WAIBLINGEN / BACKNANG

DR. WILLI BECK

Diakon, Leiter und Gründer der Akzente-Gemeinde, Sulzbach/M., verheiratet, drei Kinder. Mitglied der 15. Landessynode, Mitarbeit in der ACK Baden-Württemberg, der Liturgiekommission und im Theologischen Ausschuss. Promotion zum Forschungsthema „Wachsende Kirche“. Initiator des Kirchenexperiments „zwischen Diskothek und Brauhaus“ im legendären Belinda-Areal in Sulzbach.

„Wenn die Menschen nicht mehr zur Kirche kommen, muss die Kirche zu den Menschen. Wir suchen kreative Wege.“

WARUM ICH KANDIDIERE

Kirchliche Reformideen überschlagen sich, aber die Leute verlassen die Kirche nach wie vor. Dennoch oder gerade deswegen treibt mich die Sehnsucht, Menschen, die mit Kirche abgeschlossen haben, neu für Jesus Christus und für Gemeinde zu begeistern. Daher sind innovative Aufbrüche und Gemeindeexperimente an andern Orten, in Cafés, Gaststätten oder Diskotheken nötig. Dazu braucht sie Mut, eigene Räume zu verlassen und Kirche mit den Menschen und nicht so sehr für die Menschen zu entwickeln. Sie wird sich vielfältig aufstellen, ihre Strukturen und Ausbildungswege ändern sowie verschiedene theologische Standpunkte integrieren. Ich träume von einer Kirche, die ihren Reformeifer und ihre Ressourcen auf diesen zentralen Auftrag fokussiert, bei den Menschen ist und im Nebeneffekt wächst! Kfm ist konsequent bereit, dies zu fördern und die nötigen Reformen vorzunehmen. Dafür will ich mich einsetzen und meine langjährigen Erfahrungen einbringen. Ich kandidiere im Wahlkreis Waiblingen/Backnang.

Zufällig. Ich hatte 1993 begonnen eine Gemeinde zu gründen, die später als Akzente-Gemeinde bekannt wird. In den vielfältigen kirchlichen Widerständen, bleiben Frustration und Selbstzweifel nicht aus. Mit dem Gefühl des einsamen kirchlichen Outlaws, der sich mit Spaltungsvorwürfen herumschlägt, entdecke ich vermutlich 2001 im Zuge der Kirchenwahl irgendwie Kirche für Morgen. Was für eine Überraschung: Es gibt sie noch, Menschen in meiner Landeskirche, die ähnlich ticken, ähnliche Frustrationserfahrungen kennen, an denselben Unmöglichkeiten leiden und den Mut haben aufzubrechen, alles in Frage zu stellen, um des Evangeliums willen. Das war Seelsorge! Ich habe einen Gesprächskreis gefunden, der, wie kein anderer, konsequent bereit ist, die kirchlichen Strukturen so zu verändern, dass sie der Erneuerung und dem Aufbruch der Kirche dienen. Ich bin nicht mehr allein!

Wie wird Kirche zu einer hingehenden Kirche? Wie kann sie sich missional aufstellen, ihre Milieuverengung durchbrechen und eine Gemeindegründungsbewegung werden? Welche Strukturen sind zukunftsfähig? Wie kann Kirche mit weniger Ressourcen dennoch wachsen? Wie kann sie Pluralitätskompetenz gewinnen und in fremden Kontexten heimisch werden? Welche Ausbildungskonzepte für konkrete Jüngerschaft und Gemeindegründung sind wegweisend? Wie können wir eine Zukunftsvision für eine wachsende Kirche gewinnen und lähmende Rückbaubilder loswerden?

Kirche ist gesellschaftsrelevant. Ihre Mitglieder sind fit, erzählen das Evangelium ihren Nachbarn und Freunden. Sie deuten ihr Leben gemeinsam aus dem Wort Gottes und stehen sich bei mit Rat und Tat. Menschen sind fasziniert, welche Kraft sich in der Gegenwart des Heiligen Geistes entfaltet. Auf den Straßen, in Gaststätten, Schulen und Cafés spricht man wieder über christliches Leben. Überall dort, wo Menschen leben, entstehen neue Gemeindeformen. Ein Teil der Kirche trifft sich in Kirchenräumen, andere Teile an andern Orten. Sie hat ihre Strukturen angepasst, ist vielfältig aufgestellt – auch theologisch. Wer dazugehören will, hat mehrere Mitgliedschaftsoptionen. Sie hat vielfältige Bildungswege für Jüngerschaft, Pionierarbeit und Innovation. Fitnesstrainer, Gasthausbesitzer und Automechaniker starten begeistert christliche Aufbrüche und sind eingebunden in ein Begleitungs- und Unterstützungsnetzwerk unserer Kirche. Downsizingpläne sind Geschichte. Kirche wächst, ohne Kirchensteuer – in allen Milieus. Wahrscheinlich sehe ich es von ganz oben und freue mich, Teil dieser Bewegung gewesen zu sein und meinen Beitrag dazu geleistet zu haben.

KIRCHE MIT DEN MENSCHEN!