Das war die Frühjahrssynode 2022

Neuer Bischof für die Evangelische Landeskirche

Wir gratulieren Ernst-Wilhelm Gohl zu seiner Wahl zum Landesbischof. Wir wünschen Gottes Segen für diesen Dienst. Er wurde gestern denkbar knapp mit einer Stimme Mehrheit gewählt. In der Synode hatte in einer ersten Wahl keiner der Kandidierenden die erforderliche Mehrheit erreicht. In einem zweiten Wahlvorschlag stand nur ein Kandidat erneut zur Wahl.

Wir als Kirche für morgen wissen, dass vieles aus diesem Prozess außerhalb der Synode nicht wirklich nachvollziehbar war. Das tut uns leid. Wir haben selbst sehr darunter gelitten und sehr viele Rückmeldungen dazu bekommen. Danke! Kfm will immer, dass unsere kirchlichen Prozesse zeitgemäßer und verständlicher für die Basis werden. Wir ermutigen euch alle zum Einbringen, Stimme erheben und nachfragen. Und ihr wisst ja, wo es Mitgliedsanträge gibt😉

Am Ende dieses zähen Ringens bleibt: Wir sind immer noch enttäuscht, dass unser Kandidat Gottfried Heinzmann nicht gewählt wurde. Wir halten ihn für eine profilierte und trotzdem verbindende Leitungsperson für unsere Kirche. Wir danken für seine Bereitschaft, sich der Nominierung zu stellen und wünschen ihm Segen für seinen weiteren Weg. Für die Zukunft unserer Landeskirche hoffen wir, dass Ernst-Wilhelm Gohl auch Impulse von Kirche für morgen aufnimmt und vertritt. In allen kirchlichen Herausforderungen und notwendigen Transformationen setzen wir uns weiterhin für Innovation, Veränderung und Vielfalt ein.

– Tobi Wörner


Jenseits von Eden – Friedensgebete im Blick auf Krieg und Flucht

Die aktuelle Stunde bildet einen emotionalen Höhepunkt dieser Frühjahrssynode. Diesmal gab es in der aktuellen Stunde keine Redebeiträge der Synodalen zu einem aktuellen Thema. Stattdessen versammelte sich das Gremium zum Friedensgebet v.a. natürlich in Bezug auf die Situation in der Ukraine.
Zuerst kamen Vertreter*innen aus der Ukraine, Polen, Slowakei und Rumänien zu Wort und schilderten die Situation in ihren Ländern in umfassender Weise. Danach gab es die Möglichkeit, eingebunden in eine passende Liturgie, dass jede*r im Gebet der Betroffenheit durch das Anzünden eines Friedenslichts Ausdruck verleihen konnte. Am Ende stand vor allem das „Kyrie Eleison“ – Herr, erbarme dich.

– Anja Faisst


Kirchliche Finanzen leiden unter Mitgliederverlust

Oberkirchenrat Kastrup gab bekannt, dass der durch Corona bedingte Einbruch der Kirchensteuermittel nicht so negativ und nachhaltig ausfällt wie befürchtet. Es gibt für die Kirchengemeinden zunächst also wieder mehr Geld zu verteilen. Die nun zu erwartenden Mehreinnahmen werden aber durch die derzeit hohe Inflation wieder zunichte gemacht. Besonders schwerwiegend sind die hohen Austrittszahlen, die auch 2021 angehalten haben. Matthias Vosseler ging in seinem Votum auf die Fragen von Mitgliederbindung und Taufe und Kirchenmitgliedschaft ein. Bei einer zunehmenden Zahl von nichtgetauften Kindern und Jugendlichen stellt sich die Frage, wie wir etwa im Religionsunterricht oder mit Hilfe von sozialen Medien diese Menschen mit der christlichen Botschaft erreichen.
Ausgetretene bleiben Getaufte. Wie können wir so einladend sein, dass sie wieder den Weg zu uns finden?

– Matthias Vosseler


Transformation kirchlicher Verwaltungsstrukturen

Die Organisation Kirche befindet sich aufgrund von vielzähligen Herausforderungen in einem nicht aufzuhaltenden und an vielen Stellen existenziell notwendigen Change-Prozess. Die Verwaltung kann sich diesen Prozessen nicht verschließen. Vielmehr führten alle Untersuchungen der vergangenen Jahre, sowie die Erprobung die letzten beiden Jahre zur Erkenntnis, dass kirchliche Verwaltung in der bisherigen Struktur nicht mehr zukunftsfähig sein wird. Neue Herausforderungen, die neben den bisherigen verwaltungstechnischen Aufgaben unweigerlich zu einem Kollaps führen würden. Zumal diese neuen Herausforderungen bei gleichzeitigem Fachkräfte- und Nachwuchsmangel sowie einem seit Jahren anhaltenden eruptiven Mitgliederrückgang (im Jahr 2021 waren dies 45.222 Gemeindeglieder) zu bewältigen sein werden.Nach nunmehr rund 6 Jahren der intensiven Ist-Analyse, der Beratung, der Befragung, der Beteiligung und der Erprobung stehen wir nun kurz vor der abschließenden Erarbeitung und dem Beschluss des Gesetzes zur landeskirchlich weiten Umsetzung einer dringend notwendigen Verwaltungsreform. Kirchliche Verwaltung wird ihren Beitrag leisten, diesen Change-Prozess zu begleiten und zu ermöglichen. Die landeskirchliche Trägerschaft ermöglicht mittel- und langfristig modulare Anpassungen. Eine Transformationsfrist von bis zu 10 Jahren sowie ein individueller und empathischer Blick auf die bisherigen Leistungserbringerinnen und Leistungserbringer ist hierbei unumgänglich.

