Statements zu „Kirche als Beziehungsgeschehen“

Wir bedanken uns bei allen Autoren, die ein Statement zum Grundlagenpapier oder zu ihrem Bild von Kirche verfasst haben:

„Dieses anregende Grundlagenpapier bietet eine prägnante Zusammenfassung eines von der Fresh-Expressions-Bewegung inspirierten Kirchenverständnisses für unseren deutschsprachigen Kontext. Das Kirche-Sein wird konsequent von der Sendung Gottes (missio Dei) her begründet und als vielfältiges, dynamisches Beziehungsgeschehen verstanden.  Dieser Impuls, die Ekklesiologie von der Missiologie her zu denken, trägt das Potenzial in sich, dass Kirche neu in Bewegung kommt, sei es in neuen oder in bewährten Ausdrucksformen des Glaubenslebens. Erzbischof Rowan Williams hat es einmal so auf den Punkt gebracht: „Kirche ist etwas, das passiert, bevor es eine Institution wird, ein Verb, bevor es ein Nomen wird.“

Prof. Achim Härtner M.A., Lehrstuhl für Praktische Theologie, Theologische Hochschule Reutlingen

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„Statement „Kirche für morgen“: Die lokale Gemeinde wie die weltweite Kirche sind dazu bestimmt, Kraftort zu sein. Ich liebe sie dafür, dass sie Auferweckung feiern! Hoffnung. Unterbrechung. Trotz. Trostkraft. Überwindung. Liebe, die stärker ist als Scheitern und Angst. Die Schönheit Gottes. Sie erlebt und übt Gnade, Verbundenheit und Verwandlung – die wir und diese Welt so dringend brauchen.“ © Christina Brudereck

Christina Brudereck, Theologin und Schriftstellerin

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„Schon viele Jahre mache ich mir Gedanken über die Zukunft der Kirche. Was muss passieren, dass die Kirche in Deutschland eine Zukunft hat? Ich kann für eine Antwort nur in drei Richtungen schauen:

  1. Wo funktioniert Kirche gerade richtig gut und warum tut sie das?
  2. Was ist zurzeit die größte Not der Menschen und wo hat die Kirche eineAntwort da drauf?
  3. Woher nimmt die Kirche heute die Kraft, sich wirklich in eine Kirche für morgen zu verwandeln?

Zu 1.: Noch so schlaue Konzepte die zurzeit überall im kirchlichen Diskurs rumgeistern bringen es m.E. nicht. Wir müssen ganz praktisch voneinander lernen. Es gibt wachsende, lebendige, kraftvolle Gemeinden in Deutschland. Von denen sollten sich die anderen Gemeinden demütig in die Schule nehmen lassen.

Zu 2. Christentum und Kirche war immer ein „Not-Beantworter“. In der westlichen Welt gibt es zurzeit viele Nöte. Jede Not ist eine Antwort auf die Frage, wo die Kirche eine Zukunft hat.

Zu 3. Die Kraft kommt aus der Spiritualität. Da wo Gott erlebt wird, wo Gebete erhört werden, entsteht ein ungemeines Kraftfeld von Hoffnung gepaart mit Begeisterung. Ich stelle in vielen Kirchen fest, dass diese ursprüngliche Kraft des Glaubens vernachlässigt wird. Oftmals einfach aus Angst, es könnte „nichts“ passieren. Dabei hat jede Kirche, jede Gemeinde oftmals erst in einem spirituellen Aufbruch einen wachsenden, lebendigen Anfang erlebt.

Das Grundlagenpapier von Kirche für Morgen besticht für mich in einer fast schon gradlinigen Perfektion. Da sitzt jedes Wort und jede Grafik. Ich hoffe sehr, dass mit diesem Papier nicht nur die Intellektuellen in der Kirche erreicht werden. Wir brauchen einen Aufbruch der Arbeiter. Die einfachen Menschen, ohne große Schulbildung, aber mit einem riesig großen Herzen, müssen wieder zum Glauben und in die Kirche eingeladen werden. Das ist für die Zukunft der Kirche enorm wichtig.“

Martin DreyerDiplom-PädagogeSchriftsteller, Gründer der Jesus Freaks, Initiator des Projekts „Volxbibel“

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„Das Grundlagenpapier sieht Kirche mit Recht als Beziehungsgeschehen. Die vier Beziehungs-Dimensionen bilden das anschaulich und einprägsam ab. Wesentliche menschliche Grundbedürfnisse sind „Wachsen wollen und dazu gehören“. „Dazu gehören“  (Inklusion) kann und soll die Kirchengemeinde ausnahmslos für alle ermöglichen. Es wäre schön, wenn das Grundlagenpapier in der Synode und darüber hinaus „Kirche“ gestalten könnte.“

Prof. Dr. Rüdiger Wulf, Ministerialrat a.D., Honorarprofessor der Universität Tübingen / Juristische Fakultät c/o Institut für Kriminologie

