ängsten, Sorgen und gesellschaftlichen Erfolgsdruck nur zu Tage gefördert werden. Mein Rezept gegen Corona-Egoismus: Keine wohlklingenden landeskirchlichen Verlautbarungen, sondern als Einzelner den Unterschied machen und seinem Gegenüber – auch dem „Corona-Egoisten“ – mit Nächstenliebe zu begegnen. 

Ralf Walter


Das Klimakonzept nimmt Fahrt auf

„Ein wichtiges Anliegen für Kirche für morgen“, das machte Götz Kanzleiter in seinem Votum am Samstagnachmittag deutlich. „Mit dem vorgestellten Klimakonzept geht richtig was voran.“ Der synodale Antrag wurde im Sommer 2019 eingebracht und mit der letzten Synodaltagung unserer Vorgängersynode beschlossen. „Die Evangelische Landeskirche übernimmt damit Verantwortung für ihren Umweltressourcenverbrauch im kirchlichen Leben in allen Bereichen“, so Kanzleiter. Kirche für Morgen unterstützt diese differenzierten und komplexen Bemühungen für den Umwelt- und Klimaschutz und dankt allen aktiven Protagonisten in der Landeskirche für diese Vorarbeiten. Speziell beim Thema Mobilität sollen alle Mitarbeitende in der Landeskirche unterstützt werden. Smarte Elektro-Mobilitätskonzepte können hier vorbildhaft Einsparungen erreichen. Wir müssen nun vom Reden ins Tun kommen. Deshalb erscheint uns auch die Verabschiedung eines Klimaschutzgesetzes zielführend und für uns als Kirche angemessen. Der Antrag, mit einem ersten Vorschlag für solch ein Klimaschutzgesetz, wurde eingebracht und von der Synode an den Rechtsausschuss zur weiteren Bearbeitung verwiesen. 

Bernd Wetzel


Landesbischof kündigte seinen Abschied an

Der Landesbischof kündigte seinen Abschied an. Frank Otfried July wird noch ein Jahr im Amt sein. In der Sommersynode wird der Nominierungsausschuss für die NachfolgerIn oder den Nachfolger eingesetzt. Es bleibt also spannend.

Danke, dass Sie Kirche für morgen folgen und mit uns an den Aufbruch für morgen glauben!

Einfach nur die Klappe halten? Oder sich doch einmischen? – Zitronenfalter 1/2021

Liebe Leserinnen und Leser,

Manchmal ist es das Beste: Man hält einfach die „Klappe“!

Ist es das wirklich? Auch dann, wenn wie in den letzten Monaten radikale Positionen, Verschwörungstheorien in den sozialen Netzwerken oder gar im Freundeskreis kursieren? Die fordern heraus. Da gilt es Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung kommt von Antwort. Also: Position beziehen! Aber wie? Im Superwahljahr 2021 liegt uns das Thema Mitmischen und sich Einmischen am Herzen, getreu dem Martin Luther zugeschriebenen Bonmot: „Tu’s Maul auf, tritt fest auf, hör‘ bald auf.“ „Sind wir als Kirche zu spät, zu ängstlich und zu leise?“, fragt Dr. Jens Schnabel im Positionslicht.
Gerhard Müller bringt auf den Punkt, was es mit der Wahrheit auf sich hat und warum sie uns Mühe macht. Im Blick auf aktuelle evangelikale Strömungen informiert Werner Kremers und bezieht Position. Und Jesus? Der Herr der Kirche? War er radikal oder barmherzig? Dazu ein Briefwechsel in der Heftmitte.

Diese Ausgabe soll wachrütteln und ermutigen, nachzudenken und Position zu beziehen, um dann zur richtigen Zeit den Mund aufzumachen. Auch und gerade im Superwahljahr 2021. Dabei wünschen wir Ihnen viel Weisheit und den Segen Gottes.

Zwanzig Jahre und voller Tatendrang!

Die Reforminitiative „Kirche für morgen“ wird 20 Jahre alt! Am 9. Februar 2001 haben 27 engagierte Frauen und Männer mit viel Begeisterung den Verein „Kirche für morgen“ in Herrenberg gegründet. Bei der Kirchenwahl im selben Jahr konnte „Kirche für morgen“ bereits mit zwei Synodalen in die Landessynode, das Parlament der Württembergischen Landeskirche, einziehen.