– Kai Münzing


Klima- und Umweltschutz in der Landeskirche fördern – das 1000 Dächer Programm

Wir haben den Antrag „1000 Dächer-Programm“ eingebracht. Darin wird der Oberkirchenrat gebeten, ein Konzept auszuarbeiten für ein Förderprogramm, in dem 1000 Photovoltaik-Anlagen auf Kirchengebäuden oder die Sanierung von klimatisch sehr belastenden Heizungsanlagen realisiert werden. Dieses Konzept soll auch die Beratung der Kirchengemeinden über die Möglichkeit weiterer Fördertöpfe beinhalten. Weiter wird in dem Antrag der OKR darum gebeten eine Initiative der Landeskirche auf politischer Ebene erneut aufzunehmen oder zu starten, um steuerrechtliche, baurechtliche und denkmalschutzrechtliche Probleme aus der Welt zu schaffen. Ein Motto könnte dabei lauten: „Klimaschutz vor Denkmalschutz!“

– Bernd Wetzel


Ein neuer Bischof für Württemberg

Wir gratulieren Ernst-Wilhelm Gohl zu seiner Wahl zum Landesbischof. Wir wünschen Gottes Segen für diesen Dienst.

Er hat sich heute denkbar knapp mit einer Stimme Mehrheit durchgesetzt. Bei der Synodaltagung hatte in einer ersten Wahl keiner der Kandidierenden die erforderliche Mehrheit erreicht. In einem zweiten Wahlvorschlag stand nur ein Kandidat erneut zur Wahl.

Wir als Kirche für morgen wissen, dass vieles aus diesem Prozess außerhalb der Synode nicht wirklich nachvollziehbar war. Das tut uns leid. Wir wollen, dass unsere kirchlichen Prozesse zeitgemäßer und verständlicher für die Basis werden. Für die Zukunft unserer Landeskirche hoffen wir, dass Ernst-Wilhelm Gohl auch Impulse von Kirche für morgen aufnimmt und vertritt. In allen kirchlichen Herausforderungen und notwendigen Transformationen setzen wir uns weiterhin für Innovation, Veränderung und Vielfalt ein.

Kirche für morgen, 19.03.2022

Bild: Gottfried Stoppel

Kommentar zur gescheiterten Wahl einer Landesbischöfin/ eines Landesbischofs am 17. März

Ein Tag, der nur Verlierer kennt.

In einem langen, aufwändigen Verfahren und nach sorgfältigem Abwägen hat der Nominierungsausschuss der Landessynode drei Kandidierende für die Bischofswahl am heutigen 17. März vorgeschlagen. Sie wurden alle für geeignet befunden, haben sich mit viel Engagement und Einsatz vorgestellt. Mit großem Bedauern nehmen wir zur Kenntnis, dass am Ende des Tages die Wahl gescheitert ist.
Obwohl in allen Wahlgängen derselbe Kandidat, Gottfried Heinzmann, die meisten Stimmen auf sich vereinigen konnte und nach dem Rückzug bzw. dem Ausscheiden der beiden anderen Kandidierenden als einziger Kandidat zur Wahl stand, gaben 42 Synodale einen ungültigen Stimmzettel ab.
Dieser Tag kennt nur Verlierer. Und wir alle tun gut daran, nun in Ruhe und mit Besonnenheit die nächsten Schritte zu gehen. Ein Schnellschuss verbietet sich dabei und eine wahltaktische Blockadehaltung darf nicht belohnt werden.
Wir danken den drei Kandidierenden, die sich zur Wahl gestellt haben, für ihre Bereitschaft und ihr Engagement. Nun sehen wir den Nominierungsausschuss in der Pflicht, der Synode bis zu einer späteren Synodaltagung eine Kandidatin/ einen Kandidaten vorzuschlagen. Ein Tag wie heute darf sich nicht wiederholen.

Angela Schwarz und Andreas Arnold, Vorsitzende von Kirche für morgen.

Nach Corona: Weiter so? Oder hoffentlich nicht…

Was hat Kirche aus Corona gelernt? Nach der Schockstarre reibt mancher sich die Augen und möchte so schnell wie möglich wieder zurück ins normale Kirchenleben. Aber was ist für Kirche eigentlich „normal“? Das haben wir Dr. Klaus Douglass gefragt und er macht Mut zu neuen Wegen.

Ich unterhielt mich dieser Tage mit einer jungen Pfarrerin, deren Gemeinde in der Coronakrise eine erstaunliche Entwicklung genommen hatte. Der Gottesdienstbesuch ihrer Gemeinde hatte sich trotz pandemiebedingter Einschränkungen fast verdreifacht. Die vormals recht kleine Schar der gemeindlich Aktiven hatte sich geöffnet und in der Krise mit verschiedenen Akteur*innen des Ortes kooperiert, um Masken zu nähen, Hilfsbedürftige zu unterstützen und gemeinsame Projekte zu stemmen. Ganz allgemein waren das Wir-Gefühl und der Zusammenhalt nicht nur innerhalb der Gemeinde, sondern auch innerhalb des Ortes deutlich gewachsen. Natürlich war Corona auch dort eine schlimme Zeit gewesen. Aber irgendwie hatte die Krise die Menschen dazu gebracht, zur richtigen Zeit die richtigen Dinge zu tun bzw. sich auf das zu konzentrieren, was im Endeffekt wirklich zählt: nämlich die Weitergabe von Glaube, Liebe und Hoffnung.

Endlich wieder Gottesdienste wie früher!?

