Frische Formen von Kirche

Probier’s mal mit der Wirklichkeit!

Bild  - Probier´s mal mit der Wirklichkeit… ganz schön provozierend – wie von Kirche für morgen nicht anders zu erwarten.

Als wenn wir nicht selbstverständlich in der Wirklichkeit zuhause wären! Wem kommt dabei nicht zunächst der schöne Boogie von Balu, dem Bären aus dem Dschungelbuch, in den Sinn: „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“. Gemütlichkeit statt Wirklichkeit? Der Maulwurf steht nicht für Gemütlichkeit, sondern für das mutige Auftauchen aus kirchlichen Katakomben, für das Wahrnehmen einer Wirklichkeit jenseits der vertrauten unterirdischen Gänge.

Indirekt stellt der Titel uns folgende Frage: Hat unsere Kirche sich nicht allzu sehr in einer bestimmten Nische gemütlich eingerichtet und verliert dadurch zunehmend Bedeutung für heutige nichtkirchliche Menschen und ihre Lebenswirklichkeit in der Postmoderne (siehe Zitronenfalter „Probier´s mal mit der Wirklichkeit“)?
Nichts gegen Gemütlichkeit – gerade auch in der Kirche. Aber wenn die Gemütlichkeit uns daran hindert, für die heutige Welt von Bedeutung zu sein, dann wird sie zum Frömmigkeitsmief oder Kirchenmief, in dem man sich nur noch selber wohlfühlen kann, weil der frische Wind von draußen ausgesperrt wird. Mir fallen dabei zwei Spielarten dieses Miefs auf:

Erstens die kirchliche Variante, die sich mit der Kultur des Sonntagmorgengottesdienstes, ihrer Musik und ihrer klerikalen Sprache so wohl fühlt, dass man gar meint, das wäre das einzige, was theologisch zu verantworten wäre.
Und zweitens die pietistisch-charismatische Variante: Dort hat man sich zuweilen in einer bestimmten Frömmigkeitsnische so eingerichtet, dass man den eigenen Glaubensstil gar zum Glaubenskriterium erhebt.
Beide verlieren dabei die Möglichkeit, dem heutigen Volk auf’s Maul zu schauen und so erst ihre Wirklichkeit in den Blick zu bekommen.

Jede(r) von uns – auch wir von Kirche für morgen- haben solche Selbst-Immunisierungs-Tendenzen gegen die „raue“ Wirklichkeit – und die gilt es immer wieder aufzubrechen, gerade auch in unseren Kirchengemeinden, in Hauskreisen und anderen Gruppen.

Uns allen wünsche ich ganz neu zu „Hinguckern“ zu werden – um der Lebenswirklichkeit so ins Auge zu sehen, dass wir als Kirche in sie hinein das heilsame Wort, das „euangelion“ zu sagen wissen und die heilsame Tat zu leben wagen. Dann hätte Kirche sogar die Kraft, nicht nur die Wirklichkeit wahrzunehmen sondern zu verändern. (FS)

 

Hier geht es direkt zum Zitronenfalter, der sich mit der Kirche in der Postmoderne beschäftigt:
„Probier´s mal mit der Wirklichkeit“

Hier geht es direkt zum Zitronenfalter, in dem u.a. die frische Jugendkirche Three vorgestellt wird:
„Nachwachsende Frohstoffe“