Seither ist einiges passiert. Wurde die Reforminitiative am Anfang eher belächelt, so ist sie inzwischen zu einer festen Größe in der Württembergischen Landeskirche geworden. Mit nunmehr zwölf Synodalen ist „Kirche für morgen“ in der Landessynode, vertreten. „Kirche für morgen“ setzt sich ein für neue Formen von Kirche, für mehr Aufbruch, Vielfalt und Kreativität, um die christliche Botschaft zu den Menschen unserer Zeit zu bringen.

Vieles wurde in den vergangenen Jahren erreicht: Gemeinden haben größere Freiheiten bei der Wahl ihrer Pfarrerinnen und Pfarrer, Ehrenamtlichen wird mehr zugetraut bei der Feier von Gottesdiensten und Sakramenten, die kirchenmusikalische Landschaft ist bunter und vielfältiger geworden, neue Gemeindeformen sind gewachsen als Ergänzung zu den traditionellen Parochien und manches mehr.

Das alles waren erste Schritte, aber noch lange nicht das Ziel. Für die Zukunft gibt es noch viel zu tun: Als Kirche dürfen wir uns nicht mit sinkenden Zahlen abfinden. Wir brauchen den Mut, neue Wege zu gehen, Start-ups zu gründen, konsequent 10 Prozent aller Ressourcen in Innovationen zu stecken.

Mit dem bereits zwei Mal verliehenen Innovationspreis zeichnet „Kirche für morgen“ Menschen aus, die mit ihren Projekten zeitgemäße Formen finden, um die beste Botschaft der Welt mit den Menschen zusammenzubringen. Durch die Zeitschrift „Zitronenfalter“ greift die Reforminitiative zwei bis drei Mal im Jahr aktuelle Themen auf und diskutiert brennende Fragen.

Newsletter zur hybriden Herbstsynode 2020

Ihr Kfm Synoden-Newsletter

Falls Sie den Newsletter in Zukunft gerne per E-Mail erhalten möchten, können Sie sich hier eintragen.

Die Herbsttagung der Württembergischen Evangelischen Landessynode fand vom letzten Donnerstag, den 26. bis Samstag, den 28. November 2020 hybrid statt. Das heißt ein kleiner Teil der Synodalen traf sich mit den nötigen Hygienevorkehrungen im Hospitalhof in Stuttgart während sich alle anderen per Video dazu schalteten. Hier ein paar unserer Zitronen in der mittlerweile sehr vertrauten Galerieansicht.

Ihre zwölf Kfm-Synodalen haben sich dabei mit einer starken Stimme für kreative, innovative und neue Wege, die Kirche gerade jetzt gehen muss, eingebracht.

Neben dem Bischofsbericht zum Thema Diakonie stand unter anderem der Beschluss über den landeskirchlichen Haushalt für 2021 auf der Tagesordnung. Außerdem hat die Synode entschieden, dass die Evangelische Landeskirche Württemberg der Initiative Lieferkettengesetz beitritt.

Viel Spaß beim Lesen!
 Inhalt 
 

1. Votum zum Bericht des Landesbischofs July „Kirche ist Diakonie und Diakonie ist Kirche“ – von Anja Faißt
2. Votum zum Bericht von Direktor Stefan Werner zur strategischen Planung der Landeskirche – von Matthias Böhler
3. Personalstrukturplanung für den Pfarrdienst– von Kai Münzing
4. Gemeinde- und Innovationskongress – von Ralf Walter
5. Haushaltsplan 2021 – Die fetten Jahre sind vorbei – von Götz Kanzleiter
6. Die Landeskirche tritt der Initiative Lieferkettengesetz bei – von Jens Schnabel
7. Aktuelle Stunde zu Verschwörungserzählungen – von Anja Faißt
8. Kirche in Corona-Zeiten – Kreative Aufbrüche gesucht!
9. Innovationspreis 2021 – Jetzt bewerben!
10. Zitronen-Fan? – Unterstützen Sie uns!
1. Votum zum Bericht des Landesbischofs July „Kirche ist Diakonie und Diakonie ist Kirche“

