KIRCHE NEU DENKEN

Neue Lebenswelten sind entstanden, die die Kirche wenig erreicht. Damit die gute Nachricht wieder bei den Menschen ankommt, müssen wir Kirche neu denken.

NEUE WEGE WAGEN

Wir wollen Kirche auch an anderen Orten sehen. Mit ganz neuen Formen soll sich Glaube zeigen. Menschen aus allen Lebenswelten, Generationen und gesellschaftlichen Schichten sollen einen Zugang zum Glauben finden. Dafür müssen wir über unseren Schatten springen.

Wir sind überzeugt, dass neben den klassisch strukturierten Kirchengemeinden gleichberechtigt ganz neue Gemeindeformen entstehen müssen. Deswegen setzen wir uns dafür ein, dass kirchliche Start-ups mit neuen Gemeindeformaten und innovativen Konzepten experimentieren dürfen und sowohl finanziell als auch personell gefördert werden. Zum Beispiel Café-Kirchen, christliche Blumenläden, Kino-Kirchen oder Reiterhof-Gemeinden. Primär im Fokus sind dabei Lebenswelten, die noch nicht erreicht werden. Start-ups stehen nicht in Konkurrenz zu bestehenden Gemeinden.

Wir wollen, dass Kirche die Möglichkeiten der Digitalisierung voll ausschöpft und intensiv um die Frage ringt, wie das Evangelium im Internet verbreitet und kirchliche Prozesse verschlankt werden können. Digitalisierungsprojekte sollen der Basis zugutekommen, mehr Partizipation ermöglichen und Bürokratie abbauen.

Wir wollen selbstfinanzierte Initiativen fördern und Fördervereine unterstützen.
Dies geschieht z.B. dadurch, dass jeder gespendete Euro durch Kirchensteuermittel verdoppelt wird. So stärken wir aktive Beteiligung und fördern innovative Projekte.

Wir fordern eine neue Kirchenverfassung, denn die aktuelle stammt aus dem Jahr 1920 und atmet noch den Geist der Monarchie. Wir wollen mehr demokratische Mitgestaltung, eine klarere „Gewaltenteilung“ und eine Begrenzung der Macht des Oberkirchenrats.
Ziel ist mehr Transparenz und eine Stärkung der Macht der Landessynode.
Wichtige Entscheidungen sollen nicht nur in oberkirchenrätlichen Hinterzimmern fallen.

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FÜR INNOVATION

Einer Studie der Universität Freiburg und der EKD zufolge soll sich die Zahl der Kirchenmitglieder bis 2060 um 50% verringern. Wir brauchen einen klaren Innovationskurs. Deshalb wollen wir, dass 10% aller Ressourcen in Innovationen fließen. Innovationen, die Menschen gewinnen, die bisher nicht vom Evangelium erreicht werden und solche, die auf dem Sprung sind.

VIELFALT STATT EINHEITSBREI

Wir wollen mehr Vielfalt an spirituellen Formen und Stilen kirchlicher Arbeit. Die verschiedenen Formen sollen gleichberechtigt sein und genauso wie die bisherigen Formen gefördert werden.

Der Musikstil ist wesentlich verantwortlich dafür, ob Menschen sich in einem Gottesdienst zuhause fühlen. Wir möchten, dass die Popularmusik einen ebenso hohen Stellenwert bekommt wie die traditionelle Kirchenmusik und dass beide Richtungen sich gegenseitig anerkennen. Zur Qualifizierung und Professionalisierung christlicher Popularmusik wollen wir in Ausbildungsgänge und Anstellungs- möglichkeiten für christliche Popularmusikerinnen und Popularmusiker investieren. Dazu gehört der Aufbau einer kirchlichen Popakademie mit Studiengängen zur Pop-Kantorin bzw. zum Pop-Kantor, sowie die dauerhafte Einrichtung von Stellen zur Qualifizierung von Musik- und Lobpreisteams.

Neue Formen der Verkündigung in Gottesdiensten jenseits von 20-Minuten-Monologen sollen ermöglicht und gefördert werden. Elemente wie Dialogpredigten, Theaterstücke und interaktive Teile erfrischen unsere Gottesdienste. Ganz im Sinne des „Priestertums aller Glaubenden“ möchten wir,
dass auch andere Menschen – neben den Pfarrerinnen und Pfarrern – im Gottesdienst die Verkündigungs- aufgaben übernehmen. Prädikantinnen und Prädikanten sollen mehr Freiheiten bekommen (zum Beispiel indem sie Hochzeiten und Beerdigungen übernehmen) und allen Gemeindegliedern soll es ermöglicht werden, wenn es ihre Gabe ist, den Gottesdienst selbst zu gestalten.

Wir brauchen Qualifikationsmöglichkeiten für Menschen aus anderen Lebenswelten, Weiterbildungen für Pionierinnen und Pioniere, die neue Wege beschreiten wollen, und alternative Zugänge zum Pfarrberuf und Diakonat. Wenn die Kirche für alle Menschen
da sein will, braucht es auch Ehren- und Hauptamtliche aus allen Teilen der Gesellschaft. Deshalb wollen wir berufsbegleitende Ausbildungsgänge für Facharbeiter/innen und Fitnesstrainer/innen, Bankleute, Automechaniker/innen, Bäckereiverkäufer/innen und alle, die sich engagieren und weiterentwickeln wollen.

Wir wünschen uns, dass unsere theologischen Unterschiede im Bibelverständnis und in geistlichen Erkenntnissen und Erfahrungen uns als Geschwister nicht trennen. Unsere Kirche braucht eine geistliche Weite, in der wir die Unterschiedlichkeit aushalten, ohne das eigene Profil zu verlieren. Hilfreich sind Begegnungen und Beziehungen zu anderen Konfessionen, christlichen Werken und Bewegungen. Wir engagieren uns dafür, dass unsere Kirche evangelikales, charismatisches, liberales, ökologisches uvm. integrieren kann und wir als innerevangelische Ökumene der Vielfalt voneinander lernen und miteinander geistlich wachsen.