Kfm Statement zum PfarrPlan 2024

Die Landessynode hat in ihrer Frühjahrstagung beschlossen, dass bis zum Jahr 2024 13,2% der Pfarrstellen in der Landeskirche gestrichen werden sollen. Zurzeit beraten die Gremien der Kirchenbezirke und Kirchengemeinden den PfarrPlan2024.

 

Warum haben die Synodalen von Kirche für morgen dem PfarrPlan2024 zugestimmt?

Der PfarrPlan ist, zusammen mit der Personalstrukturplanung für den Pfarrdienst, ein wichtiges Personalplanungs- und -steuerungsinstrument. Mit jedem Pfarrer/jeder Pfarrerin, den die Landeskirche heute aufnimmt, gehen wir eine lebenslange Verpflichtung, auch über den aktiven Dienst hinaus, ein. Wer ein verlässlicher Arbeitgeber sein will, muss daher in Hinblick auf Finanzkraft, Mitgliederentwicklung und Demografie langfristige Entwicklungen in den Blick nehmen und zueinander in Beziehung setzen. Gerade in Zeiten von euphorischen Wellen satter Kirchensteuereinnahmen gilt es zukunftsfähige und verantwortliche Entscheidungen zu treffen.

Außerdem geht es beim PfarrPlan darum, das uns zur Verfügung stehende Personal gerecht auf die Fläche der Landeskirche zu verteilen. Bei zurückgehenden Zahlen im Pfarrdienst wären sonst hohe Vakanzzahlen die Folge.

Ein umfangreiches Maßnahmenpaket soll Gemeinden bei der Umsetzung des PfarrPlans unterstützen. Zu den geplanten Aufnahmen ins Vikariat sollen 15 weitere Aufnahmen aus alternativen Zugängen dazu kommen, hinzu kommen finanzielle Mittel für die Besetzung von 15 Stellen im Bereich der Sonderpfarrämter durch andere Berufsgruppen. Der Rückgang im Pfarrdienst soll durch den Ausbau von Stellen für Religionspädagoginnen bzw. -pädagogen und Gemeindediakoninnen bzw. -diakone abgefedert werden. Dazu sollen stufenweise bis zu 55 Stellen für Religionspädagoginnen und Religionspädagogen bzw. Diakoninnen und Diakone aufgebaut werden. Ein Strukturfonds beinhaltet finanzielle Mittel für Kirchengemeinden zur konkreten Unterstützung des Pfarrdienstes. Beispielsweise durch Aufstockung von Sekretariatsstunden, Schaffung von Gemeindebüros o.ä. Insgesamt sollen 30 Millionen Euro in zwei Raten zur Verfügung gestellt werden.

 

Was kritisiert Kirche für morgen am PfarrPlan2024?

Der PfarrPlan basiert auf einer einfachen Rechnung: Pfarrer/ Mitglieder = Konstante.

Aus unserer Sicht eine gefährliche Rechnung, die völlig darüber hinwegtäuscht, dass wir uns in einem ständigen Sinkflug befinden! Denn eine Konstante bleibt dann konstant, wenn sich die beiden Quotienten zueinander gleich verhalten. Wenn also Mitglieder und Pfarrstellen gleichmäßig abnehmen, bleibt die Zahl der Gemeindeglieder pro Pfarrer immer dieselbe. Damit verwalten wir einen Schrumpfungsprozess nach dem Motto: Der letzte macht das Licht aus! Wo ist da die Zukunftsperspektive, wo die Vision? Veränderung muss Aufbruch heißen und nicht Rückzug, Veränderungsprozesse müssen auf ein Ziel ausgerichtet sein und sich nicht mit dem Verwalten des Kleinerwerdens begnügen! Dieses Ziel heißt: Machet zu Jüngern alle Völker! Dieses Ziel ist der missionarische Auftrag. Und die Fragen, denen wir unsere Anstrengungen unterordnen müssen, heißen: Was setzten wir dem Mitgliederschwund entgegen? Was sind unsere produktiven Antworten auf den Traditionsabbruch?

Für Kirche für morgen kann deshalb der Weg nur heißen: Wir brauchen eine andere Formel. Der PfarrPlan muss zum Gemeindeentwicklungsplan werden, der die unterschiedlichsten Berufsgruppen, auch die Ehrenamtlichen, mit einbezieht. Wir brauchen eine Diskussion über Gemeindebilder, über ein neues Berufsbild des Pfarrdienstes und eine zukunftsfähige Perspektive für multiprofessionelle Teams in den Gemeinden. Weg von der Pfarrerzentriertheit hin zu einer Gemeinde, die sich nicht mehr nur über die Pfarrperson definiert, sondern sich aus der Gemeinschaft der Glaubenden heraus konstituiert. Kirche muss zur Gemeindegründungsbewegung werden. Neue Aufbrüche und Initiativen, die sich zu Gemeinden vergemeinschaften, müssen auch finanziell unterstützt werden. Synode und Oberkirchenrat müssen diese Haltungsänderung in gleichem Maße vollziehen und zugleich beweglich und visionär sein in Entscheidungen über Kirchengesetze und Verfassung. Sonst funktioniert der ganze Prozess nicht.

