Newsletter Sommersynode 2015

In den subtropisch heißen Tagen vom 2.-4. Juli tagte die württembergische evangelische Landessynode im Stuttgarter Hospitalhof. Mti dabei: unsere zitronenfrischen Synodalen.
Götz Kanzleiter, Kai Münzing und Martin Allmendinger kämpften an allen drei Tagen erfolgreich mit den extremen Temperaturen. Willi Beck war ab Samstag leider verhindert, Peter L. Schmidt konnte elternzeitbedingt nur am Freitag teilnehmen und Gesprächskreisleiter Matthias Böhler musste aus terminlichen Gründen ganz auf die Teilnahme verzichten.

Trotz unserer kleinen Truppe schafften wir es, sehr präsent am Rednerpult zu sein und unsere Kirche für morgen-Marke immer wieder zu setzen und zu benennen. Daneben war in den Pausen im Foyer stets Gelegenheit, den (politisch höchst wichtigen) informellen Kontakt zu anderen Gesprächskreisen zu suchen.

 

 Übersicht der Themen dieses Newsletters:

1. Aussprache zum Thema: Flüchtlinge in den Herkunftsländern
2. Personalstrukturplanung für den Pfarrdienst
3. Mittelfristige Finanzplanung und zweiter Nachtragshaushalt 2015
4. Wie geht es mit unseren Kirchen weiter?
5. Kirche für morgen stellt im Rahmen des Schwerpunkttages Antrag zum Denkmalschutz
6. Zum Bericht aus dem Strukturausschusses

 

1. Aussprache zum Thema: Flüchtlinge in den Herkunftsländern

Martin Allmendinger appellierte an den guten Willen und die Solidarität aller Christinnen und Christen in Deutschland und im Besonderen in Baden Württemberg.

Er wies darauf hin, dass lediglich einer von zehn Flüchtlingen hier in Deutschland ankommt.
Sein Appell: „Lassen Sie uns aufgrund der Fakten den populistische Sprüchen entschieden entgegen treten: Unser Boot ist eben noch lange nicht voll! Deshalb sind wir durch die Botschaft von Jesus Christus zur tätigen Nächstenliebe und zur Solidarität mit den Menschen auf der Flucht aufgerufen.“
Willkommenskultur in unserer Landeskirche erfordert Solidarität aller Gemeinden und Gemeindeglieder mit den Flüchtlingen vor allem aus dem arabischen Raum.

Götz Kanzleiter bekräftigte in seinem Votum die besondere Chance der Flüchtlingsarbeit. In den Gemeinden und Städten engagieren sich zahlreiche Ehrenamtliche aus unterschiedlichsten Schichten und Milieus. Es werden Mitmachende gewonnen, die mit unseren herkömmlichen Angeboten nicht erreicht werden. Die Kirche kooperiert hier auf eine vorbildliche Art und Weise mit Vereinen und Kommunen. Götz Kanzleiter beschrieb die übergreifende Begeisterung von Ehrenamtlichen in dieser gemeinsamen Arbeit, auf der Kanzleiter zufolge ein besonderer Segen liegt.

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2. Personalstrukturplanung für den Pfarrdienst

Alle zwei Jahre wird die Personalstrukturplanung (PSP) vorgelegt. Diese PSP ist ein Planungswerkzeug, mit dem aufgrund verschiedener Parameter das Ziel einer verlässlichen Personalplanung zur Sicherstellung kirchlicher Arbeit in sich verändernden Kontexten verfolgt wird. Entstanden, so Oberkirchenrat Traub in seiner Rede, sei sie in Folge des Personalmissmanagements der 80iger Jahre, das zur Vertrauenskrise in den Pfarrberuf geführt habe. So etwas sollte sich nicht wiederholen, auch wenn die PSP keine Erfolgsgarantie geben könne. Dass zwischen 2021 und 2030 überdurchschnittlich viele Pfarrerinnen und Pfarrer in den Ruhestand gehen, habe in diesem Personalmissmanagement  seine Wurzeln. Die entstehende Personallücke erfordere entsprechende Maßnahmen, damit sie sich nicht destruktiv auf die Gemeindeentwicklung vor Ort auswirke oder zur demotivierenden Mehrbelastung von Pfarrerinnen und Pfarrern führe.