Allerdings, so erzählte die junge Kollegin, waren im Frühsommer, als die Impfkampagne endlich zu greifen begann, gleich mehrere der früheren Gottesdienstbesucher*innen zu ihr gekommen und hatten gesagt: „Gott sei Dank, Frau Pfarrerin, jetzt können wir endlich wieder Gottesdienste und Veranstaltungen wie früher machen!“ Mit diesen Worten, so ergänzte sie, war die klare Erwartung verbunden, dass man endlich mit den ganzen Neuerungen aufhören und wieder zur guten alten Normalität zurückkehren solle.

Was uns zu der Frage bringt: Was ist für uns als Kirche eigentlich „normal“? Viele beantworten diese Frage aus der Vergangenheit heraus: Normal ist, was allgemein üblich ist. In diesem Sinne waren liturgische Gottesdienste mit einem Besuch von nicht einmal zwei Prozent der eigenen Mitglieder (von Nichtmitgliedern ganz zu schweigen) bis vor Kurzem „normal“. Oder Gemeinden, die sich stark nach außen hin abschotten, um eine Binnenkultur zu pflegen, die für Außenstehende weder leicht zugänglich noch inhaltlich nachvollziehbar ist. Das Problem mit diesem – vornehmlich an der vorhandenen kirchlichen Praxis orientierten – Normalitätsbegriff ist, dass das, was kirchliche Insider als „normal“ ansehen, für Außenstehende oft das genaue Gegenteil ist. Es ist für sie „unnormal“, weil es ihrem Lebensgefühl und ihrer Lebenswirklichkeit nicht nur nicht entspricht, sondern oft sogar widerspricht.

Was ist der Auftrag?

Vielleicht würde es helfen, wenn wir als Kirche den Begriff der Normalität nicht an dem festmachten, was allgemein üblich, sondern an dem, was uns aufgetragen und verheißen ist. Der Auftrag der christlichen Gemeinde wird in Matthäus 28,18-20 definiert: Geht hin zu den Menschen, gewinnt sie dafür, Jesus Christus nachzufolgen, integriert sie in eure Gemeinschaft und helft ihnen, sich im Wort der Heiligen Schrift zu verwurzeln. – Dass das geschieht, darf allein der Maßstab kirchlicher Normalität sein. Und umgekehrt: Wo das nicht geschieht, ist das eben nicht „normal“, selbst wenn wir da- bei auf eine noch so lange Tradition zurückblicken können und wenn dabei noch so viele fromme Worte gemacht werden.

Was die junge Kollegin in ihrer Gemeinde gemacht hat, war in diesem auftrags- und verheißungsorientierten Sinne „normal“. Als die herkömmlichen Gottesdienste coronabedingt nicht mehr durchgeführt werden konnten, wich sie auf andere Formate aus: Gottesdienste im Freien, Hausgottesdienste und Gottesdienste im Netz, wobei sie nicht einfach die klassischen Formate ins Internet streamte, sondern einfache Formate mit vielen Möglichkeiten zu Beteiligung entwickelte. Allesamt sehr persönliche, kommunikative und auf Be- ziehung ausgerichtete Formate.

Persönlich, kommunikativ, auf Beziehung aus

Ich glaube, dass solche Elemente der Beteiligung und des Zusammenwirkens unumkehrbar zur Zukunft nicht nur des Gottesdienstes, sondern unserer Kirche überhaupt gehören: Kirche in den unterschiedlichsten Netzwerken unserer Gesellschaft, Kirche im Sozialraum, Kirche in ökumenischer Weite und Kirche in globaler Verbundenheit: Wo immer Gemeinden sich in den Monaten der Pandemie auf einen derartigen Weg gemacht haben, haben sie inmitten der Krise einen guten Schritt nach vorne gemacht. Und es wäre jammerschade, wenn sie der Versuchung erlägen, nach Abklingen der Pandemie wieder zur alten „Normalität“ zurückzukehren. „Normal“ im auftrags- und verheißungsorientierten Sinn ist, was Menschen mit dem Evangelium in Berührung bringt, was ihnen hilft, sich darin zu verwurzeln und was sie dazu bringt, selbst Glaube, Liebe und Hoffnung weiterzugeben.

Wenn das mit den alten Mitteln und Formen besser gelang als mit den neuen, sollten wir zu diesen zurückkehren. Wenn die neu gefundenen Formen und Mittel allerdings hilfreicher sein sollten, sollten wir uns getrost von den alten verabschieden und auf jenem Weg weitergehen, den Gott uns in den letzten anderthalb Jahren geführt hat.

Dr. Klaus Douglass, Pfarrer und Direktor der evangelischen Zukunftswerkstatt midi in Berlin

Evangelische Landeskirche im Wandel – eine Persönlichkeit für den Aufbruch

Kirche für morgen zur Wahl der Landesbischöfin/des Landesbischofs, 30.11.2021, Stuttgart.

Am 17.03.2022 wählt die Württembergische Evangelische Landessynode eine neue Führungspersönlichkeit für die Landeskirche. Drei KandidatInnen stehen zur Wahl. „Für uns ist klar, dass wir eine Person brauchen, die unsere gesamte Kirche zuversichtlich durch eine Zeit des Wandels führt“, sagt Matthias Böhler, Gesprächskreisleiter von Kirche für morgen. Vorsitzende Angela Schwarz ergänzt: „Wir stehen für Aufbruch und Erneuerung. Wir wünschen uns eine Bischöfin oder einen Bischof, der unsere Traditionen zu schätzen weiß und gerade deshalb mutig in die Zukunft führt. Ein Herz für Innovation, Mut zu inhaltlicher Fokussierung und bunte Diversität in Formen und Stilen sind für uns essenziell.“ 

Unser Kandidat für die Bischofswahl ist Gottfried Heinzmann, Pfarrer und fachlich-theologischer Vorstand DIE ZIEGLERSCHEN aus Filderstadt. 