Kirche für morgen hat dem PfarrPlan zugestimmt, weil wir die Verabschiedung der Zielzahlen als Auftakt eines Prozesses bis 2024 sehen, in dem wir unser Bild von Gemeinde, unser Verständnis vom geistlichen Amt, von einer Kirche, die sich ständig reformiert,… einspeisen werden.

 

Konkrete Punkte sind dabei für uns:

  1. Thema Gottesdienst – freie Fahrt für ehrenamtlich geleitete Gottesdienste

Wir ermutigen Gemeinden, das Feiern eines Gottesdienstes nicht davon abhängig zu machen, ob eine Pfarrerin oder ein Pfarrer anwesend ist – zuständig kann sie oder er ja trotzdem sein – und wünschen uns entsprechende Materialien für die Gemeinden. Das wäre eine Anlage zum PfarrPlan wert.

  1. Schluss mit dem Gerede von der pfarramtlichen Versorgung

Die entscheidenden Verben im Ordinationsversprechen sind „mithelfen“, „Sorge tragen“, „Acht haben“. Das bedeutet nicht, dass die Pfarrperson alles selber tun muss. Sondern sie hat die Funktion eines „Trainers“: „Der Pfarrer für die Mitarbeitenden, die Mitarbeitenden für die Gemeinde“, so Klaus Douglass. Die Aufgabe der Synode ist es dabei, den nötigen Rechtsrahmen für ein solches Berufsbild zu schaffen.

  1. Die Rechtsgrundlage schaffen für gabenorientierte Delegationen

Wir sind davon überzeugt, dass wir in Zukunft flexible Delegationen von bislang schwerpunktmäßig durch Pfarrerinnen und Pfarrer versehenen Aufgaben brauchen. Dadurch ermöglichen wir, alle Arbeitsbereiche innerhalb einer Kirchengemeinde entsprechend den vorhandenen Begabungen der Mitarbeitenden zu ordnen und zu verteilen: zum Beispiel Bestattungen durch Prädikanten, alleinige Geschäftsführung eines hauptamtlichen Verwaltungsmitarbeiters oder Taufen durch Diakone, usw. Natürlich spielt in unserem System die Pfarrerin bzw. der Pfarrer eine zentrale Rolle in der öffentlichen Wahrnehmung, im Besonderen für Kirchendistanzierte. Daraus lässt sich aber nicht die „Erhabenheit“ des Pfarrdienstes ableiten, sondern allenfalls die Notwendigkeit, mehr Menschen zu “Pfarrern“ zu machen, im Sinne von Personen, die öffentlich verkündigen und somit das facettenreiche Gesicht der Kirche darstellen. Wenn wir das wollen und die Rechtsgrundlage dafür schaffen, die über den Sonderfall hinausgeht, dann leben wir die Vielfalt in der Einheit. Denn Christus ist das Haupt der Gemeinde, nicht die Pfarrerin oder der Pfarrer.

 

Wir sind davon überzeugt, dass die anstehenden Strukturmaßnahmen dringend sinnvolle Maßnahmen erfordern, die eine deutliche Entlastung und Begrenzung des Pfarrberufs vorsehen. Deshalb haben wir einen Antrag zur Überarbeitung des Pfarrerdienstgesetzes in die Synode eingebracht (Antrag 13/17) Der Kirche als Dienstherr muss es ein Anliegen sein, dass ihre Pfarrerinnen und Pfarrer in der Ausübung ihres Dienstes körperlich und seelisch gesund bleiben. Um dies zu gewährleisten, benötigt der Pfarrdienst auch eine Begrenzung. Das Arbeitspensum ist nicht unbegrenzt erweiterbar. Die Fülle der kirchengemeindlichen Aufgaben kann dann gut bewältigt werden, wenn es flexible Möglichkeiten gibt, begabte Menschen über die bisherigen Möglichkeiten hinaus mit einzelnen Arbeitsbereichen zu betrauen und bei Fehlen der entsprechenden Personen, Arbeitsbereiche auch für eine Zeit ruhen zu lassen.

Zusätzlich kann durch die vorgeschlagenen Maßnahmen der abnehmenden Attraktivität des Pfarrberufs entgegengewirkt werden. Die Pflicht in einem in der Regel alten, schlecht isolierten nicht mehr dem Stand unserer Zeit entsprechenden Haus zu wohnen, schreckt Menschen vom Pfarrberuf ab. Ähnliches gilt auch für die bislang geforderte Erreichbarkeit an allen Tagen außerhalb des Jahresurlaubs, sowie die Beschränkung auf einen dienstfreien Tag pro Woche.

Wir blicken gespannt auf die Prozesse in den Kirchenbezirken und möchten Gemeinden dazu ermutigen, den PfarrPlan als Chance zum Aufbruch und zur Veränderung wahrzunehmen. Wir sind der Überzeugung, dass nur durch den Druck von unten Veränderung auf kirchenleitender Ebene erzeugt werden kann und sind dazu bereit, Strukturveränderungen, Pfarrdienstgesetze, u.v.a.m. anzugehen.
Für das Gelingen des Projekts PfarrPlan wird es entscheidend sein, ob wir als Ermöglicher oder als Blockierer auftreten werden. Dazu müssen Synode und OKR den Gemeinden auf Augenhöhe begegnen wollen.