Jugendgemeinden

jugendgemeindenJugendgemeinden – mehr davon…

Stell dir vor,

an deinem Ort finden regelmäßige Jugendgottesdienste statt. Nicht ab und zu, sondern jede Woche oder wenigstens alle 14 Tage. So selbstverständlich wie die Gottesdienste am Sonntagmorgen.

Stell dir vor,

das sind Gottesdienste mit deiner Musik, knackigen Impulsen und neuen Formen von Gebet. Hier fühlst du dich zu Hause. In diesen Gottesdienst kannst du andere einladen. Er wird zu einem Treffpunkt für viele und zu einem geistlichen Mittelpunkt eurer Jugendarbeit.

Stell dir vor,

euer Kirchengemeinderat beauftragt euch, eine Jugendgemeinde in eurer Ortsgemeinde aufzubauen. Ihr bekommt Finanzen und Räume, werdet von Älteren unterstützt. Aber ihr selber übernehmt Verantwortung und bezieht viele in eure Jugendgemeinde ein.

Stell dir vor,

dass Jugendliche in eurer Jugendgemeinde getauft werden können und ihr miteinander Abendmahl feiert. Wo nötig nehmt ihr eure Pfarrerin mit dazu.

Stell dir vor,

ihr arbeitet mit dem Kirchengemeinderat zusammen und durch gemeinsame Projekte und Feste wächst neues Vertrauen, durch missionarische und diakonische Aktionen kommt ein Miteinander der Generationen in Gang.

Zu schön um wahr zu sein?

Vielleicht. Aber möglich wäre es. Heute schon. Es braucht nur Menschen mit Mut, mit Vision und Glauben. Wir sind überzeugt, dass Gott gerade auch mit jungen Menschen Gemeinde bauen möchte.

Wenn dieses Modell bei euch nicht möglich ist, ist vielleicht eine überörtliche Jugendgemeinde bei euch dran, zu der gehören:

Stell dir vor,

zu eurer regionalen Jugendgemeinde kommen Jugendliche aus den umliegenden Orten. Ihr seid mit andern Gemeinden vernetzt. Auf der Ebene der Kirchenbezirks ist eure Jugendgemeinde den andern Ortgemeinden gleichgestellt (wie z.B. einer Studentengemeinden).

Stell dir vor,

eure Jugendgemeinde hat ein Leitungsteam. Sie übernimmt auch landeskirchliche Aufgaben, z.B. den Konfirmandenunterricht für „eure“ Jugendlichen. Ihr seid diakonisch und missionarisch aktiv.

Stell dir vor,

du kannst die Gemeinde wechseln und wirst in deine Jugendgemeinde durch Umgemeindung aufgenommen. Eure Gemeinde bekommt pro Gemeindeglied Gelder und Personalstellen wie die andern Ortsgemeinden auch. Sonderpfarrstellen werden umfunktioniert, um junge Theologen oder Jugendreferentinnen für solche Gemeinden anzustellen.

Stell dir vor,

Jugendarbeit wird vom „Aktivismus“ erlöst und kommt in eine Balance. Ihr feiert Gottes Liebe, ihr lebt Gemeinschaft – und ihr tragt Gottes Liebe weiter. Ihr werdet in den umliegenden Gemeinden aktiv – und habt einen Ort, wo ihr auftanken könnt.

 

Zu schön um wahr zu sein?

Vielleicht. Aber nicht, wenn wir uns gemeinsam dafür einsetzen. Kirche für morgen jedenfalls wird alles dafür tun, damit diese Vision Wirklichkeit wird.

Liebe Landessynode, lieber Oberkirchenrat,

„Junge Menschen sind Teil der Kirche. Sie haben ein Recht auf jugendgemäße Gestaltung der Gottesdienste“. (aus „Zehn Zumutungen“ – Synodalbeschluss 1999)

Das Modellprojekt „Jugendkirche“ ist ein erster Schritt in diese Richtung. Aber das Projekt endet 2006. Und dann? Sagt ihr: „Wir haben darüber geredet und es ausprobiert. Das reicht“…? Solltet ihr nicht das ernst nehmen, was euch Prof. Michael Herbst ins Stammbuch geschrieben hat? (s.u.)

Oder wollt ihr wirklich weiter zusehen, wie junge Christen in freie Gemeinden abwandern (müssen), weil sie in der Landeskirche keine Perspektive sehen? Was werdet ihr tun, um Freiräume für Jugendgemeinden zu schaffen?

Liebes Evangelische Jugendwerk in Württemberg,

dürfen wir dich an deinen Beschluss von 2001 erinnern? Wie und wann soll dieser Beschluss Wirklichkeit werden?

„Zusätzlich zur Parochialstruktur braucht es einen Freiraum, in dem in Ergänzung gleichberechtigte, lebensweltbezogene Jugendgemeinden entstehen können… wir fordern, dass dies auf allen Ebenen der Landeskirche gefördert wird“ (Resolution der Delegiertenversammlung des ejw 2001)

Liebe Bezirksjugendwerke, liebe CVJMS,

wie ernst ist es euch damit, dass junge Christen nicht nur Jugendarbeit „machen“, sondern dass dies aus dem Glauben heraus geschieht? Wie wichtig ist euch eine gottesdienstliche Heimat für sie? Seid ihr bereit Prioritäten neu zu gewichten, um Jugendlichen Gemeinde zu ermöglichen und damit wirkliche Heimat in unserer Kirche?

Liebe Kirchengemeinderäte,

dreht doch den Spieß um: Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser. Seid bereit neue Wege zu gehen, Freiräume zu eröffnen und macht Jugendgemeinden in eurer Ortsgemeinde möglich!

 

Zum Weiterdenken einige Sätze, die Prof. Michael Herbst am 10. Juli 2004 unserer Landeskirche mit auf den Weg gegeben hat:

These 12: Unsere parochiale Kirchenstruktur bedarf der Ergänzung durch netzwerkorientierte Gemeinschafts- und Gemeindeformen, die wir als Landeskirche in kirchendistanzierte Netzwerke hineinpflanzen (in Lebensräumen wie Schulen, altersorientiert in Jugendkirchen oder in entstehende Beziehungsnetze).

… wir entdecken, dass unser flächendeckendes Modell auch von außen problematisch wird, aus missionarischer Perspektive… Die Krise ist ein Ruf zu Neuem. Warum? Der wesentliche Grund liegt darin, dass sich das Leben der Menschen massiv verändert hat. Sie leben in der Regel nicht mehr nach den alten lokalen Mustern… Das Leben wird am wenigsten noch von Nachbarschaften, am kräftigsten aber von Networks, von Beziehungsnetzen bestimmt…

Unsere Strukturen verschließen vielen den Zugang zur Kirche…. Im Grunde müsste unsre Kirche aus der Missionstheologie der äußeren Mission lernen: dort hat man schon lange begriffen, dass eine missionarische Kirche sich in eine Kultur hineinpflanzen muss….(Es geht darum) in Ergänzung zu den territorialen Gemeinden, also den bestehenden Ortsgemeinden, auf Dauer auch nicht-territoriale Gemeinden zu pflanzen, in bestimmte Netzwerke hinein zu pflanzen.

(aus „Wachsende Kirche“ – Dokumentation des Schwerpunkttages der 13. Landessynode).