Für uns ist er eine Persönlichkeit, die die unterschiedlichen Frömmigkeitsstile und Prägungen in unserer Landeskirche kennt, ernst nimmt und die Stärke besitzt zu vereinen. Er verfügt über eine besondere Kompetenz für Diakonie und Jugend. Außerdem bringt er die Fähigkeit mit, unsere Organisation weniger als hierarchisch organisierte Amtskirche „von oben“, sondern als eine Bewegung der Basis zu verstehen. „Wir werden Gottfried Heinzmann auf dem Weg bis zur Wahl und darüber hinaus unterstützen“, bestätigt der Vorsitzende von Kfm, Pfarrer Andreas Arnold. Kirche für morgen freut sich auf eine Persönlichkeit, die für Aufbruch steht.

Herbstsynode 2021 – Update von Kirche für morgen

„Klimaschutz vor Denkmalschutz“

Mit „Weniger ist mehr“ ist die Strategische Planung der Landeskirche überschrieben, die in einem Bericht von Direktor Werner vorgestellt wurde. Dabei gehe es nicht darum, dass die Kirche immer kleiner werde ohne sich selbstkritisch zu hinterfragen oder Veränderungsprozesse anzunehmen, so Herr Werner, sondern vor allem sich stärker zu fokussieren. Matthias Böhler strich im Gesprächskreisvotum von Kirche für morgen heraus, dass wir dringend eine Kultur des Weglassens entwickeln müssen. Fokussierung darf nicht zu Lasten neuer Initiativen und Ideen gehen.  „Weniger machen – heißt mehr Experimentierraum!“, so Matthias Böhler.
Mit Blick auf das strategische Ziel einer klimaneutralen Kirche sprach er sich dafür aus, dass Klimaschutz vor Denkmalschutz stehen müsse. „Unsere Gebäude sind keine Museen, sondern Ausdruck einer aktuellen Botschaft, die sich den Herausforderungen dieser Zeit stellt und sie annimmt. Es wäre doch super, wenn wir ein 1000-Dächer-Programm auflegen könnten, um Kirchengemeinden konsequent dabei zu unterstützen Photovoltaik-Anlagen auf ihre Kirchendächer zu bauen.“

Deutliches Zeichen gegen sexualisierte Gewalt

Mit der einstimmigen Verabschiedung des Gewaltschutzgesetzes hat die württembergische Landessynode ein deutliches und sichtbares Zeichen gegen sexualisierte Gewalt gesetzt. Damit einher gehen die Verantwortung und Verpflichtung, den Schutz vor sexualisierter Gewalt zukünftig in allen kirchlichen und diakonischen Arbeitsfeldern zeitnah umzusetzen.
Das Gesetz schreibt in allen kirchlichen Einrichtungen Schutzkonzepte und Prävention verbindlich vor. Künftig müssen kirchlich Mitarbeitende in Abständen von 5 Jahren regelmäßig ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen.
Kirche für morgen brachte mit der Unterstützung aller Gesprächskreise den Antrag: „Schaffung notwendiger Personalressourcen für die eigenständige und unabhängige Aufarbeitung des Themas sexualisierte Gewalt“ ein.
Die vorhandenen Stellen für das Thema sexualisierte Gewalt werden der Brisanz des 

Themas nicht gerecht und reichen für die unten beschriebenen Herausforderungen nicht aus.
Es sollen damit auch ausreichend finanzielle Ressourcen für die Betroffenen sexualisierter Gewalt für Beratung, Begleitung, Aufarbeitung, Sicherstellung ihrer Lebensführung sowie Hilfe bei Unterkunft aber auch für Präventionsmaßnahmen verfügbar gemacht werden. Die Entwicklung flächendeckender, präventiver Schutzkonzepte und notwendiger Interventionen in Kirchengemeinden und Einrichtungen von Kirche und Diakonie stellen uns vor große Herausforderungen.

Friedenstiften durch Impfpflicht?!

Das Thema der aktuellen Stunde war „Friedenstiften durch Impfpflicht?!“. Nachdem Landesbischof July schon zu Beginn der Tagung klar zur Impfung aufgerufen hatte, meldeten sich in der aktuellen Stunde viele Synodale zu Wort. In den meisten Statements wurde für die Impfung geworben. Darüber hinaus wurde aber auch der innere Konflikt in der Entscheidung für bzw. gegen eine Impfpflicht deutlich. Unter anderem sprach sich Ralf Walter von Kirche für morgen für die Impflicht als dauerhafte Friedenspenderin aus. Seiner Meinung nach sieht er dies jedoch als drastische Maßnahme in einer Krisensituation. Andere Synodale sprachen davon, dass man als Kirche für die Impfung werben müsse. In Blick auf die kommenden Wochen betonte Steffen Kern von der Lebendigen Gemeinde die Freiheit des Einzelnen. Er sagte jedoch auch, dass eine Impfpflicht als letztes Mittel nicht unethisch sei. Hans-Ulrich Probst verlas eine Erklärung der Offenen Kirche, die auf die soziale Verantwortung aufmerksam machte und, ähnlich wie Steffen Kern, die Impfpflicht als letztes Mittel für möglich hielt.