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„Das Grundlagenpapier von Kirche für morgen stößt eine wichtige Diskussion in der Landeskirche an. Kirche ereignet sich in Beziehungen, der Ursprung dafür ist Gottes Zuwendung zu den Menschen. In Beziehungen lernen wir Glauben kennen, erweitern unseren Horizont und in Beziehungen wird Kirche für Außenstehende erlebbar. In allen notwendigen Strukturdiskussionen muss daher die Frage im Mittelpunkt stehen: was dient den Menschen und der Kirche als Gemeinschaft?“

Hansjörg Kopp, Generalsekretär des CVJM Deutschland

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„Gerade für unsere Gemeinden in Württemberg scheint mir der Beziehung hin zur weltweiten Kirche – also die Dimension des „OF“ – besonders wichtig zu sein. Denn viele Gemeinden leben in ihrem Alltag ihr Christsein ohne Bezug auf die weltweite Kirche. Damit aber schneiden sie sich von einem großen Reichtum an Erfahrungen Gottes, Liedern, diakonischen Tätigkeiten etc. ab: Sie schneiden sich ab von vielen Weisen, wie Gott heute an der Welt handelt. Daher ist es gut, wenn die Kirche für morgen den Gemeinden vor Ort hilft, konkrete Formen zu entdecken, wie sie sich der weltweiten Kirche öffnen können.“

Dr. Martin Wendte, Pfarrer an der Friedenskirche und Citykirchenpfarrer in Ludwigsburg

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„Form follows function, sagen die Designer.
Würden sich Strukturen, Formen und Mittel unserer Landeskirchen daran orientieren,
Menschen in Verbindung mit Gott, mit sich selbst und mit anderen zu bringen,
hätten wir die Reformation, die wir heute so dringend brauchen.
Kirche für morgen wagt, so zu denken. Das imponiert mir.“

Peter Jost M.A., Initiator eines Projektes der „Neuen Aufbrüche“ in Schwäbisch Hall, Coach für kirchliche Pioniere und kulturrelevante Gemeindeentwicklung, freier Mitarbeiter der CVJM Hochschule

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„Was mir an dem Modell am besten gefällt, ist seine Offenheit: Kirche wird nicht „abschließend“ definiert. Die vier Dimensionen lassen mehrere wichtige Aspekte zu ihrem Recht kommen und machen den vitalen Zusammenhang zwischen verschiedenen möglichen Akzentuierungen sichtbar. Mir z.B. liegt es nahe, das „in der Welt sein“ (und dorthin gehören!) von Kirche zu betonen. Ich bin zwar nicht glücklich damit, dass diese Perspektive „out“ heißen soll, denn die Welt ist von der „missio dei“ her gesehen ganz gewiss nicht „außen“, sondern der Ort, wo seine Liebe Gestalt gewinnt (Joh 1,14). Aber entscheidend sind für meine Lesart nicht die Benennungen (ist „of“ nicht eigentlich „in“? und sehen wir Gott nur, wenn wir „up“ schauen?), sondern die Einsicht, dass die vier Dimensionen unverzichtbar zusammengehören. Es geht eben nicht um eine Entscheidung zwischen Halleluja oder Weltverantwortung, sondern um deren Miteinander – und gerade so um Beziehungsqualität, die in mehrere Richtungen wächst. Kurz: Das Modell beschreibt eine lebendige und Leben fördernde Kirche, mit und in der auch ich gerne leben mag.“

Dr. theol. Axel Wiemer, Akad. Oberrat, PH Schwäbisch Gmünd

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„Das Grundlagen-Papier von Kirche für morgen ist spitze! Kirche als ein Ort, an dem die Liebe von Jesus im Zentrum steht zusammen mit den Begegnungen, in denen wir diese erfahrbar werden lassen können, begeistert mich!
Denn wo wird die Botschaft des Evangeliums besser und attraktiver mitteilbare Wirklichkeit, als im Auf und Ab gelebter und erlebter Gemeinschaft? Und genau dazu will uns das Jesus-Wort ermutigen:„
Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Denn an der Liebe, die ihr untereinander habt, soll jeder erkennen, dass ihr meine Jünger seid“ (Joh.13,34-35).“

Hartmut Birsner, Dipl.-Päd., Jesus Freak in der Landeskirche Württemberg, Mitglied der Jakobusgemeinde

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„Das Papier „Kirche als Beziehungsgeschehen“ stellt einen Aufruf dar, die gegenwärtige Gestalt der Kirche kritisch zu prüfen und sich neu herauszufordern zu lassen. Dieser Aufruf ist im allerbesten Sinne „riskant“: Er ist riskant, weil sich damit gegenwärtige Praxis, Ordnung und Bewährtes rechtfertigen muss. Konstruktiv gewendet bedeutet dies: Kirche darf und muss ihre Daseinsberechtigung erklären. Er ist riskant, weil er zur Stellungnahme und zu gründlichem theologischem Nachdenken anregt – und darum geht es ja im lebendigen, mündigen Christsein, nicht wahr?“

Pfarrer Patrick Todjeras, Stellvertretender Direktor am IEEG (Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung), Universität Greifswald

