Newsletter Herbstsynode 2016

Im Stuttgarter Hospitalhof fand vom 21.-24. November die Herbsttagung der Synode der Württembergischen Evangelischen Kirche statt.

Götz Kanzleiter, Kai Münzing, Willi Beck, Peter Schmidt, Martin Allmendinger und Matthias Böhler sind die Synodalvertreter des Gesprächskreises „Kirche für morgen“ und geben hier ihre Eindrücke wider.

Übersicht der Themen dieses Newsletters:

1. Strategische Planung
2. Der Antrag zur Einführung des Verhältniswahlrechts wurde mehrheitlich abgelehnt
3. Alternative Zugänge zum Pfarrdienst
4. Kai Münzing hält das Gesprächskreisvotum zur Haushaltseinbringung
5. Erklärung zu Rüstungsexporten verabschiedet
6. Bericht über die Verfolgungssituation im Irak, Syrien, Stan Staaten und Libanon

……………………………………………………………………………………….

1. Strategische Planung

Wo wollen wir hin? Welche Vision haben wir? Welche Ziele und Aufgaben ergeben sich für Kirche?

Landesbischof Frank Otfried July präsentierte am Montagnachmittag den großen Bericht zur Strategischen Planung unserer Landeskirche. Fünf Ziele benannte der Landesbischof als Schwerpunkte:

  • Präsenz in der gesellschaftlichen Wertediskussion zeigen
  • Familien stärken
  • Digitalisierung gestalten
  • das Personalwesen im Oberkirchenrat zu überprüfen, weiterzuentwickeln
  • Weiterentwicklung des Kommunikationskonzeptes für die Landeskirche

Mit der Strategischen Planung setzt die Landeskirche bewusst Schwerpunkte, um den kirchlichen Auftrag der Verkündigung des Evangeliums besser erfüllen zu können. Das Kollegium des Oberkirchenrates gründet seine Beratungen dafür unter anderem auf Synodalanträge und Rückmeldungen aus Kirchengemeinden sowie Einrichtungen, Diensten und Werken. Aber auch gesamtgesellschaftliche Langzeittrends wie demographischer Wandel, Digitalisierung und Globalisierung sind im Blick. Die Landeskirche möchte die Strategische Planung so ansprechend gestalten, dass sich auch Dienste, Werke und Einrichtungen daran beteiligen.

Götz Kanzleiter bemängelte in seinem Votum für Kirche für morgen fehlende Visionen und konkrete Zielvorgaben. Dadurch sei eine konkrete Überprüfung nicht möglich. Vehement kritisierte er die Kommunikation in Sachen Pfarrplan, da die Synode erst im Frühjahr 2017 Informationen erhalte, wofür die Kirchenleitung auf Bezirkssynoden öffentlich kritisiert werde: „Wir empfinden diese Strategie zum Thema ‚Pfarrplan‘ als Salamitaktik und nachhaltig unternehmensschädigend.“

Kanzleiter ging in seinem Statement soweit, die Begrifflichkeit des „Pfarrplanes“ umzuändern und eher von einem Gemeindeplan bzw. einem Gemeindekonzept zu sprechen. Der Begriff Pfarrplan, so sagt Kanzleiter wörtlich „suggeriert den Pfarrerinnen und Pfarrern wie auch den Gemeinden, dass das Heil der Kirchengemeinden an nur dieser einen Berufsgruppe hängt. Das überfordert die einzelnen Pfarrerinnen und Pfarrer vor Ort und unterschlägt die theologische Erkenntnis, dass die Kirche in Sinne eines „Priestertum und Diakonats aller Gläubigen“ von haupt- und ehrenamtlichen gemeinsam gestaltet und getragen wird. Erst im Zusammenwirken von Pfarrerinnen und Pfarrern, von Organisten und Posaunenchorleitern, von Messnerinnen und Kirchenpflegerinnen, von Diakoninnen und Diakonen, von allen Haupt- und Ehrenamtlichen Kräften gestaltet sich Kirche Jesus Christi.“

Den vollständigen Bericht von Landesbischof Frank Otfried July können Sie hier nachlesen:.

(Götz Kanzleiter)

……………………………………………………………………………………….

