Aus-Zeit im Kloster

„Ora et labora – bete und arbeite“ – seit vielen Jahren ist diese alte benediktinische Lebensweisheit regelmäßiger Bestandteil des geistlichen Lebens von Carmen Lauble. 

Für sie ist es eine gute Möglichkeit, die eigene Gottesbeziehung zu vertiefen. Hier gibt sie Tipps für Interessierte:

Dem eigenen, oft überfrachteten Alltag für einige Tage einen anderen Rhythmus geben und sich einschwingen auf das klösterliche Leben von „bete und arbeite“ ist eine Möglichkeit, um in die innere Stille zu finden.

Hierzu bieten etliche Klöster und Communitäten feste Tage an, in denen die Gäste das Mitleben und Mitarbeiten im Sinne des „ora et labora“ einüben können. Dabei werden die Gäste von einer Schwester oder einem Bruder begleitet, welche ihnen für Fragen und bei Schwierigkeiten hilfreich zur Seite stehen.

In kleinen Schritten…

Wollen Sie längerfristig von solchen „Aus-Zeit-Tagen“ in einer klösterlichen Struktur profitieren, macht es Sinn, wenn dieses Kloster gut zu erreichen ist und die geistliche Ausprägung des Klosters Ihrem geistlichen Leben in etwa entspricht. Das macht es Ihnen leichter, sich auf die „Aus – Zeit“ einlassen zu können.

Nehmen Sie sich für den Anfang nicht zu viel vor. Regelmäßig ein bis zweimal im Jahr ist für die meisten Menschen schon völlig ausreichend. Ob Sie sich eher einmal im Jahr eine längere Zeit (ca. eine Woche) oder eher zweimal im Jahr ein verlängertes Wochenende in ein Kloster zurückziehen, ist Typ-Sache.

Innere Stille braucht Übung. Sie stellt sich auch nicht automatisch ein, nur weil man in einem Kloster ist. Der Rhythmus von „bete und arbeite“ kann sehr heilsam erlebt werden. Dabei unterstützen die eher gedanklich einfacheren Tätigkeiten, wie Mithilfe im Garten oder in der Küche, die „Verdauung“ der in den Gebetszeiten gemachten geistlichen Erfahrungen. Schweigen unterstützt dabei, die innere Achtsamkeit und Stille besser aufrecht zu halten.

Für die persönlichen Gebetszeiten erhalten die Gäste meist Impulse durch eine begleitende Schwester oder einen Bruder. Selbstverständlich können Sie auch Ihre eigenen Gebetspraktiken vertiefen – oder Sie nutzten diese intensiven Zeiten, die eigenen Gebetspraktiken auf den Prüfstand zu stellen. Welche Gebetspraxis lässt sich derzeit gut in meinen Alltag integrieren?

… zur Vertiefung des Lebens

Die Balance aus gemeinsamen und persönlichen Gebetszeiten, wie auch die schweigende Mitarbeit, ermöglichen es, die eigene Gottesbeziehung zu vertiefen. Je regelmäßiger Sie in dasselbe Kloster gehen, desto leichter fällt es Ihnen, sich auf den entschleuningenden Rhythmus von „ora et labora“ einzulassen, diese Tage ganz bewusst als „Tage aus der Zeit“ zu erleben und dann an Leib und Seele gestärkt in den Alltag zurückzukehren.

Für mich sind solche Tage ganz bewusst für die Beziehung zwischen Gott und mir reserviert. Sie sind mir inzwischen ein Grundbedürfnis geworden, und so zieht es mich etwa vier bis sechs Mal im Jahr in „mein“ Kloster, zu „meinen“ Schwestern. Meist freue ich mich schon bei der Abreise auf den nächsten Aufenthalt und auf die nächste „Aus -Zeit“ mit Gott.

Carmen Lauble ist Tertiärschwester der Communität Selbitz und Mitglied im Redaktionsteam des Zitronenfalters.