Anja Faißt plädierte im Votum für Kirche für morgen dafür, den Kontakt zur Diakonie, etwa für Beratungen, so leicht wie möglich zu machen und die Zugänge vielfältig zu gestalten: „Hier müssen die Hürden so gering wie möglich gehalten werden! Außerdem ist mir wichtig, dass wir hier weiterhin die Digitalisierung ausbauen. Es muss vielfältige Wege geben, damit Hilfesuchende uns als Kirche erreichen. Die Corona-Pandemie hat uns hier riesige Schritte abverlangt.“ Sie warb außerdem für „thinking outside of the box“, es gelte, innovative Wege zu finden, wie man in der Diakonie „unserem diakonischen Auftrag gerecht werden und die Coronaverordnungen ernst nehmen“ könne. Ihre Fragestellung war: „Wo können wir innovativ in Liebe diakonisch tätig werden und gerade in der Weihnachtszeit unseren Gott für die Menschen um uns herum erfahrbar werden lassen?“ Bei alldem möchte Sie den Gemeinden vor Ort Spielräume offen lassen und diese nicht ohne Grund verengen. „Ich nehme hier schöne Beispiele aus unserem Ländle wahr. Ich lese von dezentralen Vesperkirchen, Spaziergangsberatungen, Balkonkonzerten, Stationengottesdienst im Freien und bei all den innovativen Aktionen geht mein Herz als Synodale von Kirche für morgen auf.“ Nach wie vor fordern wir als Gesprächskreis: „10% für Innovation“.

Den Bericht von Landesbischof July und die Voten der anderen Gesprächskreise finden Sie hier.

von Anja Faißt
2. Votum zum Bericht von Direktor Stefan Werner zur strategischen Planung der Landeskirche
Matthias Böhler reagiert auf die Vorstellung der strategischen Planung  auf dem Podium.
Matthias Böhler reagierte auf die vorgestellte strategische Planung des Oberkirchenrats. Er hebt hervor, dass es gut ist, dass nun diese ausführliche strategische Planung vorgestellt wurde. Sie hilft uns in den Gesprächen der kommenden Monate. Doch eines vermisst Kirche für morgen dabei schmerzlich: Wo ist ein klares Zielbild? Wie stellen wir uns Kirche 2030 vor? Eine strategische Planung vorzustellen ohne darauf eine Antwort zu geben ergibt eigentlich keinen Sinn. Matthias Böhler fügt an dieser Stelle einige Bausteine unseres Zielbilds von Kirche für morgen ein: Eine Kirche der Zukunft nimmt einen Paradigmenwechsel vor. Sie geht weg von der einen Amtsperson, hin zu multiprofessionellen Teams. Pfarrerinnen und Pfarrer werden zu Trainerinnen und Trainern. Es gibt unterschiedliche Zugänge in die hauptamtlichen Dienste. Der Religionsunterricht wird gestärkt. Die Arbeit in Kindertagesstätten und Familienzentren wird priorisiert. Das EJW wird gefördert. – Um nur ein paar Beispiel zu nennen.

Als Kirche für morgen werden wir uns in den anstehenden Prozessen engagieren, um der strategischen Planung ein klares zitronenfrisches Zielbild sowie weitere innovative Themen hinzuzufügen.

von Matthias Böhler
3. Personalstrukturplanung für den Pfarrdienst
Kai Münzing hat klare Vorstellungen davon, was einen attraktiven Pfarrberuf ausmacht.
Oberkirchenrätin Nothacker schlussfolgerte aus dem Bericht zur Personalstrukturplanung, dass die Werbung für den Pfarrdienst weiter wichtig sei.