Haushaltsplan 2022 – „Luft nach oben“

Die Verabschiedung des Haushaltsplans am dritten Synodaltag bildete den Höhepunkt der Herbstsynode, wird doch mit den finanziellen Mitteln die Grundlage aller Vorhaben gelegt. Der landeskirchliche Haushaltsplan 2022 umfasst ein Volumen von 697,7 Millionen Euro (2021: 727,3 Millionen Euro) und ist insgesamt fast ausgeglichen. Es gehen einerseits Mittel in die Personalversorgungs- und Gebäuderücklage und es werden Rücklagen für den Ausgleich des Haushalts eingeplant. Die geplanten Sparquoten für den Haushalt der Landeskirche (0,9%) und die Weiterleitung an die Kirchengemeinden (0,7%) allen noch moderat aus. Finanzdezernent Oberkirchenrat Herr Kastrup wies auf die Notwendigkeit hin, zielgerichtet zu sparen, um die Finanzziele bis 2030 erreichen zu können. Dementgegen forderte Götz Kanzleiter in seinem Gesprächskreisvotum neben dem sparorientierten Haushalten mehr Mut für Investitionen in frische Ideen und Aufbrüche. „Neben der notwendigen Entscheidungen bezüglich der Posterioritäten und Einsparmöglichkeiten geht es gleichzeitig um Transformation und Weiterentwicklung. Dazu brauchen wir Experimentier- und Projekträume. Zur Gewinnung von Kirchenunterstützern braucht es eine optimistische Grundhaltung und Experimentierräume für innovative neue Wege“, so Götz Kanzleiter in seinem Votum. Götz Kanzleiter lenkte den Blick auf die bereits gelingenden Hoffnungszeichen am Landeskirchlichen Aufbruchshorizont. Er benannte exemplarisch die Projekte „neue Aufbrüche“ und das Projekt „Aufbruch Quartier“ und wünschte sich mehr Ressourcen für die Leuchtturminitiativen. „Die 10 Pfarrstellen im Projekt „Neue Aufbrüche“ entsprechen ca. 0,5% aller Pfarrstellen. Da wäre noch „Luft nach oben“ so Götz Kanzleiter.

Hoffnung schafft Motivation – Votum zur Haushaltsplanung 2022

Hohe Synode, verehrte Präsidentin, 

Die aktuelle Debatte ist ernst und zielt auf den Beschluss des Haushaltgesetzes 2022, damit schaffen wir die Grundlage für unsere strategischen Ziele im nächsten Jahr.  In drei Punkten reflektiere ich unseren grundsätzlichen Umgang mit den Finanzen.

Komplexität reduzieren-Steuerung ermöglichen

„Die Reduktion von Komplexität ist zentrale Aufgabe strategischen Unternehmensmanagements.“ So lautet ein Kernsatz in meinem Organisationshandbuch. In diesem Sinne schließe ich direkt an Punkt 3 des Berichtes von Herrn Kastrup an: „wir werden an den Vereinfachungen unserer Strukturen  arbeiten und Komplexität aktiv reduzieren und damit übermäßige Verwaltung vermeiden“. Diese Absicht möchten wir vom Gesprächskreis KFM unterstreichen. Damit wir als Synode gut mit komplexen Haushaltsplänen umgehen können brauchen wir gut aufbereitete Zahlen und nützlich betriebswirtschaftliche Instrumente damit wir unsere synodale Finanzverantwortung ausüben können. Die neue Werbebroschüre „Kirchensteuer wirkt“ ist ein erster Versuch von Vereinfachung und gleichzeitiger Pointierung. Diese Art der Darstellung überwindet die sonst übliche Aufteilung der Geldströme in einen landeskirchlichen und einen gemeindlichen Teil und macht dadurch transparent, in welchen Bereichen die Landeskirche ihre inhaltlichen Schwerpunkte legt. Vielen Dank – Ihnen Herr Kastrup und allen Mitarbeitenden im Dezernat 7 für Ihre Arbeit und für alle Bemühungen, unsere komplexen Strukturen in lesbare Haushaltspläne zu übersetzten.

An den Stärken ansetzen

Wir sind mit dem Rückgang an Mitglieder und an Ressourcen beschäftigt. Und vergessen dabei all zu leicht , auf das zu blicken, was wir haben. Sowohl global wie auch historisch betrachtet hatten Christinnen und Christen niemals mehr an Personal, an Ausstattung, an Technik und Fahrzeugen und an Absicherung. Im diesem Sinne möchte ich zwei Leuchturmprojekte exemplarisch herausgreifen und damit unsere landeskirchlichen Stärken in den Fokus stellen: Denken Sie an unser Projekt „Neues Aufbrüche“. 10 kreative Pfarrerinnen und Pfarrer experimentieren in alten und neuen Räumen, mit neuen Ideen. Das ist begeisternd, diese Projektgeschichten machen Lust und schaffen Motivation, sowohl bei den Stelleninhabern wie auch bei den beteiligten Ehrenamtlichen. Das sind Sonderstellen, die im Pfarrplan und für die Gemeindestellen rechnerisch fehlen, aber andererseits Synergien schaffen. Diese Leuchtturm-Projekte wirken in die Öffentlichkeit und bieten auch spannendes Entwicklungspotential für die Stelleninhaber. Bei aktuell ca. 1750 Pfarrstellen sind diese 10 Stellen bescheidene 0,5 %. Und damit gib es noch genügend Experimentierluft nach oben. 

In meiner Vision konkurrieren diese Personalstellen nicht mit den traditionellen Gemeindestellen, sondern sind Ergänzung, Erweiterung und befruchtende Motivation. In multiprofessionellen Teams entwickeln Pfarrerinnen, Diakoninnen, Kirchmusikern, Jugend- und Gemeindereferenten, Verwaltung und Organisationsdienstleisterinnen zusammen mit ehrenamtlichen eine bunte einladende Kirche, die gemeinsam Neues entwickeln  und gemeinsam überlegen, was sie dafür lassen. Und nicht zu vergessen das Projekt Aufbruch Quartier; angesiedelt im Zwischenraum von Diakonischem Werk, von LAGES und PTZ werden hier unter dem Schlüsselwort „Trialog“ die kirchlich-diakonischen Partner vor Ort auf einander hin gewiesen und über die einzelnen Kirchtürme hinaus auf die Menschen in der Nachbarschaft, in Quartier und Gemeinwesen aufmerksam gemacht. Daraus haben sich schon knapp 50 hoffnungsvolle Projekte ergeben, die Menschen ansprechen und neue Nutzungsideen für kirchliche Gebäude mit entwickeln. Motivierende und vielfältige Aufbruch-Geschichten die mich freuen und stolz machen. Super geeignet um damit das Bild von Kirche in der Öffentlichkeit zu prägen. 

