Geschichte

geschichteKleiner Anfang, große Vision

Die Geschichte von KIRCHE FÜR MORGEN e.V.

Wie kommen bodenständige Christenmenschen aus der Jugendarbeit und der Hauskreis-Bewegung auf die Idee, die Kirche der Reformation zur Reformation zu bitten? Liegt es daran, dass die Geburtsstunde von Kirche für morgen in einer Besenwirtschaft lag?

Für Nichtschwaben: Die Besenwirtschaft ist eine schwäbische Institution. Weinbauern hängen einen Besen über die Tür und können im eigenen Wohnzimmer oder Anbau eine Zeit lang eigenen Traubensaft samt Hausmannskost an die Kundschaft bringen. Entsprechend eng-gemütlich-volksnah geht es zu. Dort also, nach zwei bis drei Schoppen, stand der fixe Gedanke im Raum: Weshalb immer nur über die behördenähnliche Amtskirche und „die da oben“ schimpfen? Weshalb nicht antreten bei der nächsten Wahl der Synode, die in Württemberg von der Basis gewählt wird? Und das kirchenpolitische Spiel der drei Gruppierungen (links, rechts, Mitte), die seit den 70er Jahren vor allem von der wechselseitigen Abgrenzung leben ein wenig aufmischen? Eben frisch, fromm und frech antreten – nach dem Motto: links, rechts und Mitte sind besetzt, aber vorne hat es noch Platz: Kirche für morgen.

Inspiriert durch Church Planting in England

Es war freilich nicht nur der Wein und die fortgeschrittene Stunde, die auf solche Gedanken brachte. Es war für einige auch die Begegnung mit der Church Planting-Bewegung in der anglikanischen Kirche Englands, die zu solcher Hoffnung verleitete. Wenn dort unter dem Dach einer ehrwürdigen Kirche die Pflanzung neuer Gemeinden durch ehrenamtliche Teams möglich war, warum nicht auch in Württemberg? Der Anfang war mühsam. Schließlich litt keiner der Beteiligten unter Langeweile. Aber das Projekt feierte fröhlich immer wieder Auferstehung – weil immer neue Menschen Feuer fingen. Die Ressourcen an Finanzen, Personen, Beziehungen waren gering. Aber das inhaltliche Programm überzeugte – manche traten im Internet in den Verein ein, ohne jemanden zu kennen.

Zünglein an der Waage…

Im Februar 2001 wurde der Verein gegründet, im November waren Kirchenwahlen. Mit der Suche nach Kandidaten startete Kirche für morgen, als die anderen Gruppierungen sie bereits abgeschlossen hatten. Schließlich trat Kirche für morgen an – in rund der Hälfte der Wahlkreise. Zwei aus dem Kandidatenkreis wurden schließlich gewählt. Mit 45 zu 43 waren die beiden großen kirchenpolitischen Blöcke in der neuen Synode schön verteilt. Kirche für morgen konnte Zünglein an der Waage spielen. Bei den Wahlen 2007 wurden – obwohl wir auch nur in der Hälfte der Wahlkreise antraten und obwohl das Wahlrecht kleine Gruppierungen benachteiligt schon sieben unserer Kandidaten gewählt und es wird immer deutlicher: „Kirche für morgen“ ist als Gruppierung der fortschrittlichen Mitte sowohl als Partner auf der einen Seite von EuK und OK als auch als Partner auf der anderen Seite von LG in der Synode wichtig, denn ohne uns hat kein Block die absolute Mehrheit.

…und der „Grünen“-Effekt.

Von Anfang an setzte Kirche für morgen auf einen „Grünen-Effekt“. Wie durch das Aufkommen der Grünen in den 80ern Umweltschutz auch für die etablierten Parteien plötzlich Thema wurde, so würden die anderen Gruppieren die Themen von Kirche für morgen aufnehmen. Und tatsächlich: allerorts wurde nun betont, wie wichtig die „junge Generation“ sei. Der Oberkirchenrat diskutierte die inhaltliche Plattform von Kirche für morgen, mit dem Bischof wurde ein Abend lang über die Zukunft der Kirche diskutiert. Lebenswelt-Gemeinden (ein Wort, das es vorher so gar nicht gab) wurde zum Schlag- und Reizwort. Der Antrag auf Projektstellen für die Erprobung von Jugendgemeinden – im ersten Anlauf noch gescheitert – passierte im Herbst 2002 fast mühelos die Synode.

Synode und Straße

Heiß debattiert wurde bei Kirche für morgen von Anfang an, ob der Weg durch die Institutionen Sinn mache oder eine „Greenpeace“-Strategie mehr bewirke. Bewusst entschieden wir uns, das eine zu tun (Kirchenpolitik), das andere aber keinesfalls zu lassen. Außerhalb der Synode unterstützen wir die Teams von Zweit- und Jugendgottesdiensten, Hauskreise, Kirchengemeinderäte, bieten Seminare und Wohnzimmerabende an zu Themen rund um die „Zukunft der Kirche“. Außerdem starten wir Kampagnen zum Reformationstag. Damit wird die Reform an der Basis vor Ort gefördert.

Die Zitrone als Markenzeichen

Kirche für morgen hat als Markenzeichen weder ein Kreuz noch einen Fisch wie die anderen Gesprächskreise, sondern eine Zitrone. Warum?

Kirche für morgen geht es in erster Linie darum, dass Kirche sich nicht nur in einem kirchlich geprägten Milieu bewegt, sondern sich auch den Menschen zuwendet, die mit den üblichen kirchlichen Symbolen und der Sprache wenig anzufangen wissen.

Die Zitrone steht für Frische: „erfrischend anders“. Frischer Wind in die Kirche, die in Ehren ergraut und in Manchem bürgerlich provinziell und auch etwas kirchenmiefig geworden ist.

Die Zitrone wirkt auch gut als Kalklöser. Verkalkung ist gefährlich, sowohl für Waschmaschinen wie fürs menschliche Gehirn. Mit klarem Kopf sollen die Schichten abgetragen werden, die verhindern, dass die ursprüngliche Frische des Evangeliums zu den Menschen durchdringen kann.

Schließlich enthält die Zitrone viel Vitamin C.  Vitamin „C“ ist lebenswichtig, genau so wichtig ist es „Kirche für morgen“ dass der „c“hristliche Glaube, „C“hristus selbst unser Leben, unsere Kirche und unsere Gesellschaft prägt.