Kai Münzing macht jedoch im Namen von Kirche für morgen deutlich, dass es keine weiteren Hochglanzprospekte braucht, sondern vielmehr eine rasche Haltungsänderung der Landeskirche. Es müsse auf den Wandel des bisherigen Arbeitgebermarktes hin zu einem Arbeitnehmermarkt regiert werden. Er fordert, dazu den ernsthaften Dialog mit jungen Pfarrerinnen, Pfarrern und den Studierenden zu suchen. Ein Gespräch aus dem Jahr 2017 mit den zukünftigen Pfarrerinnen und Pfarrern habe folgendes ergeben: 

Eine zukunftsfähige Kirche mit einem zukunftsfähigen, attraktiven Pfarrberuf braucht: 
•     Entlastungsangebote im Pfarrdienst
•     Vertretungsregelungen
•     Distriktlösungen
•     Ermöglichung von interessens-, gaben- und vitaorientierter Dienstaufträge
•     Schaffung von multiprofessionellen Teams in ihren jeweiligen Rollen
•     alternative Zugänge in den Pfarrdienst
•     sowie alternativen Finanzierungs- und Anstellungsmöglichkeiten.

Den Bericht von Oberkirchenrätin Nothacker finden Sie hier.  Den Bericht des Ausschusses für Kirchen- und Gemeindeentwicklung zur Personalstrukturplanung für den Pfarrdienst von Kai Münzing hier.

von Kai Münzing
4. Gemeinde- und Innovationskongress
Photo by Daniele Franchi on Unsplash
Mit großer Mehrheit wurde in der Herbstsynode ein Antrag des Ausschusses für Kirchen- und Gemeindeentwicklung verabschiedet, dass finanzielle Mittel zur Durchführung eines groß angelegten Gemeinde- und Innovationskongresses im Jahr 2022 zur Verfügung gestellt werden.

Uns als Kfm ist dieser Kongress extrem wichtig: Wir wollen, dass die dringend benötigten Innovationen in unserer Landeskirche nicht so einfach am grünen Tisch verhandelt werden. Wir wollen die Leute an der „Basis“ – die Leute, die unsere Kirche ausmachen – hören, ernstnehmen und mitnehmen auf die Reise hin zu einer relevanten, zukunftsfähigen evangelischen Landeskirche, in der sich Menschen jeglichen Alters und aus unterschiedlichsten Gesellschaftsgruppen wohlfühlen.

von Ralf Walter
5. Die Landeskirche tritt der Initiative Lieferkettengesetz bei
Marion Blessing brachte den Antrag für einen Beitritt der Landeskirche zur Initiative Lieferkettengesetz in die Sommersynode ein. Nach einer umfassenden Debatte wurde der Antrag letzten Freitag angenommen.
Nach Beratungen im Ausschuss für Kirche, Gesellschaft, Öffentlichkeit und Bewahrung der Schöpfung hat die Landessynode nun beschlossen, dass die Landeskirche der Initiative Lieferkettengesetz beitritt. Einen entsprechenden Antrag hatte Marion Blessing bereits in der Sommersynode eingebracht.

Die Initiative Lieferkettengesetz  ist ein Zusammenschluss zahlreicher Organisationen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen: Unternehmen sollen auf Menschenrechte achten und Umweltzerstörung vermeiden und zwar nicht nur in Deutschland sondern auch bei ihren Lieferanten und Produktionsstandorten in anderen Ländern. Ein Lieferkettengesetz soll dafür Sorge tragen, dass Unternehmen, die Schäden an Mensch und Umwelt in ihren Lieferketten verursachen oder in Kauf nehmen, dafür haften müssen. Skrupellose Geschäftspraktiken dürfen sich nicht länger lohnen.

Weitere Informationen und die Möglichkeit, die Initiative zu unterstützen, finden Sie hier.

von Jens Schnabel
6. Haushaltsplan 2021 – Die fetten Jahre sind vorbei
Götz Kanzleiter bei den Beratungen zum Haushalt 2021.
Der Haushaltsansatz für 2021 liegt bei 727 Millionen Euro. Nachdem die Kirchensteuereinnahmen im Jahr 2019 mit 790 Millionen Euro einen neuen Höchststand erreicht hatten, sinken die Erwartungen für das Corona-Jahr  2020  bisher um ca. zehn Prozent. Diese Deckungslücken im Jahr 2020 und 2021 sollen über Rücklage-Entnahmen ausgeglichen werden.