Hoffnung schafft Motivation

Komplexe Haushaltsplanstrukturen sind Spiegel einer komplexen Kirchenstruktur. Aufgebaut in vielen Jahren, mit dem guten Ziel, Kirche Jesu Christi zu bauen. Mit der Geschichte vom Königs-Bäcker aus dem Nachbardorf nun mein Versuch diese Komplexität etwas zu reduzieren: Herr König, Bäckermeister in langer Familientradition war in die reifen Jahre gekommen. Etwas kurzsichtig und leicht schwerhörig, nahm er neue Trends wenig wahr. Aber seine Brezeln waren immer noch die Besten in der Region. Lecker, schmackhaft und von bester Qualität fanden diese Brezeln reißenden Absatz. Der Bäckermeister musste, um die Nachfrage bedienen zu können, weitere Backöfen anschaffen, für den boomenden Verkauf rief er sogar seine Kinder vom Studium zurück in die Backstube. Aber dann sagte der Sohn: „Vater, bist du gar nicht informiert. Die Inflation steigt, eine Rezession kommt auf uns zu. Du solltest nicht mehr investieren.“ Der Vater dachte: Mein Sohn hat studiert, er schaut Fernsehen und Internet, der muss es wissen. Also verringerte er seine Mehlvorräte, dann sparte er an der Qualität des Teiges und machte die Brezeln etwas kleiner. Zuletzt verkaufte er einen Backofen, steigerte seine Liquidität um für die „Schlechten Zeiten“ gerüstet zu sein. 

Und das Schlimmste: Die Sorge um die Zukunft lies in missmutig werden und unfreundlich zu seinen Kunden. Das Ergebnis ließ nicht lange auf sich warten. Der Absatz an Brezeln fiel und fiel, unaufhaltsam. „Du hattest Recht, mein Sohn“, sagte der Vater, „es steht uns eine schwere Rezession bevor.“ Ich hielte es tatsächlich für eine Sünde, in der Krise nicht so zu planen, als ob „die Kirche nicht jung ist und ihre große Zukunft noch vor sich hat“ so ein Zitat von Fulbert Steffensky. In diesem Sinne haben wir eine doppelte Herausforderung für unserer zukünftige Strategie und Haushaltspolitik: Neben der notwendigen Entscheidungen bezüglich der Posterioritäten und Einsparmöglichkeiten geht es gleichzeitig um Transformation und Weiterentwicklung. Dazu brauchen wir Experimentier- und Projekträume genauso wie die bewährte Arbeit in Gemeinden, Bezirken, in Werken und Verbänden wie auch auf Landeskirchenebene. Hoffnung schafft Motivation, das Beste kommt noch!

Gesprächskreis-Votum zur Strategischen Planung


Es freut mich sehr, dass die Gegenthese „Nichts ist alles“, mit der ich mein Votum vor einem Jahr begonnen habe nochmal eine so grundlegende Diskussion im Kollegium ausgelöst hat! Und wir sind dankbar, dass sie diese Begriffsklärung an den Anfang ihres Berichts gestellt haben.

Missverstanden wurden Sie nicht! Ganz sicher nicht! Wir von Kirche für morgen wollten mit dieser These aber auf das Dilemma hinweisen, in dem wir stecken, wenn wir uns fokussieren müssen und wenn wir über Prioritäten und Posterioritäten diskutieren. Es geht eben nicht um ein destruktives „Hände in den Schoß legen“, „man kann ja eh nichts machen“, „der Herr wird’s schon richten“. Der Herr wird’s richten, ja, da vertrauen wir drauf! Gottvertrauen, ja! Aber ein Gottvertrauen, das uns aufbrechen lässt, das Zukunftsperspektiven aufzeigt und das uns Hoffnung macht. Darum geht’s bei der strategischen Planung. 

Salz der Erde, die selbstwachsende Saat, der ohnmächtige Gott am Kreuz, alles Bilder, die uns ermutigen. Wir vertrauen darauf, dass aus etwas Kleinem Großes wachsen kann. Hoffnungsbilder! Das brauchen unsere Gemeinden und Mitarbeitenden. Da haben sie Recht. Und Sie stellen die absolut richtigen Fragen: Lassen wir dem genug Raum in unserer strategischen Planung? Lassen wir dem ganz grundsätzlich genug Raum in unserem kirchlichen Handeln? Oder stecken wir fest in unseren Strukturen, in dem, was schon immer so war und auch so bleiben muss und überfordert uns nicht vielmehr, dass zu diesem allem noch immer mehr dazu kommt.  Viele engagierte Menschen in unseren Gemeinden halten die Arbeit am Leben, buchstäblich „am Leben“. Wo lassen wir sterben? Seit vielen Jahren sprechen wir darüber, aber es gelingt uns bisher wenig. Wir haben keine Kultur des Weglassens entwickelt. Nicht die Projekte an sich verursachen Stress und Überforderung, sondern dass sie additiv zu dem dazu kommen, was wir schon immer machen. Wir sind davon überzeugt, wir brauchen Projekte! Veränderungsprozesse leben vom Ausprobieren, von der Risikobereitschaft. Es wäre aus unserer Sicht der falsche Weg hier „Weniger“ zu machen.