Willi Beck wies allerdings darauf hin, dass man aufpassen müsse, dass die PSP nicht zu einem Instrument des geordneten Rückzugs werde, denn es sei gerade das Ziel der Kirche für morgen, vorwärts zu gehen und nach vorne zu denken. Gerade deswegen sei ein Maßnahmen-Mix nötig, damit erfolgreiche Personalplanung auch im Blick auf die „kritischen“ Jahre gelingt. Die vordergründigste Lösung durch Anstellung von zusätzlichem Personal, so Beck, sei zwar sperrig, aber dennoch nicht zu verwerfen. Es bleibe eben zu bedenken, dass Personal, das man eingestellt und beworben habe, auch nach den kritischen Jahren weiterbeschäftigt werden müsse. Eine erneute Vertrauenskrise in den Pfarrberuf durch Anstellungsstopps sollten wir uns nicht leisten.

Willi Beck plädierte dafür, Räume zu schaffen, damit Pfarrerinnen und Pfarrer zu „Spielertrainern/innen“ werden können, die motivierte und begabte ehrenamtliche Mitarbeiter/innen auch für Kernaufgaben des Pfarrdienstes zurüsten und coachen. Luthers Idee von der dritten Weise des Gottesdienstes und seine Vorstellung vom allgemeinen Priestertum aller Gläubigen könne hilfreich sein, entlasten und den Mündigkeitsquotienten der Gemeinde erhöhen.
Bedenkenswert, so Beck, wäre die Einrichtung einer dualen berufsbegleitenden Ausbildung zum kirchlichen Dienst für unterschiedliche Dienstprofile. Diese könnten hoch flexibel auf die unterschiedlichen, individuellen Lebenskontexte der Bewerber/innen abgestimmt sein. Beck entwarf ein plakatives Beispiel:

Buddy ist Fitnesstrainer, verheiratet und hat ein Kind. Er liebt seinen Beruf, den er noch nicht aufgeben will. Berufsbegleitend würde er sich gerne – wenn das geht – durch „Training on the Job“ zum Gemeindeleitungsdienst ausbilden lassen. Buddy favorisiert Teilzeit, aber wer weiß, vielleicht stellt er sich gar nicht so schlecht an, gewinnt die Gemeinde für ein Spendenprojekt „Gemeindeleitung“ und wechselt, wenn die Fitness nachlässt, in Vollzeit über.

Für Kirche für morgen steht fest: Wenn die Herausforderung zukünftiger Gemeindearbeit in unterschiedlichen Milieus ernst genommen wird, sollte über derartige Zugänge diskutiert werden. So könnten die bevorstehenden Krisenjahre – und über diese hinaus – zur Chance für eine zukünftige Kirche werden.

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3. Mittelfristige Finanzplanung und zweiter Nachtragshaushalt 2015

Kai Münzing, unser Mann im Finanzausschuss (FA), hielt neben dem Bericht als stellvertretender Vorsitzender des FA zum 2. Nachtragshaushalt auch das synodal aufmerksam beachtete Gesprächskreisvotum zur Mittelfristigen Finanzplanung.

Er mahnte hierbei die Beteiligung der Synode als Basis bei strategischen Überlegungen der Landeskirche an. Münzing stellte zufrieden fest, dass die drei Forderungen von Kirche für morgen hinsichtlich Steigerung der Verteilbeträge an die Kirchengemeinden, Mitteleinstellung für Strukturanpassungen sowie zur Finanzierung von Neuen Aufbrüchen Einzug in die Mittelfristige Finanzplanung gefunden habe.

