Newsletter Herbstsynode 2015

Themen der Synode waren: Strategische Planung, Haushaltsberatungen, Hilfe für Flüchtlinge und die Gesetzgebung für die Verbundkirchengemeinde. Bleiben Sie auf dem Laufenden und abonnieren Sie unseren Newsletter!

 

Kirche für morgen gestaltet den Eröffnungsgottesdienst der Herbstsynode 2015

Der Gesprächskreis „Kirche für morgen“ hatte den Auftrag des Präsidiums, den Eröffnungsgottesdienst zu organisieren und durchzuführen. Den Predigtdienst übernahm Willi Beck und sprach in seiner Predigt über die klugen und törichten Jungfrauen (Mt 25,1 ff). Die liturgische Leitung hatte Götz Kanzleiter. Das Kirchenfernsehen zeichnete den Gottesdienst auf, die Sendetermine sind bei bw Family.tv  am 29.11. um 17:00 Uhr und 19:30Uhr, bei Bibel TV am Sonntag, 13.12. um 11.00 Uhr oder direkt über www.kirchenfernsehen.de.

Der Predigttext zum Nachlesen findet sich hier.

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Übersicht der Themen dieses Newsletters

1. Strategische Planung

2. Haushaltsberatungen

3. Die Kirche tut was -  für die Flüchtlinge hier in Württemberg und in den Herkunftsländern

4. Kirchliche Gesetze – die Verbundkirchengemeinde

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1. Strategische Planung

Zu Beginn der Herbsttagung der Landessynode wurde vom Oberkirchenrat die Strategische Planung vorgestellt. Ausgehend von der Vision „Kirche 2030″ und den gesellschaftlichen Entwicklungen hat der Oberkirchenrat strategische Ziele und konkrete Maßnahmen erarbeitet.

Einen kritischen Blick warf Matthias Böhler zunächst auf die Grundlage der Strategischen Planung, die der Oberkirchenrat mit „Unterwegs in das Land, das Gott uns zeigen will“ überschrieben hatte. Er forderte, mutig innovative Zielerreichungsmaßnahmen zu formulieren, die motivieren und Kräfte für die Veränderungsprozesse in unseren Gemeinden freisetzen. Er äußerte sich für den Gesprächskreis Kirche für morgen enttäuscht darüber, dass die Vision hauptsächlich die heutigen Verhältnisse festschreibt und scheinbar vorgibt, auch in 20 Jahren noch die Alte zu sein. „Solche Sätze suggerieren einerseits, dass wir eine mutige Kirche im Aufbruch sind, aber sie neigen dazu, uns andererseits zu verleiten, zu bleiben wie wir sind und – das ist das Dramatische – ohne dies zu bemerken.“

Lesen Sie hier das GK-Votum von Matthias Böhler zur strategischen Planung.

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2. Haushaltsberatungen

 In seiner Funktion als stellvertretender Vorsitzender des Landeskirchlichen Finanzausschusses hielt Kai Münzing das Gesprächskreisvotum für Kirche für morgen zur Haushaltsdebatte, zum Jahresabschluss 2015 sowie zur Mittelfristigen Finanzplanung der Landeskirche. Haushaltsplan und strategische Planung, die tags zuvor von der Synode lediglich zur Kenntnis zu nehmen waren, sind nicht zu trennen.

Harsche Kritik
Kai Münzing kritisierte innerhalb seiner Rede nicht zum ersten Mal, dass das Kollegium des Oberkirchenrats selbstherrlich die Strategie der Landeskirche erarbeitet. Dies geschieht im Rahmen von sogenannten Strategiekonventen ohne Beteiligung der Synode. Die Ergebnisse werden den Synodalen lediglich in der Herbstsynode zur Kenntnis gegeben.
Und dies zu einem Zeitpunkt, an dem bereits die Mittelfristige Finanzplanung abgeschlossen ist. Einwände oder Rückfragen bzw. Anregungen seitens der Synode laufen somit häufig ins Leere.

Flüchtlingsbereite Kirche
Kirche für morgen unterstütze laut Münzing ausdrücklich die Maßnahmenpakete für die Flüchtlings- und der Inklusionsarbeit. Weiter unterstütze Kirche für morgen all die Bemühungen, die in die Gesellschaft hineinragen und Menschen dazu bewegen, Menschen mit Menschlichkeit und Liebe zu begegnen.

Mitgliederbindung
Diese kann aus Sicht von Kirche für morgen durch folgendes befördert werden:

  1. Durch konkrete Reaktionen auf die Ergebnisse der 5.Kirchen-Mitglieder-Untersuchung
  2. Ebenso durch verbindliche Reaktionen auf die Ergebnisse der Sinus-Kirchenstudie der Evangelischen Kirche in Baden und Württemberg
  3. Weiter müssen wir eine Bewusstseinsstärkung aller Mitglieder und auch der Nichtmitglieder erreichen, dass in Zeiten wie diesen 2,1 Millionen Christinnen und Christen in rund 1.400 Kirchengemeinden vielfach wirken können und dies auch tun.