 

2. Der Antrag zur Einführung des Verhältniswahlrechts wurde mehrheitlich abgelehnt

Platzhirsch bleibt Platzhirsch…
Tolle Kandidaten und Kandidatinnen fallen weiterhin durch das Wahlraster der Landeskirche, sofern sie gegen sogenannte Platzhirsche kandidieren!

Trotz großen rhetorischen Einsatzes des Gesprächskreisvorsitzenden Matthias Böhler gelang es nicht, den tatsächlichen Wählerwillen durch die Einführung eines kombinierten Wahlrechts von Persönlichkeitswahl und Verhältniswahl (über Zweitstimmenauszählung) zukünftig Ausdruck zu geben. Dem Antrag  wurde nicht stattgegeben.

Matthias Böhler hat zu Recht darauf hingewiesen, dass eine Ungerechtigkeit bei der Proporzregelung besteht. Diese zeigt sich bei der Besetzung von Ausschüssen, nach der Wahl und im Zusammenhang der Konstituierung der Synode. Neben Kirche für Morgen hat sich für diesen Antrag der Gesprächskreis der Offenen Kirche eingesetzt.

Den Bericht des Rechtsausschusses können Sie hier nachlesen.

(Matthias Böhler)

……………………………………………………………………………………….

 

3. Alternative Zugänge zum Pfarrdienst

Wir gehen voran: Deutlich wurden in der Herbstsynode 2016 Themenstellungen aufgenommen, die wir von Kirche für morgen unterstützen.

Alternative Zugänge zum Pfarramt: Auch wenn das Universitätsstudium der Regelzugang zum Pfarramt bleibt, soll es in Zukunft möglich werden, dass 15 Personen über alternative Zugänge den Weg ins Pfarramt gehen können. Diese Maßnahme ist Teil eines Maßnahmenpaketes, das den PfarrPlan 2024 flankiert.

Beim Blick über den Tellerrand wird deutlich, dass es gute Möglichkeiten gibt, um einen solchen alternativen Weg ins Pfarramt zu finden. Zum Beispiel besteht an den Fakultäten Marburg und Heidelberg die Möglichkeit, dass Personen, die aus anderen akademischen Ausbildungsgängen und Berufstätigkeiten kommen, einen theologischen Masterabschluss erwerben können.
Die bayrische Landeskirche bietet einen Studiengang „Pfarrverwalterin/Pfarrverwalter“ an der Augustana Hochschule in Neuendettelsau an. So können Personen mit nichtakademischen Berufen in den Pfarrberuf wechseln. Will man die anvisierte Zielgruppe für einen Umstieg ins Pfarramt gewinnen, ist monetäre Unterstützung notwendig. Die meisten werden sich in familiären und wirtschaftlichen Verhältnissen befinden, die sonst einen derartigen Werdegang begrenzen.

Förderung innovativer Gemeindearbeit und neue Gemeindeformen: Dass bestehende neue Gemeindeformen und Aufbruchsinitiativen Unterstützung in finanzieller und personeller Hinsicht benötigen, wurde auch im Bericht des Vorsitzenden des Strukturausschusses betont.

Ab 2017 wird nun der Verteilbeitrag an die Kirchenbezirke um je 1,5 Mio. €uro erhöht. Dieser Betrag wird aus der Ausgleichsrücklage entnommen, bis insgesamt 10 Mio. €uro ausgeschüttet sind. Damit soll innovatives Handeln von Kirchengemeinden und Initiativen unterstützt werden, unter Anderem gerade auch neue Aufbrüche. So wird innovative Gemeindearbeit unterstützt und wertgeschätzt. Mit der Einbringung von Antrag 81/16 wies Matthias Böhler (Kfm) darauf hin, dass  an dieser Stelle Verteilkriterien zu erarbeiten sind, damit die Gelder nicht im Gießkannenprinzip verteilt werden, sondern wirklich auch Aufbruchsinitiativen zukommen.

Im Blick auf personelle Ressourcen wurde angeregt, fünf Bewegliche Pfarrstellen zur Umsetzung und Erprobung neuer innovativer Gemeindeformen und -strukturen vorzusehen. Der OKR wurde gebeten, dieses auch umzusetzen.

(Willi Beck)

……………………………………………………………………………………….