Weiter stellt er die Frage, wie es uns als Kirche gelingen kann, eine lernende Organisation zu sein. Konkret sei zu prüfen, welche Schlüsse Kirche aus KMU, Milieu-Studie, PSP, Jugend zählt, Fresh X, Zukunftswerkstätten, Erfahrungen unserer Mitglieder vor Ort (und hier im Besonderen bei einer Vielzahl von Modell- und Leuchtturmprojekten) ziehe.
Im Hinblick auf das traditionsverhaftete Wesen der Landeskirche zitierte er treffend:

„Traditionen sind wie Laternenpfähle.
Sie beleuchten den Weg, den wir gehen sollen.
Nur Betrunkene halten sich daran fest.“

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4. Wie geht es mit unseren Kirchen weiter?

Beim Schwerpunkttag zum Thema „Kirche – mehr als Gebäude. Verkündigung durch Raum, Bild und Wort“ waren sich die Synodalen am Ende mit dem Referenten Prof. Dr. Thomas Erne einig: Die Kirchengebäude sind ein wichtiger Schatz unserer Kirche. Ob grandios und zentral in der Stadt, oder bescheiden als Kapelle am Wegrand gelegen – unsere Kirchen ziehen Menschen an, sprechen und wirken. Götz Kanzleiter unterstrich mit seinem Votum zwar die besondere Wirkweise von Kirchenräumen, betonte dann aber den roten Faden der Gehstruktur der biblischen Verkündigungspersönlichkeiten. Jesus ging dort hin, wo die Menschen lebten. Er ging hin und ließ nicht nur zu sich kommen; demgegenüber leben Kirchengebäude von der Komm-Struktur der klassischen Kirchengemeinde.

Im zweiten Referat von Markus Bräuer zum Thema „Zwischen Abgrund, Abendmahl und Absolution“ ging es um die Kommunikation des Evangeliums in der Medienwelt. Einerseits bergen die neuen Medien Chancen und vielfältige Möglichkeiten, andererseits geht die kirchliche Botschaft im massenhaften „Multimedia-Gedöns“  unter.

Die „Mobile Akademie“ am Nachmittag brachte etwas Bewegung in die Synode. An neunzehn Tischen gab es Berichte und Gespräche zu genialen und kreativen Projekten und Ideen, wie es gelingen kann, in unserer modernen Zeit zeitgemäß und motivierend das Evangelium zu kommunizieren.
Die beiden sehr guten und spannenden Referate sind im Internet zum Download bereitgestellt.

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5. Kirche für morgen stellt im Rahmen des Schwerpunkttages Antrag zum Denkmalschutz

Viele Kirchengemeinden machen sich aufgrund von Immobilienkonzeption oder im Rahmen von Erneuerungen der Gottesdienstform Gedanken, wie Kirchenräume adäquat dem Inhalt dienen können. Allerdings werden diese Kirchengemeinden häufig durch Auflagen des Landesdenkmalamtes in Ihren gottesdienstlichen oder Gemeinde-Entwicklungsprozessen gehemmt.

Kirche für morgen bittet in einem Antrag um politische Einflussnahme des OKR sowie der gesamten Kirchenleitung auf das Gesetzgebungsverfahren, um entsprechende bauliche Aufbrüche zu ermöglichen.

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6. Zum Bericht aus dem Strukturausschusses

Martin Allmendinger gab das Gesprächskreisvotum zum Bericht des Strukturausschusses ab. Für Kirche für morgen gilt es laut Allmendinger festzuhalten, dass Mittelpunkt und Antrieb für die Arbeit des Strukturausschusses die Anstöße von Kirche für morgen aus der 13., 14. und 15. Landessynode der Synodalen sind.

Allmendinger nannte hierzu nur beispielhaft einige wichtige Stichworte:
Leuchtturmprojekte mit Strahlkraft und Neue Aufbrüche ermöglichen; Diakonat stärken; Pfarrerbild in Richtung Spielertrainer verändern; Fresh X-Impulse aufnehmen; Verwaltungsstrukturreformen anregen und umsetzen; Gesetze zu Ermöglichungen reformieren; Verkrustungen aufbrechen; Zusammenarbeit und Fusionen befördern uvm.

Gleichzeitig betonte Martin Allmendinger, wie wichtig es sei, Anregungen des Strukturausschusses und Anderer (eben von uns als Kirche für morgen) zu reflektieren, diskutieren, erproben und umzusetzen.