Der heiße Stuhl

Auf einige der brennendsten Fragen zu Kirche für morgen, geben Synodale, der Leitungskreis und Mitglieder Antworten.

  • „Was unterscheidet Kfm von anderen Gesprächskreisen?“
  • „Kann Kfm in der Synode überhaupt etwas bewirken?“
  • „Kfm will alles Mögliche verändern, ist das nicht nur eine Modeerscheinung? Bisher war doch auch vieles gut!“
  • „Wieso hat Kfm die Zitrone als Symbol? Seid ihr sauer?“
  • „Wieso hat Kfm für den Pfarrplan gestimmt, durch den Gemeinden zusammengelegt werden? Es gibt bei uns jetzt schon zu wenige Hauptamtliche und die müssen sich dann um noch mehr Gemeindeglieder kümmern!“
  • „Was meint ihr eigentlich mit Beteiligungskirche? Mir gefällt es betreut zu werden.“
  • „Kfm fordert, dass die Gemeindebasis mehr mitbestimmen soll. Überlastet das nicht die Pfarrer oder macht sie sogar überflüssig?“
  • „Wieso fordert Kfm die Unterstützung von Lebensweltgemeinden? Spaltet das nicht die bestehenden Gemeinden?“

„Was unterscheidet Kfm von anderen Gesprächskreisen?“

Kirche für morgen – Die Reforminitiative der evangelischen Landeskirche

  • Wir sind der jüngste Gesprächskreis mit den frischesten Ideen:
    Jugendkirche, Wahlalter ab 14, Jugendsynodale, neue Musik im Gottesdienst, frische Formen von Kirche, Raum für neue Bewegungen und Gemeindeformen
  • Wir sind wertkonservativ ohne strukturkonservativ zu sein. Deshalb kämpfen wir für die Veränderung einer hierarchischen Verwaltungskirche von oben zu einer Beteiligungskirche von unten.
  • Nahe bei Gott und nahe bei den Menschen: Für uns ist eine lebendige Christusbeziehung wichtig ohne theologische und biblizistische Engführung.

Kirche für morgen: Nicht links, nicht rechts, sondern vorne!

Friedemann Stöffler, Gründungsmitglied und früherer Vorsitzender von Kirche für morgen

„Kann Kfm in der Synode überhaupt etwas bewirken?“

Kfm kann sogar sehr viel anregen, vermitteln, überzeugen und bewirken. Den Wirkstoff, um das landeskirchliche Schiff (wieder) auf den richtigen Kurs zu bekommen, kann man als Synodaler in dreifacher Dosis ausgeben:

  1. Die jeweiligen zitronengelben Positionen immer wieder vermitteln durch Beziehungs- und Überzeugungsarbeit bei den Kontakten zu Mitsynodalen, Oberkirchenräten und dem Landesbischof. Hilfreich dabei sind natürlich „Navigationshilfen“ wie der Zitronenfalter und sonstige Veröffentlichungen zu besonderen Themen.
  2. Nachhaltiger kann man Kurskorrekturen anregen durch Redebeiträge im Plenum, innovative Mitarbeit in den Ausschüssen und durch die Übernahme von Synodal-„Ämtern“.
  3. Versuchen, die Segel neu zu setzen, kann man durch Anträge und „förmliche Anfragen“. So werden von Gott geschenkte
    Visionen zu Strategien weiterverarbeitet. Und so gelangen sie vielleicht sogar bis zur Umsetzung in Form von

Themensettings oder bis hin zu Gesetzesänderungen.

Mit diesen Rezepten konnte Kfm schon vieles Unmögliche möglich machen. Mit einer größeren Crew an gelben Seeleuten nach
der Kirchenwahl kann hier noch viel mehr geschehen.

Markus Brenner, Mitglied im Leitungskreis und ehemaliger Kfm-Synodaler

„Kfm will alles Mögliche verändern, ist das nicht nur eine Modeerscheinung? Bisher war doch auch vieles gut!“

Es kommt darauf an, wie man die Sache betrachtet. In der Tat gibt es ein großartiges Potenzial in unserer Kirche, wertvolle Angebote und engagierte Menschen. Trotzdem verlassen jedes Jahr über 20.000 Kirchenmitglieder unsere Gemeinden. Das kann uns nicht egal sein. Wir brauchen innovative Konzepte, um wieder näher bei den Menschen zu sein. Von den etablierten Gesprächskreisen ist leider wenig zu erwarten. Deshalb gibt es Kirche für morgen.