 

4. Kai Münzing hält das Gesprächskreisvotum zur Haushaltseinbringung

Michael Fritz als Vorsitzender des Finanzausschusses beschrieb den Haushaltsplan 2017 als „absolut unspektakulär“. Genau darin besteht bereits die erste Kritik, die Kai Münzing für den Gesprächskreis „Kirche für morgen“ an der Verteilung der weiterhin großen Steuereinnahmen (730 Millionen im Jahr 2017!) äußerte.

  1. Der Haushaltsplan stellt lediglich eine Fortführung des Bestehenden dar – der bestehenden Inhalte und der bestehenden Strukturen. Einen wirklichen Aufbruch durch strukturelle und finanzielle Unterstützungen in eine landeskirchliche Gemeindegründungsbewegung, bzw. in Vergemeinschaftungsprozessen in unerreichten Milieus ist genauso wenig erkennbar, wie die zukunftsträchtige Investition in neue Aufbrüche.
  1. Kritik äußerte er weiter daran, dass die den Pfarrplan flankierenden Maßnahmen in ihrer Umsetzung nicht weit genug gehen werden (30 Millionen-Paket zur Einrichtung eines Strukturfonds bei den Kirchengemeinden). Dies gilt insbesondere in den Bereichen, in denen Pfarrer und Pfarrerinnen in ihrer Arbeit und Aufgaben eine Entlastung erfahren sollen, dies aber bis dato keinen Einfluss auf Pfarrrecht, Pfarrerdienstrecht sowie Gemeinderecht hat. Somit sind Entlastungen nur bedingt erreichbar.
    Zum Zweiten betrifft es die Gelder zur Förderung neuer Aufbrüche auf Kirchenbezirksebene (10 Millionen-Paket). Kai Münzing stellte (auch als KBA-Mitglied in seinem Kirchenbezirk) fest, dass die Verteilung der Gelder im Rahmen der vorhandenen Strukturen unweigerlich zu Interessenskonflikten führen wird. So wird in diesem Falle die Frage aufkommen, ob neue Aufbrüche, die nicht in direkter Linie mit dem bestehenden System stehen, überhaupt eine Chance der Förderung erhalten können!?

Festzuhalten ist, dass die Anregungen und Schwerpunktsetzung von Kirche für morgen zwar zwischenzeitlich von allen Gesprächskreisen aufgenommen werden, dass aber ohne unser weiteres Wirken in der Synode diese nur oberflächlich und ohne nachhaltige Wirkung greifen werden!

Den Bericht des Strukturausschusses können Sie hier nachlesen.

(Kai Münzing)

……………………………………………………………………………………….

 

5. Erklärung zu Rüstungsexporten verabschiedet

Ausgangspunkt war die Internationale Ökumenische Friedenskonvokation 2010 in Jamaica. OKR Dr. Heckel rief im Anschluss eine Kommission ins Leben, die sich mit den schwierigen und komplexen Fragen zur Rüstungskonversion, Rüstungsproduktion und zum Rüstungsexport auseinandersetzen sollte.

Ein Ergebnispapier wurde in der Sommersynode 2016, beim Studientag „Reformation. Eine Welt. Gerechter Friede“ am 8. Juli 2016 in Heilbronn, eingetragen. Eine Verabschiedung blieb zunächst aus. Die von einer dafür eingerichteten Arbeitsgruppe überarbeitete Erklärung jedoch wurde jetzt in der Herbstsynode verabschiedet. Im Blick auf eine von Gewalt geprägten Welt, gibt die Synode damit einen wichtigen Impuls, nimmt ihre Verantwortung wahr und wirkt gerade auch aus christlicher Perspektive, hinein in die Gesellschaft.

Die Erklärung ist hier nachzulesen.

……………………………………………………………………………………….

 

6. Bericht über die Verfolgungssituation im Irak, Syrien, Stan Staaten und Libanon

„Wir sind aufgerufen, nicht nachzulassen in unserem Gebet für die Verfolgten und Unterdrückten. Sie sind nicht vergessen!“, betonte Kirchenrat Klaus Rieth in seinem Bericht über die Verfolgungssituation von Menschen ihres Glaubens wegen.

Den vollständigen Bericht können Sie hier nachlesen.

……………………………………………………………………………………….

Bleiben Sie informiert und bestellen Sie unseren kostenlosen Newsletter direkt auf unserer Homepage!
Weitere Dokumente zur Herbstsynode finden Sie auf der Homepage der Landeskirche.