Kirche von Morgen hat laut Münzing Antworten auf die Frage, ob Kirche für mehr steht als es die aktuellen Pressestimmen „Kirche schwimmt im Geld“ suggerieren:
Neben der aktuell zurecht vielbeschworenen Willkommenskultur für Flüchtlinge benötigt eine zukunftsfähige Kirche von Morgen laut Kirche für morgen weitere Eigenschaften und Aktionen, die Münzing in 10 Punkten zusammenfasste:

  1. Eine klare durch uns Kirchenleitende festgelegte strategische Ausrichtung, wie bereits tags zuvor im Rahmen der strategischen Planung von Matthias Böhler gefordert wurde.
  2. Eine Strukturanpassung, die die Herausforderungen im Bereich des Hauptamtes und hier insbesondere im Bereich der Pfarrerschaft bewältigen hilft und in der der Rollenwechsel von der „Eierlegenden-Woll-Milch-Sau“ hin zum Spielertrainer ermöglicht wird.
  3. Eine Finanzpolitik, die zukunftsfähige strukturelle und inhaltliche Projekte befördert, wie zum Beispiel duale Ausbildungswege für Gemeindegründungen.
  4. Eine Finanzpolitik, die neben den vielen Lichterketten innerhalb unserer Landeskirche auch weiterhin Leuchtturmprojekte mit Strahlkraft unterstützt.
  5. Eine landeskirchliche Finanzpolitik, die neben den üblichen Steuerverteilgrundsätzen nicht versucht, Sondermaßnahmen im Gießkannenprinzip zu befördern, sondern hier im Speziellen ihre besondere Verantwortung wahrnimmt und Zeichen setzt.
  6. Eine kirchliche Gesetzgebung, die neue Aufbrüche nachhaltig ermöglicht und alte Zöpfe abschneidet.
  7. Eine Bereitschaft, über die eigenen Kirchtürme hinauszuschauen und dadurch mutig Schritte anzugehen.
  8. Eine Öffnung der Ränder unserer Kirchengemeinden, um nicht nur Flüchtlingen, sondern auch allen anderen Suchenden Zuflucht sein zu können
  9. Eine ständige Überprüfung von Aktion und Wirkung, von Ziel und Erreichungsgrad.
  10. Eine Kirche, der abzuspüren ist, dass sie mit all ihren Angeboten Antworten findet auf die eingangs gestellte Frage: „Hat Kirche was zu entgegnen?“

Lesen Sie hier das gesamte GK-Votum von Kai Münzing zu den Haushaltsberatungen.

 

Haushaltsplanung nach Kassenlage
Ein letzter, durch Kai Münzing benannter bedenkenswerter Aspekt ist, dass strategische Planung gerade bei Kirche und Diakonie nicht vorsieht, dass Inhalt nach Kassenlage vorgenommen wird, sondern vielmehr, dass unser Haushaltsplan durch den Inhalt gestaltet wird!

Zitat: „Wir kommen aus einer Zeit, in der die 14. Landessynode noch ein Sparpaket verabschiedet hat. Mich hat heute Nachmittag ein Bild von heute Morgen umgetrieben, und zwar das Bild des Baumes, des Stammes, der Äste und der grünen Blätter, die wir in der jetzigen Haushaltslage finanzieren können. Ich stelle mir die Frage: Wer ist nachher Baum, wer ist nachher Stamm?
Gehören dazu die Dinge wie Flüchtlingsarbeit, Stärkung der Therapiezentren von Traumatapatienten,
Beschäftigungsgutscheine für Langzeitarbeitslose oder die von Martin Allmendinger gerade erwähnte Entschuldungsberatung, die wir heute Morgen mehr oder minder beschlossen haben bzw. im Haushalt beschließen werden?

Sind diese Dinge dann beim Stamm, beim Baum oder bei den Blättern anzusiedeln? In der Biologie lernen wir, wie es im Herbst und im Winter zugeht, dass der Baum diese Blätter dann abfallen lässt, um nicht sterben zu müssen, um überleben zu können.

Ist dies unser Bild von Kirche, Diakonie und strategischer Planung?“

Im Rahmen der anschließenden Aussprache zum Haushaltsgesetz forderte Kai Münzing, im Rahmen der neuen Haushaltsordnung zwingend die notwendige Verwaltungsstrukturreform auf Kirchengemeinde- und Kirchenbezirksebene im Gleichschritt vorzunehmen.

Zum einen – so Münzing – kommen die mit lediglich kleinteiligen Deputaten ausgestatteten Kirchenpflegen an die Grenzen ihrer Belastbarkeit, zum anderen sind die vorhandenen Strukturen hinsichtlich der nicht vorhandenen Vertretungsregelungen, der regelmäßigen Überlastungen und letztlich hinsichtlich der extremen Komplexität der Einarbeitung in das neue Rechnungswesen und  speziell mit Blick auf die Mitgliederrückgänge nicht mehr zukunftsfähig.

Mit dieser Forderung erinnerte er an eines unserer Wahlthemen, nämlich der Forderung nach Überprüfung von Verwaltungsstrukturen und Reduzierung von Bürokratismus.