Götz Kanzleiter formuliert in seinem Votum für Kirche für Morgen: „Wir realisieren nach vielen fetten Jahren einen signifikanten Rückgang unserer Einnahmen.“ Deshalb wird die Landeskirche um Kürzungen bei den Personalausgaben und Gebäudeaufwendungen nicht herum kommen. Dabei ist das Finanzproblem nicht allein der Corona-Krise geschuldet. „Wir verlieren ständig Mitglieder und haben noch keine klare Strategie, was wir dagegen tun können“.

Kirche für Morgen verwehrt sich deshalb dagegen, Sparmaßnahmen nach dem Rasenmäher-Prinzip durchzuführen. „Wir brauchen Schwerpunktsetzungen unter dem Primat der Erneuerung“, sagte Kanzleiter. „Wichtig sind Beteiligungsprozesse und Gemeindeentwicklungspläne, die haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende auf allen Ebenen mitnehmen“.

Kanzleiter bekräftigte die Forderung nach zehn Prozent Freiraum-Kapital für Aufbruch und Innovation. „Dies müssen wir in alle Haushaltsbereiche hineinbuchstabieren und auf allen Ebenen unserer Landeskirche einfordern.“ 

Für einen detaillierten Einblick in die Haushaltszahlen können Sie die Internetseite der Landessynode besuchen. Dort finden Sie alle Berichte zu den Haushaltsberatungen. Das Votum von Götz Kanzleiter können Sie hierausführlich lesen und den Haushaltsplan im PDF Format finden Sie hier.

von Götz Kanzleiter
7. Aktuelle Stunde zu Verschwörungserzählungen
Anja Faißt mahnt an mit den Menschen, die Verwörungserzählungen verbreiten, im Gespräch zu bleiben – als Privatperson und als Kirche.
Verschwörungserzählungen war das Thema der aktuellen Stunde auf der Herbsttagung der Landessynode.

Sowohl als Privatperson, als auch als Kirche müssen wir mit den Menschen, die Verschwörungserzählungen verbreiten, im Gespräch bleiben, betont Anja Faißt. Man dürfe diese Menschen nicht auszuklammern. Gleichzeitig brauche es Klarheit. Die Kirche habe viele Antworten, die sie dem Klima des Hasses entgegensetzen könne.

Bernd Wetzel unterstrich, dass eine Minderheit die Stärken der Demokratie nutze, um sie zu schwächen. Die Kirche müsse sich entschlossen erklären und widersprechen. Außerdem solle sie unter anderem das kritische Denken und die Medienkompetenz fördern. Die Stärkung demokratischer Werte sei selbstverständlich.  

von Anja Faißt
8. Kirche in Corona-Zeiten – Kreative Aufbrüche gesucht!

Was sind Ihre Ideen, wie Kirche in Zeiten von Social Distancing näher zu den Menschen rücken kann?

Schreiben Sie uns gerne! Wir veröffentlichen Ihre Idee, Ihr Projekt oder eine Aktion, die Sie kennen und die Sie begeistert gerne auf unserer Homepage www.kirchefuermorgen.de und unseren Social Media Kanälen, damit andere Gemeinden und Gruppen sich inspirieren lassen können. Die besten Ideen werden im Zitronenfalter veröffentlicht!

Schicken Sie einfach eine E-Mail mit einer kurzen Beschreibung, evtl. einem Foto oder Screenshot und ggf. einer Webadresse an presse@kirchefuermorgen.de.

Vielen Dank für Ihre Inspiration!

9. Innovationspreis 2021 – Jetzt bewerben!
Auch 2021 wollen wir wieder mit dem Innovationspreis Menschen auszeichnen, die mit ihren Projekten zeitgemäße Formen finden, um die beste Botschaft der Welt, mit den Menschen zusammenbringen, die wir lieben.

Neue Projekte werden mit einem Preisgeld von insgesamt 2000€ ausgezeichnet und als „Best-Practice“ Modelle auf verschiedenen Kanälen veröffentlicht, um auch andern Mut zu machen, Kirche neu zu gestalten.

Weitere Informationen finden Sie hier. Richten Sie die Bewerbung mit einer aussagekräftigen Beschreibung und Fotos Ihres Projektes an innovationspreis@kirchefuermorgen.de
 
10. Zitronen-Fan? – Unterstützen Sie uns!
Mit einer Spende…

Bitte unterstützen Sie uns, damit wir unsere Vereinsarbeit kontinuierlich fortsetzen und uns weiterhin für eine zukunftsfähige, mutige und visionäre Kirche einsetzen können.