Das Signal, das von dieser strategischen Planung heute ausgehen muss ist deshalb: Nicht mehr alle müssen alles machen! Wir dürfen nicht nur vom Weglassen reden sondern müssen konkrete Schritte gehen – und wir gehen sie gemeinsam. Kirche für morgen unterstützt den begonnenen Konsolidierungsprozess weil wir davon überzeugt sind: Weniger machen, eröffnet Räume für Neues und Anderes. 

Auf zwei Punkte der strategischen Zielsetzungen will konkreter eingehen.  

Kirche für morgen steht nach wie vor voll hinter der Entwicklung eines Bidungsgesamtplans und wir freuen uns, dass hier die Dinge langsam konkret werden. Die Fülle an Arbeitsfeldern in diesem Bereich führt schnell dazu sich zu verzetteln. Allerdings scheint hier ein „weniger ist mehr“ besonders schwierig. An kaum einer anderen Stelle sind wir so nah an den Menschen dran, erreichen sie in ihren alltäglichen Lebenszusammenhängen, in ihren Lebenswelten. Gerade auch die, die wir sonst nirgendwo erreichen und die bisher nicht zu uns gehören. Diese Fokussierung, auf diese Menschen, wünschen wir uns als Kirche für morgen. Eine Stärkung des Religionsunterrichts, eine Priorisierung für die Arbeit in Kindertagesstätten und Familienzentren, eine starke Förderung des EJW mit ganz unterschiedlichen Bereichen: Jugendarbeit und Schule, Arbeit mit Geflüchteten oder die Arbeit mit Jungen Erwachsenen.

Vielleicht muss es in diesem Arbeitsfeld heißen weniger Bürokratie – mehr Arbeit an den Menschen, vielleicht weniger Parallelstrukturen – mehr Spezialisierung, vielleicht weniger Einzelkämpfer – mehr Kooperationen und Synergien. Diese Ansätze klingen an, in ihrem Bericht und wir freuen uns hier weitere Schritte im nächsten Jahr zu gehen. 

Als zweiten Punkt möchte ich das Ziel der Klimaneutralität herausgreifen. Für Kirche für morgen steht es außer Frage, dass wir ein Klimaschutzgesetz brauchen und wir beteiligen uns gerne an den Diskussionen in den synodalen Gremien in den nächsten Wochen und Monaten. Für uns ist das Klimaschutzgesetz ein Baustein auf dem Weg zu einer klimaneutralen Kirche. 

Wir sind aber davon überzeugt, dass wir weitere konkrete Schritte gehen und Initiativen fördern und unterstützen müssen, die weit über den „Grünen Gockel“ hinaus gehen. Das Gebäude-Thema stellt uns dabei vor große Herausforderungen! Für uns stellt sich die Frage, was uns die Symbolkraft von Kirchengebäuden wirklich wert ist, mit Blick auf die Kosten, aber ganz besonders auch mit Blick auf energetische Bedingungen und unserer damit verbundenen Klima-Verantwortung. Vermutlich brauchen wir hier ganz neue Denkansätze. Kirchengebäude könnten zu mutlifunktionellen Räumen werden, weil es vielleicht einfacher ist Gemeindehäuser zu verkaufen. Weniger Gebäude – mehr Flexibilität in der Nutzung. 

Energetische Sanierung ist das eine, Die konsequente Förderung alternativen Energien könnte ein weiterer Baustein auf dem Weg zur Klimaneutralität sein. Kirchendächer müssen zu sichtbaren Zeichen für einen sorgsamen Umgang mit der Schöpfung werden. Wir fordern die Politik auf, hier endlich einzusehen, dass Klimaschutz vor Denkmalschutz stehen muss und entsprechende gesetzliche Änderungen auf den Weg zu bringen. Unsere Gebäude sind keine Museen sondern Ausdruck einer aktuellen Botschaft, die sich den Herausforderungen dieser Zeit stellt und sie annimmt. Es wäre doch super, wenn wir ein 1000-Dächer-Programm auflegen könnten, um Kirchengemeinden konsequent dabei zu unterstützen Photovoltaik-Anlagen auf ihre Kirchendächer zu bauen.

Weniger ist mehr – nach dem heutigen Bericht können wir da mit gehen. Weil Sie deutlich gemacht haben, das weniger machen nicht bedeutet „man kann ja doch nichts machen“ sondern Kräfte freisetzt und Zukunft gestalten lässt 

Mehr Fokussierung – heißt nicht weniger Projekte.

Weniger Denkmalschutz – bedeutet mehr sichtbares Evangelium für die Menschen!

Weniger Struktur von oben – ermöglicht mehr Bewegung an der Basis

Mehr Strategie – heißt nicht mehr Arbeit.

Weniger machen – heißt mehr Experimentierraum!

Vielen Dank!

Matthias Böhler

Die Zukunft ist sein Land – Update aus der EKD

„Hallo, ich würde gerne mein Zimmer beziehen.“ „Warten Sie damit bitte noch, vermutlich wird die Tagung pandemiebedingt spontan digital stattfinden.“ Wir Synodalen in der Lobby des Maritim Hotels in Bremen erstarren zu Salzsäulen, während um uns herum Verantwortliche chaotisch im Kreis herumirren. Die Gesichter zeigen Enttäuschung. Die Münder sind von Masken verdeckt, offen vor Fassungslosigkeit. Die Augen starren bedeutungslos auf den Marmorboden. Nach rund 30 Minuten reise ich mich aus dem Delirium und buche einen Zug zurück nach Tübingen, um meine 14 Stunden Fahrzeit für diesen Tag noch vollzumachen. 

Meine erste reguläre Synodentagung der Evangelischen Kirche in Deutschland war emotional kein Kickstart. Umso überraschender war für mich die positive Stimmung, die schon im Laufe des ersten digitalen Tages aufkam. Wir machen das Beste draus! Außerdem sind die Themen zu wichtig, um sie aufzuschieben.

