Newsletter Frühjahrssynode 2018

Im Stuttgarter Hospitalhof fand vom 08.-10. März die Frühjahrstagung der Synode der Württembergischen Evangelischen Kirche statt.

Götz Kanzleiter, Kai Münzing, Willi Beck, Peter Schmidt, Martin Allmendinger, Matthias Böhler und Tobi Wörner sind die Synodalvertreter des Gesprächskreises „Kirche für morgen“ und geben hier ihre Eindrücke wider.

Übersicht der Themen dieses Newsletters

1. Gesprächskreisvotum zum Bischofsbericht
2. Änderung der Taufagende
3. Partnerschaft, Ehe und Familie stärken
4. Prostitution
5. Projekt SPI (Strukturen, Pfarrdienst und Immobilien)
6. Abschlussbericht Reformationsjubiläum
7. Klimagerechtigkeit und Massentierhaltung

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1. Gesprächskreisvotum zum Bischofsbericht

Von Matthias Böhler

„Von Gott angesehen – einander sehen“ – der Bericht des Landesbischofs (zum Nachlesen hier klicken) war geprägt von der Stimmung und Situation, die nach den hitzigen Diskussionen um die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare in der Synode entstanden ist. Es geht jetzt um die Frage, was unser Zusammenleben, unser Zusammen-Glauben trägt.

Landesbischof July lieferte mit seinem Bericht eine Steilvorlage für das im letzten Jahr verabschiedete Kirchenbild von Kirche für morgen. Die von uns formulierten vier Dimensionen von Kirche Out, In, Of und Up bildeten somit auch die Grundlage des Gesprächskreis-Votums von Kirche für morgen. Bischof July sprach von der Herausforderung „sich nicht mit einer auf das eigene Milieu und Klientel verengten Sichtweise zufrieden zu geben“. Beim Thema „Segnung gleichgeschlechtlicher Paare“ wird dies deutlich. Sich einander zuwenden ist ständige Verpflichtung! Deshalb brauchen wir auch bei vielen anderen Themen die Fokussierung auf eine Haltung des gegenseitigen Respekts und der Anerkennung.

Nach wie vor wird im Strukturausschuss über die Vielfalt von Gemeindeformen gestritten. Es schmerzt uns als Gesprächskreis, wenn dieses Thema so schnell unter dem Stichwort „freikirchliche Tendenzen“ vom Tisch gefegt wird. Dahinter stehen Menschen, die ein ernsthaftes Interesse an unserer Landeskirche haben! Gemeinde lebt für uns im vielfachen Miteinander. Es gibt nicht eine Form für alle, sondern unterschiedliche Arten von Beziehung, Nähe und Distanz. Wer Vielfalt will, muss in der Synode, aber auch im Oberkirchenrat bereit sein, eine „auf das eigene Milieu verengte Sichtweise“ zu überdenken.

Link zum Kfm-Gesprächskreisvotum

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2. Änderung der Taufagende

Von Willi Beck

Nun ist sie verabschiedet, die neue Taufagende. Nach einem langen kontroversen Prozess in der liturgischen Kommission, im Rechtsausschuss und im Theologischen Ausschuss liegt nun ein Werk vor, das die pluralen Positionen zu integrieren versucht. Über die Gesprächskreise hinweg wird die Möglichkeit der Immersionstaufe, also der Taufe durch Untertauchen an offenen Gewässern, befürwortet. Gelobt wird das sogenannte „Kernmodul“ der Taufe, das in unterschiedlichen Kontexten, wie bspw. in sogenannten „Zweitgottesdiensten“ oder auch Gottesdiensten im Grünen, zum Einsatz kommen kann.

Ergänzt wird die Kernhandlung durch vielzählige Ergänzungstexte, die als Bausteine kontextuell mit einbezogen werden können. Die Übersetzung der Kernhandlung in unterschiedliche Sprachen wird zudem zur Verfügung gestellt und die Agende und die ergänzenden Texte werden in digitaler Form abrufbar sein. Dass Menschen aus den unterschiedlichen Milieus ernstgenommen werden, zieht sich wie ein roter Faden durch den Prozess der Agendenentwicklung. Die liturgischen Texte sind in der Hoffnung verfasst, dass sie möglichst milieuübergreifend im Gottesdienst verstanden werden. Jetzt muss sie die nächsten 25 Jahre überstehen. Dann nämlich steht die nächste Revision auf der Tagesordnung … und sie muss erneut an Sprache und Kultur angepasst werden.

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3. Partnerschaft, Ehe und Familie stärken

Von Götz Kanzleiter

Auftakt eines mehrjährigen Projekts: Familie ist ein gesellschaftliches Mega-Thema. Die Landeskirche möchte  dieses Thema stärker in den Fokus nehmen und die vielen Angebote bündeln und damit zum Querschnittsthema machen.
Die Strukturen der Landeskirche sind jedoch so zergliedert, dass teilweise ähnliche Angebote und Abläufe parallel existieren. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von „Versäulung“, die bei diesem Projekt wie ein Bremsklotz wirkt und hinderlich ist. Deshalb braucht es Kooperation, Vernetzung und Konzepte, die verschiedene Lebenswelten umfassen (Sozialraumorientierung),  auch über Organisations- und Dezernatsgrenzen hinweg.