Spendenkonto:

Kirche für morgen
IBAN: DE43 5206 0410 0000 4194 35
BIC: GENODEF1EK1
Evangelische Bank eG Kassel

…oder als Mitglied

Sind die Themen, für die Kirche für morgen sich stark macht, auch Ihre Themen? Möchten Sie auch Teil der Reformbewegung werden und gemeinsam an einer Kirche arbeiten, in der auch künftige Generationen ein Zuhause finden?

Dann werden Sie Mitglied bei Kirche für morgen e.V., werden Sie auch eine Zitrone! Spritzig und frisch – als saurer Kalklöser oder süße Limonade.

Hier finden Sie unsere Satzung und den Mitgliedsantrag.

Viele Grüße von der Herbstsynode…

…und aus dem Home-Office!

Und vielen Dank fürs Lesen!

Ihre Zitronen

Der neue Zitronenfalter „Krise. Katastrophe oder Einladung“ ist da.

Liebe Leserinnen und Leser,

die letzten Monate hatten es in sich. Jeder und jede von uns hatte so seine ganz eigene Herausforderung zu meistern. Wir sind in einer Krise, so wurde immer wieder deutlich kommuniziert.

Und jetzt? Wie damit umgehen? Was hilft weiter?

Diesen Fragen haben wir uns gestellt. Ganz verschiedene und kreative Antworten darauf finden Sie in diesem Heft. Einige davon stellen wir hier vor: Der badische Landesbischof Prof. Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh zeigt uns die Bedeutung des Vertrauens auf, um uns auf Ambivalenzen und Risiken einzustellen. Die Theologin Ruth Maria Michel ermutigt mit konkreten Fragen, uns der Herausforderung zu stellen und sie zu bewältigen. Kreative und ermutigende Ideen, wie eine Osternacht zu Coronabedingungen, der online Ständerling nach dem Gottesdienst, oder der Gottesdienst im Autokino werden vorgestellt. Auch die Form des online Abendmahls wird diskutiert.

Wir wünschen Ihnen, dass der Zitronenfalter Impulse gibt für Ihre ganz eigene Krisenbewältigung, neue Ideen für die Gestaltungsmöglichkeiten in der Gemeinde und viel Ermutigung beim Lesen. Das komplette Heft können Sie hier lesen oder als PDF herunterladen.

So war unsere Mitgliederversammlung am 9. Oktober 2020

Markus Brenner begrüßt vor der Bonhoefferkirche mit zitronengelber Maske.

Versammlung? – Ein ganz schwieriges Wort zur Zeit. Und doch muss ein lebendiger Verein sich zumindest einmal im Jahr treffen, um Wahlen abzuhalten, sich über die künftige Ausrichtung Gedanken zu machen und – erfreulicherweise – neue Mitglieder einzubinden. Dank Christine und Bernd Hirzel konnten wir unsere Mitgliederversammlung, die vom Frühjahr – aus gegebenem Anlass – auf Herbst verschoben wurde, am Freitag, den 9. Oktober 2020, in der großen Bonhoefferkirche in Stuttgart unter Corona Bedingungen abhalten. Rund 50 Mitglieder waren gekommen, um sich einzubringen.

Jens Schnabel berichtete über das letzte Jahr.

Jens Schnabel, der erste Vorsitzende von Kfm, berichtete über das letzte Jahr und ermutigte die Mitglieder auch weiterhin beim Reformationsprozess der Landeskirche dabei zu sein. Anschließend konnten zahlreiche neue Mitglieder begrüßt werden, von denen einige auch anwesend waren. Wir sind inzwischen stolze 241 Mitglieder stark!