Sexualisierte Gewalt in der EKD

Wichtig war der Nachmittag zum Thema sexualisierte Gewalt. Ich war sehr beeindruckt und bewegt von den Berichten der Betroffenen, die uns den Finger in konkrete, systemische Wunden gelegt haben. Wir sind schuldig geworden, nicht nur wegen der Taten selbst, sondern auch wegen der mangelhaften Aufklärung und den vielen Stellen, an denen unsere Behörden-förmigen Systeme Betroffene im Stich gelassen haben. Ein nächster Schritt bei diesem Thema wird eine Neuausrichtung der Betroffenenbeteiligung sein, die wir verabschiedet haben. Das Thema soll zudem ab jetzt fortlaufend auf zukünftigen Synoden bearbeitet werden. Ich finde es gut, dass auch die Landessynode sich im Herbst weiter damit beschäftigt.

Ratswahl

Und dann war da die Ratswahl. Der Rat ist das sichtbarste Gremium der EKD und meiner Meinung nach auch das wichtigste, denn dort werden die aktuellen Fragen bearbeitet. Diese Wahl dauerte in diesem Jahr satte zehn (!) Stunden und gleicht einem American-Football-Spiel. Es wird angepfiffen, abgestimmt, nur um dann direkt danach wieder eine ewig lange Auszeit einzuschieben, in der man in Teams zusammensteht und die Strategie abstimmt. Damit eine Person in den Rat gewählt wird, braucht es eine sportliche 2/3-Mehrheit. Das klingt mega complicated, lohnt sich aber auch, denn wir haben dadurch eine wirklich diverse Mischung an Personen zusammengestellt, die ich euch hier auf Instagram vorgestellt habe. Besonders freut mich, dass mit Josephine Teske (@seligkeitsdinge) eine Digitale-Kirche-Native mit am Start ist. Besonders Leid tut es mir für Tobias Faix, der ein echter Gewinn für Zukunftsprozesse gewesen wäre. Leider gibt es auch niemanden aus den Südkirchen (Baden/Bayern/Württemberg) im Rat, das wird sich aber vielleicht in drei Jahren ändern, wenn Volker Jung in den Ruhestand geht und wir nachwählen. 

Die neue Ratsvorsitzende

Annette Kurschus, die Präses (» Bischöfin) von Westfalen, wird als Ratsvorsitzende den Platz von Heinrich Bedford-Strohm einnehmen und damit das neue Gesicht der Evangelischen Kirche in den Medien sein. Das gefällt mir. Bekannt wurde sie unter anderem durch ihre Gedenkfeier zum Germanwings-Flugzeugabsturz. Sie ist eine begnadete Predigerin, Seelsorgerin und möchte in der Öffentlichkeit Glaubensthemen in den Vordergrund stellen. Politisch will sie Klimaschutz nach vorne bringen und die Aufarbeitung von sexueller Gewalt zur „Chefinnensache“ machen. Mit ihr, Kirstin Fehrs und Anna-Nicole Heinrich haben wir damit erstmals ein weibliches Trio an der Spitze der EKD. Nice!

Schockstarre

Ich habe das Gefühl, auch unsere Kirche steht aktuell teilweise noch in der Salzsäulen-Schockstarre. Die Gesichter zeigen Pandemiemüdigkeit. Die Münder stehen fassungslos offen vor dem Bedeutungsverlust der Kirchen. Die Augen starren paralysiert in die kirchliche Landschaft. Symbolisch dafür ist der Ausfall des Synoden-Thementags „Die Zukunft ist sein Land“, an dem wir uns dem für Zitronen so wichtigen Thema Kirchen- und Gemeindeentwicklung widmen wollten. Fiel der Umorganisation zum Opfer.

Aber zurückzuschauen auf das Land, das wir verloren haben, paralysiert uns. Ich möchte uns dazu ermutigen, uns aus diesem Delirium herauszureißen. In den fahrenden Zug einzusteigen. Mitzugestalten. Den Kurs zu ändern. Auf der EKD-Ebene sind wir mit dem neuen Rat gut aufgestellt. Nun geht es darum. weiter hoffnungsvoll nach vorne zu schauen in die Zukunft. Denn er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land. Das macht Hoffnung!

Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt!
Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land.
Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit.
Die Tore stehen offen.
Das Land ist hell und weit. (EG 395)

David Lehmann, Synodaler für Württemberg und Kfm in der Synode der EKD

Neue Doppelspitze in der Reforminitiative „Kirche für morgen“

Diakonin Angela Schwarz aus Tübingen und Pfarrer Andreas Arnold aus Filderstadt-Bonlanden sind auf der Mitgliederversammlung von Kirche für morgen e.V. am Freitag zur neuen Doppelspitze des Vereins gewählt worden. Nach Vereinssatzung ist Schwarz zur ersten Vorsitzenden und Arnold zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Die beiden wollen sich künftig jedoch die Aufgaben, die bisher beim ersten Vorsitzenden Jens Schnabel lagen, im Sinne eines Tandems teilen. 

„Beim gemeinsamen Austausch über die Frage, was für die Zukunft von Kirche für morgen und für die Zukunft unserer Kirche wichtig ist, haben wir viele Gemeinsamkeiten entdeckt. Wir ergänzen uns sehr gut und wollen deshalb die Arbeit gemeinsam voranbringen“,  

resümieren Schwarz und Arnold nach der Wahl. Ebenfalls gewählt sind Diakon und Synodaler Reiner Klotz aus Steinheim für den zweiten Vorsitz sowie Steuerberater Martin Mielke aus Balingen als Kassierer. 

Tobias Stippich, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Kirche für morgen e.V.