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3. Die Kirche tut was -  für die Flüchtlinge hier in Württemberg und in den Herkunftsländern

Insgesamt sind nun von der Landessynode 16 Millionen Euro für die Flüchtlingshilfe hier in unserem Land und vor Ort in den Herkunftsländern eingesetzt worden.

Götz Kanzleiter lobte das landeskirchliche Engagement für Flüchtlinge, es setze „Zeichen in Gesellschaft und Kirchengemeinden“. OKR Kaufmann meinte: „Ich finde es großartig, was wir hier auf den Weg bringen“

Im Ausschuss für Diakonie vorberaten und nun in der Synode über den Haushalt beschlossen wurden insgesamt 600.000 Euro, die für die Psychologische Beratungsstelle für politisch Verfolgte und Vertriebene und für Refugio Stuttgart bereitgestellt werden. Sie sollen in je eine Personalstelle und in Mittel für drei Jahre fließen. In den beiden Zentren werden traumatisierte Flüchtlinge und Vertriebene sowie Migrantinnen und Migranten mit psychoreaktiven Störungen beraten und behandelt. Die Menschen werden dort in ihrer individuellen Situation unterstützt und begleitet.

Zweimal 5 Millionen Euro sind im Haushalt 2016 und 2017 eingeplant worden, um weitere Stellen im Flüchtlingsdiakonat für die Begleitung von ehrenamtlichen Mitarbeitenden in der Begleitung von Flüchtlingen in unseren Bezirken und Gemeinden mittelfristig zu sichern.

Götz Kanzleiter setzte sich in seinem Gesprächsvotum dafür ein, dass der OKR und das Diakonische Werk schnelle Wege erarbeiten, diese Gelder vor Ort so einzusetzen, dass neue Stellen flächendeckend besetzt werden können.

Dazu braucht es attraktive Rahmenbedingungen, damit bei erfahrenen und qualifizierten Fachkräfte mit bestehenden Netzwerken Interesse geweckt wird. Dazu kann vielleicht auch eine Möglichkeit für PE-Maßnahmen bei Gemeindediakonen und Jugendreferentinnen kommen. Bei Stellenausschreibungen von Teilzeitdeputaten mit  zeitlichen Befristungen besteht die Sorge, dass die gesuchten qualifizierten  Personen nicht anzusprechen sind.

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4. Kirchliche Gesetze – die Verbundkirchengemeinde

Am Mittwochnachmittag wurden zwei neue Gesetze eingebracht und in die zuständigen Ausschüsse verwiesen, das „Kirchliche Gesetz über das Finanzmanagement in der Evang. Landeskirche in Württemberg“, mit dem die Doppik (doppelte Buchführung, Gegenüberstellen von Aufwand und Ertrag, von Soll und Haben) in den landeskirchlichen Haushalt eingeführt werden soll, sowie das „Kirchliche Gesetz zur Änderung der Konfirmationsordnung“, wonach Konfirmationen in begründeten Ausnahmefällen auch weiterhin vor Ostern stattfinden dürfen sollen.

Anschließend wurde das „Kirchliche Gesetz zur Änderung der Kirchengemeindeordnung und anderer Gesetze“ beraten und beschlossen, in dem es um die Einführung der „Verbundkirchengemeinde“, einer Sonderform der Gesamtkirchengemeinde geht. Hintergrund dieses Gesetzes ist die Erkenntnis, dass sich in den nächsten Jahren nicht nur die Zahl der Gemeindeglieder, sondern auch die der Pfarrer zurückgehen wird, die Zahl der Kirchengemeinden jedoch nur unwesentlich. Die Idee ist daher, dass sich (v.a. kleine) Kirchengemeinden untereinander verbinden, um bestimmte Aufgaben gemeinsam erledigen zu können, ohne gleich fusionieren zu müssen.

D.h., einzelne Kirchengemeinden einer Verbundkirchengemeinde sollen als solche rechtlich als KdöR selbständig bleiben, aber im Bereich von Finanzen, Personal, Gottesdienst und Immobilien mit den anderen Gemeinden zusammenarbeiten können. Die Einzelgemeinden bilden einen gemeinsamen Kirchengemeinderat, der über Finanzen und Gottesdienstordnung entscheidet. Pfarrer werden nicht nur bei einer Einzelgemeinde, sondern zentral bei der Verbundkirchengemeinde angestellt.

Ein weiterer Regelungspunkt des Änderungsgesetzes ist die gesetzliche Festschreibung der Möglichkeit von Co-Dekanen, die in Flächen-Kirchenbezirken bei der Visitation unterstützend eingesetzt werden können (wie bereits in den Kirchenbezirken  Ravensburg und Balingen der Fall).

Peter L. Schmidt dankte den beteiligten Gremien und insbesondere dem Oberkirchenrat für diese erstaunlich schnell entwickelte und dennoch sauber durchdachte und ausgearbeitete Möglichkeit für Kirchengemeinden, eine finanzierbare und ihnen dennoch gemäße, lebbare rechtliche Form zu bieten.

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Weitere Dokumente zur Herbstsynode finden Sie auf der Homepage der Landeskirche.