Taufe & Tauferinnerung

Die Taufe ist eine zentrale Handlung unserer Kirche die noch immer von vielen Menschen angefragt wird. Meistens für den Nachwuchs im Baby oder Kleinkindalter.

Allerdings: Diese früher nahezu einzig mögliche Form der Taufe hat längst ihre Monopolstellung verloren. Immer mehr Eltern lassen beispielsweise ihre Kinder nicht mehr als Säuglinge taufen, sondern wollen, dass sich diese selbst entscheiden in einem Alter, in dem sie auch aktiv miterleben, was da bei einer Taufe geschieht. Bei manchen Bevölkerungsgruppen, beispielsweise Zuzügen aus den Neuen Bundesländern, ist die Säuglingstaufe auch „vergessen“ worden oder war nie vorgesehen. Und jetzt besteht plötzlich der Wunsch in die Aufnahme in die Evangelische Kirchengemeinde. (Einen ähnlichen Trend beobachtet übrigens auch die Katholische Kirche. )

Wir machen in unserer Gemeinde die Erfahrung, dass beispielsweise Jugendliche, die die Taufe für sich während der Kofirmandenzeit wünschen, dankbar sind für unterschiedliche Tauf-Formen, die wir ihnen anbieten können. Dasselbe gilt für Erwachsene, und sogar für deren Wünsche für die Taufe ihrer Kinder. Taufen im Grünen, im Fluss, im Freibad, mit Untertauchen, über dem Wasser, im kalten Wildbach oder im lauwarmen Saunazuber in der Kirche, oder ganz klassisch mit Taufschale am Taufstein – die Erwartungen und Wünsche sind unterschiedlich, so unterschiedlich wie die Menschen in der Kirche. Und wir finden, das ist gut so.

Es geht dabei nicht um die Vielfalt um ihrer selbst willen. Es geht darum, dass wir am Verständnishorizont der Menschen jeweils anknüpfen wollen um für sie das Wesen der Taufe bestmöglich versteh – und erlebbar zu machen. Und das gelingt bei oftmals entkirchlichten Menschen nicht unbedingt am besten in sakralen Gebäuden, vielmehr in Formen, wie sie auch ähnlich im Urchristentum praktiziert wurden.

Genauer hat dies auch Prof. Heinzpeter Hempelmann in seinem millieusensiblen Taufmanual untersucht, die demnächst erscheinen wird. (s. auch Heinzpeter Hempelmann, Gott im Millieu, Wie Sinusstudien der Kirche helfen können, Menschen zu erreichen, Brunnen 2012.)

 

Die spannende Frage ist:

Können wir es uns angesichts dieser Sachlage noch leisten, an der einen traditionellen Form von Taufe in einem Kirchengebäude, am Taufstein, durch dreimaliges Besprengen mit Wasser als einzig möglicher und beworbener Form festhalten?

Für die Durchführung unserer Taufe im Freibad suchten wir in der offiziellen württembergischen Taufagende (Buch über den Ablauf von Gottesdiensten) das Wort „untertauchen“ vergebens. Ebenso die Worte „Fluss“, „See“ oder „Freibad“.

Wir würden uns freuen wenn zum Abschluss der vom Oberkirchenrat eingeleiteten Bestandsaufnahme zum Jahr der Taufe 2011 ein Katalog der Vielfalt der möglichen Taufformen für die Durchführung dieses wichtigen Sakramentes erscheinen würde, die wir dann unseren Taufanwärtern als Zeichen der Vielfalt und Kreativität in unserer Kirche offiziell anbieten könnten. Natürlich sollte darin auch die urkirchliche – und die weltweit zu allen Zeiten praktizierte – Taufform des Untertauchens in einem Gewässer aufgeführt sein, denn, so sagte schon der Reformator Martin Luther: Es kommt nicht auf die Menge des Wassers an!