Abendmahl

abendmahl

Was er in unsere Hand gibt, können wir weitergeben

Um fast nichts wird in der Kirche und zwischen den Kirchen so gestritten wie ums Abendmahl und die rechte Form des Feierns. Das war schon im Korintherbrief bei Paulus ein großes Thema. Und seither: Was hat sich geändert? Wir hängen das Abendmahl als Sakrament – auch in unseren Kirchen – so hoch, dass keiner mehr ran kommt. Da ist es von der römisch- katholischen Kirche verboten, dass evangelische Christen das Abendmahl mitfeiern. Da spricht ein evangelischer Oberkirchenrat vom Abendmahl als Filetstück für die Pfarrerinnen und Pfarrer, das man nicht leichtfertig aus der Hand geben soll. Da wird, weil man den Missbrauch fürchtet, die Hürde, um ein Abendmahl im Hauskreis leiten zu dürfen, kirchenrechtlich so hoch  gehängt, dass fast eine gesamte Prädikantenausbildung Voraussetzung dafür sein soll.

Doch eigentlich sollte das Abendmahl im Gemeindegottesdienst Lust machen auf mehr: Lust machen darauf, das auch in Hauskreisen und sonstigen Gemeindegruppen regelmäßig zu feiern. Denn der persönliche Rahmen ist für das ursprüngliche Mahl konstitutiv: Das Abendmahl als ansteckende Gesundheit!

Im Abendmahl kommt ganzheitliches Christsein, ganzheitliches Gemeindesein zum Ausdruck. Da wird mehr geteilt als Worte, nämlich das Lebensnotwendige (Brot) und auch das, was das Herz erfreut (Wein). Gleichzeitig wird der Blick auf die Armen gelenkt: Das Übrige vom gemeinsamen Essen beim Abendmahl wurde in der Urgemeinde an die Bedürftigen verteilt. Auch in unseren Gemeinden sind oft die nahen und fernen Bedürftigen (wie es Paulus bei den Korinthern kritisiert) nicht im Blick.

Und so feiern wir im Wissen darum: Wir sitzen mit Jesus Christus selbst am Tisch. Er teilt sich uns in dieser Form ganz besonders intensiv und befreiend mit. Er gibt uns das Lebensmittel, weil er unsere Lebensmitte ist. Das ist unsere Vision: Kirche ist der Ort, an dem hautnah geschmeckt und gespürt wird, wie freundlich Gott zu uns ist – auf vielerlei Weise, in vielerlei Kreisen, einladend und ansteckend, froh machend und Raum öffnend für unsere Schuld, unsere Bedürftigkeit, unsere Freude und unser Lob, und nicht zuletzt für die nahen und fernen Bedürftigen.

Feiern wir also – wie ich es auch mache, durchaus ohne kirchenrechtliche Erlaubnis – in jedem Hauskreisabend, am Anfang oder am Ende von Sitzungen, auf Freizeiten, in sonstigen Gemeindegruppen in aller Freiheit das Abendmahl, und wir werden spüren, wie dies unsere Gemeinschaft verändert, wie es zu einer tieferen Beziehung zu Jesus Christus und untereinanderführt, wie wir so auch die Sehnsucht zum Feiern mit anderen im Gemeindegottesdienst bekommen. Und irgendwann wird sich dann auch das Kirchenrecht in unserer Kirche ändern. Wir kämpfen dafür!

Herzliche Einladung!