Homosexualität

homosexualittIn einem längeren Prozess haben wir uns im Jahr 2011 mit dem Thema: Homosexualität beschäftigt. Wir hatten einen runden Tisch mit Betroffenen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven und Lebensweisen. Wir hatten ausführliche Diskussionen und Gespräche zwischen Synodalen und Leitungskreismitgliedern. Aus diesen Gesprächen ist folgende Position zum Thema Homosexualität entstanden:

  1. Es gibt bei Kirche für morgen zum Umgang mit gelebter Homosexualität unterschiedliche Positionen. Es gibt sowohl Menschen, die gelebte Homosexualität aufgrund des Zeugnisses der Heiligen Schrift ablehnen, als auch welche, die dies aufgrund des biblischen Zeugnisses für möglich halten.
  2. Die Position zum Thema Homosexualität ist bei „Kirche für morgen“ nicht Status confessionis, d.h. wir verstehen dies als eine ethische Fragestellung, bei der Christen in unserer Kirche und bei „Kirche für morgen“ zu unterschiedlichen Positionen kommen können, obwohl wir uns zu dem gleichen Herrn bekennen.
  3. Wir anerkennen wechselseitig, dass die jeweils andere Position ihre Entscheidung in dieser Frage im ernsthaften Ringen mit der Heiligen Schrift theologisch verantwortlich getroffen hat und akzeptieren uns deshalb als Geschwister auch mit unterschiedlichen Erkenntnissen in dieser Frage.
  4. Wir leiden einerseits darunter, dass wir keine gemeinsame Position finden konnten, gleichzeitig sehen wir es als Chance für unsere Landeskirche. Die Aufgabe der Zukunft für unsere Kirche wird nämlich sein – ähnlich wie bei der Frage des Essens von Götzenopferfleisches in der ersten Christenheit – hier die Unterschiedlichkeit auszuhalten und einen Weg zu finden, der unterschiedliche Positionen toleriert, sodass dadurch die Einheit der Gemeinde gewahrt bleibt.
  5. Wir nehmen wahr, dass es Menschen in unserer Kirche gibt, die sich wünschen auch mit ihrer gelebten Homosexualität in der Kirche akzeptiert und geachtet zu sein, egal ob sie Haupt- oder Ehrenamtliche, Pfarrer/Innen oder anders Angestellte in unserer Landeskirche sind. Wir nehmen auch wahr, dass es in unserer Kirche Menschen gibt, die unter ihrer Homosexualität leiden und sich eine Veränderung ihrer Prägung wünschen oder Veränderung erfahren haben. Beiden wollen wir den Raum für kompetente seelsorgerliche Beratung eröffnen. Wir unterstützen deshalb, dass z.B. Gruppen wie Wüstenstrom e.V. und Zwischenraum als Beratungsangebote im Handbuch für Kirchengemeinderäte genannt werden.
  6. Kirche für morgen hat sich schon immer für die Eigenverantwortung von Gemeinden stark gemacht. Deshalb sind wir auch dafür, dass jede Gemeinde eine freie Entscheidung über ein pro oder contra zu einem schwulen Pfarrer / einer lesbischen Pfarrerin in ihrem Pfarrhaus haben kann.
  7. Eine homosexuelle Partnerschaft kann nicht gleichgesetzt werden mit der Ehe von Mann und Frau, die in der Bibel als Schöpfungsordnung bezeugt wird. Wenn es eine Segnung von Homosexuellen geben sollte, dann ist sie nicht dasselbe wie eine kirchliche Trauung.
  8. Wir gehen bei einem homosexuellen Paar auch von einem gegenseitigen Treueversprechen mit Verantwortungsübernahme aus. Eine öffentlich ausgesprochene Verbindlichkeit (eingetragene Lebenspartnerschaft) zu Treue und Verantwortlichkeit muss bei homo- und heterosexuellen Partnerschaften vorliegen.
  9. Wir lehnen jegliche kämpferische Intoleranz ab – sowohl mancher Schwulen- und Lesbenverbände als auch mancher vermeintlich „rechtgläubiger Scharfmacher“.
  10. Wir sind uns bewusst, dass wir – insbesondere auch in Fragen der Sexualität – der Gnade Gottes bedürfen und unser Wissen – auch in dieser Frage – Stückwerk ist. Wir leben von der Vergebung.

vom Leitungskreis in seiner Sitzung am 21.1.2012 beschlossen, der MV am 25.2.2012 zur Bestätigung vorgelegt