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4. Prostitution

Von Martin Allmendinger

Dem Antrag 32/17 (zum Nachlesen hier klicken) wurde nach dem Bericht aus den Ausschüssen, siehe unten, und einer differenzierten Aussprache, einstimmig zugestimmt. Am Tag nach dem Weltfrauentag, fördert damit die Landessynode durch einstimmigen Beschluss, Einrichtungen und Initiativen gegen: Zwangsprostitution, Gewalt gegen Frauen, Benachteiligung und Ausbeutung. Dieser sehr wichtige landeskirchliche Fördereinsatz hilft den unterschiedlichen Initiativen die Arbeit wesentlich zu verbessern.
Der Synode wird im Jahr 2019 Bericht erstattet, was aus der Mittelverwendung geworden ist. Die Vorsitzende des Ausschusses Kirche, Gesellschaft und Öffentlichkeit (KGÖ), Franziska Stocker-Schwarz stellte den Ablauf der Beratungen in den Ausschüssen Diakonie, Kirche, Gesellschaft und Öffentlichkeit (KGÖ), sowie dem Finanzausschuss dar und setzte sich sehr für die Zustimmung zum Antrag ein. Die Synodale Angelika Klingel brachte einen weiteren Antrag ein. Mit diesem forderte sie die Synode auf, dem Aktionsbündnis „Rotlicht aus“ beizutreten. Dieser Antrag wurde mit großer Mehrheit zur weiteren Beratung an den KGÖ verwiesen.

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5. Projekt SPI (Strukturen, Pfarrdienst und Immobilien)

Votum von Kai Münzing

„Vorab danken wir von Kirche für morgen den Bemühungen der Landeskirche, Kirchengemeinden, Räte- und Rätinnen, Kirchenbezirke und weitere Verbände in notwendigen Veränderungsprozesse zu begleiten und zu beraten. Diese Beratungsprozesse nehmen rechtliche, organisatorische und verwaltungstechnische sowie bautechnische Fragen in den Blick und werden durch motivierte, qualifizierte Berater in Zweierteams begleitet.

Kritisch sehen wir den Umstand, dass vor Ort verhandelte, kreative und zukunftsfähige Lösungsansätze meist an rechtlichen oder strukturellen Hürden scheitern.
Leider, so unsere Wahrnehmung, fehlt es an einigen Stellen im Oberkirchenrat an ähnlicher Kreativität, diese vor Ort hart errungenen Lösungshorizonte zur Umsetzung zu bringen.
Gesetze zu Erprobungsräumen greifen weniger oder erst mit deutlich zeitlicher Verschleppung als wir uns dies für die Betroffenen wünschen würden. Politisch motivierte Fragestellungen hinsichtlich der Residenzpflicht z.B. in einem staatlichen Pfarrhaus wiegen größer, als der an der Basis erarbeitete Kompromissvorschlag und somit der Interessen der Kirchengemeinden vor Ort.“

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6. Abschlussbericht Reformationsjubiläum

Von Tobi Wörner

Am Samstag wurde in der Synode das Reformationsjubiläum abgefeiert.
2017 war ein gutes Jahr, finden die Berichterstatter des Oberkirchenrats.
Es wurde viel gefeiert, veranstaltet und Geld ausgegeben.
Wir von Kirche für morgen wollen mehr:

Gleich wichtig wie die schönen Erlebnisse und Veranstaltungen und Aktionen im letzten Jahr ist es jetzt, wie es weitergeht. Was passiert mit dieser Kirche, der Luther oder jemand anderer ins Stammbuch geschrieben hat „semper reformanda“?

Ich habe meinen Beitrag dazu mit den folgenden Worten abgeschlossen:
„Wenn ich jetzt an die zu reformierende Zukunft denke, sage ich:
Ich bin lieber Gemeindegründer als Ein-Haar-in-der-Suppe-Finder.
Ich bin lieber Zukunftgestalter als ein Untergangsverwalter.
Ich bin lieber ein Neue-Wege-Geher als ein Auf-Kirchengesetze-Seher.
Ich bin lieber ein mutiger Visionär als ein Warum-sind-denn-die-Bänke-so-leer-Frager.
Ich bin lieber eine Experimentierer als ein Mitgliederverlierer.
Ich bin lieber ein Reformer und Ausprobierer als ein Sich-für-unsere-Kirche-Genierer.
Und ich bin lieber ein Gute-Botschaft-Sager als ein Rückgang-Beklager.
Dafür würde ich gern im 2517 gefeiert werden. Und Sie?“

Freundlich grüßt euch aus der Synode,
Euer Tobi Wörner

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7. Klimagerechtigkeit und Massentierhaltung

Von Götz Kanzleiter

Vegi-Tag für die Landesynode: Schaffen es die Synodale der Württembergischen Landessynode einen Tag auf Fleisch zu verzichten?

Unter dem Tagesordnungspunkt 4 ging es um den Antrag auf einen freiwilligen Verzichtstag der Synodalgemeinde auf Fleisch und Fisch. Nach langer Diskussion in den Gremien kommt der  Ausschuss „Kirche Gemeinschaft und Ökumene“ zu einem ablehnenden Beschluss. Der Ältestenrat vertrat die Ansicht, dass ein solcher Verzichtsbeschluss keinesfalls öffentlichkeitswirksam vermarktet werden sollte. Jede Synodale und jeder Gast sollte die Möglichkeit haben, sich ohne Vorgaben für ein Essen seiner Wahl entscheiden zu können. Damit wurde der Antrag auf einen Vegi-Tag abgelehnt.

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Weitere Dokumente zur Herbstsynode finden Sie auf der Homepage der Landeskirche.