Danach gab Reiner Klotz einen Einblick in die im Dezember erfolgten Kirchenwahlen. Kfm ist in 21 Wahlkreisen mit 28 Kandidatinnen und Kandidaten angetreten. Viele haben sich mit unglaublichem Einsatz bei der Wahl engagiert und mit der Agentur cadea / plus X hatte Kfm auch eine sehr gute Wahlunterstützung, so dass die Reforminitiative den mit Abstand größten Stimmenzuwachs verbuchen konnte und somit als Sieger aus der Wahl hervorgegangen ist. Wir haben jetzt 12 Synodale in der Landessynode, darunter 3 Frauen und 2 Pfarrer! (Zum Vergleich: In der letzten Synode waren wir mit fünf Synodalen vertreten). Informationen über die Arbeit der Synodalen in der Synode sind hier auf unserer Homepage zu finden.

David Lehmann stellte ein neues Konzept für die Öffentlichkeitsarbeit und den Zitronenfalter vor: das Projekt „Zitronen – PRESSE“. Dieses befindet sich gerade noch in der Entwicklung, wir werden aber demnächst über weiter Ergebnisse informieren.

Das „Café 300“ der Evangelischen Kirchengemeinde Dettingen am Albuch erhielt den 1. Platz beim Innovationspreis.

Seit einigen Jahren vergeben Kirche für morgen und das 3E Magazin zusammen den Innovationspreis. Im Frühjahr musste die Preisübergabe leider ausfallen, deshalb haben wir jetzt die Chance genutzt und den 1. Preis unter großem Applaus an das Projekt „Café 300“ übergeben. Leider konnten die Gewinner des 2. und 3. Preises nicht anwesend sein. Die Plätze 1 – 10 und Beschreibungen zu den Projekten sind hier zu finden – und vielleicht findet sich ja auch die ein oder andere Inspiration für die eigene Gemeindearbeit. Markus Brenner, der Erfinder und Kümmerer des Innovationspreises, übergab dabei auch den Staffelstab an Jürgen Kehrer und Willi Beck, die in Zukunft das Projekt verantworten.

Übrigens: Um den Innovationspreis 2021 kann man sich noch bis Ende diesen Jahres bewerben – und damit um eine attraktive Förderung Ihres innovativen Projektes von bis zu 1.000,00 €! Alle Infos hier.

Die anderen „Treppchen“-Plätze wurden in Abwesenheit überreicht.

Martin Mielke gab dann den Finanzbericht ab. Durch die Wahlkosten ist der Haushalt von Kfm leider nicht ausgeglichen. Es sind zwar dankenswerterweise mehr Spenden als erwartet eingegangen, es gab aber gerade durch die Wahlkosten und die Zusammenarbeit mit cadea / plus X sehr hohe Ausgaben, so dass wir leider einen Berg von Schulden haben. Das Ziel muss sein, diese möglichst schnell abzubauen und ein Finanzpolster für die nächsten Kirchenwahlen aufzubauen. Wie kann das gehen?
Wie wäre es denn, wenn jedes Kirche für morgen Mitglied eine Sonderspende von 100.- Euro machen würde, dann könnten wir einen großen Teil der Privatdarlehen bald zurückzahlen. Wer das kann und möchte findet hier unsere Bankverbindung. Der Leitungskreis muss sich auch Gedanken darüber machen, ob wir uns weiterhin die professionelle Öffentlichkeitsarbeit durch cadea / plus X leisten können und wollen.

Apropos Leitungskreis – dieser konnte endlich neu gewählt werden. In den neuen Leitungskreis wurden Brigitte Zirngibl, Jürgen Kehrer, Willi Beck, Sebastian Bugs, David Lehmann und Markus Munzinger gewählt. Außerdem hat sich Andreas Arnold bereit erklärt für den Posten des 2. Vorsitzenden zu kandidieren und wurde einstimmig gewählt. Herzlichen Glückwunsch an alle Gewählten! Wir wünschen euch Gottes Segen für eure Aufgaben und Gottes guten Geist für Ideen und Aktionen, die Kfm voranbringen und helfen, die Kirche zu reformieren.

Nach einer Pause kamen auch die Synodalen noch zu Wort und berichteten aus der bisherigen Arbeit in der Synode. So ging eine rundum gelungene Mitgliederversammlung unter Corona Bedingungen nach vielen Gesprächen zu Ende. Es war schön sich auch einmal wieder zu treffen und auszutauschen. Mit diesem Schwung können wir als Reforminitiative unsere Vereins- und Gesprächskreisarbeit hoffentlich so erfolgreich wie bisher weiterführen!