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„Mein Bild von Kirche: Gemeinschaft der Heiligen.
In einem Raum treffen sich gläubige Christen, tauschen sich aus, hören Zeugnisse von Gottes Wirken. Fürbitteanliegen werden vorgetragen. In kleinen Gruppen wird dafür gebetet. Es gibt Berichte von Gebetserhörungen.
Dann hören alle eine ermutigende Predigt von einem Gemeindeglied mit Lehrgabe. Die Gemeindeglieder schreiben nach oder erhalten eine gegliederte Inhaltsangabe zum Nachlesen.
Häufig wird das Abendmahl gefeiert, mit echtem Brotbrechen. Oft auch im Anschluss an eine gemeinsame Mahlzeit. Der Gottesdienst endet mit dem Vaterunser und einem Segen.
Falls Außenstehende hereinkommen werden sie freundlich begrüßt. Gern erhalten sie auch Erklärungen. Wenn es ihnen gefallen hat, kommen sie wieder. Vielleicht kann man sie dann in einen Glaubenskurs einladen.
Alle diese Elemente haben wir in Gemeinden oder Gemeinschaften im In- und Ausland bereits erlebt. Daher wirken traditionelle landeskirchliche Gottesdienste auf uns formal und unpersönlich. Wir wünschen uns vor allem ein stärkeres Gemeinschaftselement.“

Professor Dr. Heiko Hörnicke

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„Mein Traum von Kirche ist wie ein Gewächshaus!
Fromme Menschen haben es so gebaut, dass der Himmel überall hindurchscheint.
Es grünt und sprießt in allen Ecken.
Da wird gegossen und gedüngt, gepredigt und getauft.
Man freut sich über Nutzkraut und Unkraut, weil jedes grüne Blättchen die Luft mit wertvollem Sauerstoff bereichert.
Mitten im üppigen Grün strahlen tausend bunte Blüten und es reifen saftige Früchte heran.
Läuse und Rost, Milben und Mehltau werden von gesunden Pflanzen geduldig ertragen.
Exotische Gewächse entfalten sich fröhlich neben einheimischen Gehölzen.
Aus Welkem wird Kompost, aus Kompost Erde und aus der Erde wächst Neues…
Über allem hält Gott seine schützende Hand bei Frost und Hitze, im Sommer und im Winter, jeden Tag und jede Nacht.
Das wäre eine Kirche für morgen für mich.“

Manfred Geywitz, Gartenbau/Christrosenzüchter

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„Kirche – das sind wir alle.
Kirche – das ist die Gemeinschaft von uns, die wir an Jesus Christus glauben.
Kirche – das ist kein Dienstleitungsunternehmen, das Serviceleistungen anbietet.
Sondern:
Kirche – das sind wir zusammen – im Gebet und im Miteinander.“

Sabine Löw, Pfarrerin Pressestelle, Wiedereintrittstelefon Evangelische Kirche, Gemeindepfarrerin Stuttgart-Weilimdorf

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„Die Institution Kirche hat aus der frohen Botschaft Paragrafen gemacht…
Die Kirche muss, will sie relevant in unserer heutigen Gesellschaft bestehen, wieder mehr in die Beziehungen mit den Menschen kommen.
Kirche für morgen hat dies in ihrem Grundlagenpapier sehr sauber herausgearbeitet.
Für mich ist es mehr als nur beispielhaft, wie Jesus es in die Tat umgesetzt hat:
Er ist ZU den Menschen gegangen…
hat zugehört…
ist in Beziehung getreten…
hat Perspektiven aufgezeigt…
hat gehandelt!!!
Das dürfen und müssen wir als Christen und Kirchen immer wieder neu beHERZigen:
GEHEN wir erfüllt mit seinem guten Geist, mit unseren Angeboten
ZU den Menschen…
in ihre Lebenswelt…
in ihrer Sprache…
zu ihren Fragen ?!
Antworten haben wir doch 🙂
Kirche hat nicht den Auftrag die Welt zu verändern;
wo die Kirche aber ihren Auftrag erfüllt, verändert sie die Welt.“

Markus Brenner, Naturdesigner, Leidenschaftlicher Fußballer, Weingärtner, Musiker, Kocher, Camper, Hauskreiser, Segler, Leser,…

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„Mein Bild von Kirche:
Weil Gott zu uns Menschen und mit uns Menschen unterwegs ist, wird Kirche dort wachsen, wo wir als Gemeinden nah bei Gott und den Menschen sind.“

Marc Stippich, Evang. Pfarrer in Steinenbronn

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„In das Beziehungsgeschehen zwischen Jesus und dem Vater hineingenommen zu werden durch den Heiligen Geist, bedeutet: in der Liebe Jesu bleiben und selbst zu Liebenden werden. So entsteht eine Kirche deren innere Kommunikation, die Kommunikation von Freunden ist, die bereit sind ihr Leben füreinander zu lassen und die sich senden lassen von dem EINEN durch den sie Freunde werden.“

Sr. Anna-Maria aus der Wiesche, Communität Christusbruderschaft Selbitz