Angie Schwarz, Kfm-Synodale 2008 - 2013

„Wieso hat Kfm die Zitrone als Symbol? Seid ihr sauer?“

Keinesfalls, aber die Zitrone hat es in sich:
Da staunt der Laie und der  Fachmann wundert sich – an ein und demselben  Zweig hängen gelbe Früchte und duften atemberaubende weiße Blüten um die Wette.
Ja, tatsächlich, die Zitrone ist eines der wenigen Gewächse das zur selben Zeit Blüte und Frucht tragen kann.
Das fasziniert!
Und das passt zu Kfm!
Weil wir heute eine blühende Kirche sehen aber dabei die Frucht von Morgen nicht aus den Augen verlieren wollen.

Manfred Geywitz, Kfm-Mitglied

„Wieso hat Kfm für den Pfarrplan gestimmt, durch den Gemeinden zusammengelegt werden? Es gibt bei uns jetzt schon zu wenige Hauptamtliche und die müssen sich dann um noch mehr Gemeindeglieder kümmern!“

Der PfarrPlan ist im jetzigen System aus Kirchensteuern und Beamtentum ein wichtiges Instrument, um nötige Strukturanpassungen voranzutreiben und langfristig handlungsfähig zu bleiben.

Allerdings wird bisher immer noch in einem „Weiter so“ gedacht und nur kosmetische Veränderungen in den Blick genommen. Wir fordern eine intensive Diskussion über das zukünftige Berufs- und Rollenbild des Pfarrers. Verwaltungsaufgaben müssen reduziert werden. Hauptberufliche sollten grundsätzlich die Funktion haben, die Menschen
zum Leben des Evangeliums anzustiften. Wenn auf diesem Weg Kräfte in den Gemeinden zum Predigen, zum Beten,
usw. freigesetzt werden, dann werden wir in Zukunft auch  mit weniger Pfarrerinnen und Pfarrern lebendige Kirche sein.

Matthias Böhler, Kfm-Synodaler

„Was meint ihr eigentlich mit Beteiligungskirche? Mir gefällt es betreut zu werden.“

Unter Beteiligungskirche verstehen wir: ein Ernstmachen mit unserm evangelischen Priestertum aller Getauften. „Hirte und Herde“ sagt als Bild heute nicht mehr vielen Menschen etwas. Gemeinde ist mündig und will/kann mitgestalten. Kirche für morgen setzt sich für Strukturen ein, in denen sich die Gemeinde einbringen kann: bei Gottesdiensten, in der musikalischen Gestaltung uvm.  In der Beteiligungsgemeinde begegnen sich Haupt- und Ehrenamtliche auf Augenhöhe.

Die Sorge ist, dass dies Stress bedeuten könnte: wie soll ich das alles leisten? Aber es geht nicht um erzwungene Leistung, sondern um die Freiheit, seine Gaben einzubringen. Wir verstehen uns untereinander als Brüder und Schwestern in dem einen Herrn Jesus Christus. So ist für alle gesorgt und jeder darf sich beteiligen. Kirche sind wir alle.

Sabine Löw, Synodalkandidatin

„Kfm fordert, dass die Gemeindebasis mehr mitbestimmen soll. Überlastet das nicht die Pfarrer oder macht sie sogar überflüssig?“

Wenn Gottesdienst und Beerdigungen alles ist, was Gemeinde ausmacht, dann gibt es wenig zum Mitbestimmen. Zum Glück erkennen viele Gemeinden mittlerweile die Bedeutung eines vielfältigen Gemeindeprogramms für die unterschiedlichsten Menschen in unserer Gesellschaft. Dazu braucht es mündige Gemeinden, die selbst aktiv werden und PfarrerInnen, die solche Prozesse anregen und eine Kultur der Beteiligung und Mitarbeit unterstützen. So profitiert die Gemeinde von den Gaben und vom Kowhow aller und PfarrerInnen können sogar entlastet werden.

Stefan Taut, Pfarrer und Kfm-Mitglied

„Wieso fordert Kfm die Unterstützung von Lebensweltgemeinden? Spaltet das nicht die bestehenden Gemeinden?“

Lebenswelt-Gemeinden sind ein Ur-Anliegen der Zitronen. Was 2001 noch Kopfschütteln auslöste, gilt heute als Antwort auf die Frage: wie kommt Kirche über bisherige kirchlichen Milieus hinaus? Wenn wir aktuell nur 2-3 von 10 (Sinus-)Milieus erreichen, dann braucht es dringend neue Formen von Kirche – „Fresh expressions of church“, wie das in England heißt. Seit 2004 entstanden dort 3000 neue „Fresh X“. In manchen Diözesen sind das schon 18% der Gemeinden. Das englische Beispiel zeigt: beides hat unter dem Kirchendach Platz: bisherige Ortsgemeinde und neue und ungewöhnliche Lebenswelt-Gemeinden.

Reinhold Krebs, Gründungsmitglied und Landesjugendreferent, Projekt FreshX