Interview mit Natasha Hausammann

Als Ergänzung zu unserem aktuellen Zitronenfalter mit dem Thema STILLE führte Barbara Fritz ein Interview mit der Sängerin und Liedtexterin Natasha Hausammann.

„Mit meinen Liedern Räume aufmachen. Weite, geschützte Räume, die zur Einkehr einladen.“
Ein Gespräch mit Natasha Hausammann.

Die Sängerin und Liedtexterin Natasha Hausammann findet die Stille immer dann, wenn sie sich ganz auf ein Musikstück konzentriert. Die Fragen stellte Barbara Fritz, Mitglied der Zitronenfalter-Redaktion. 

 

Welche Art Musik machst Du?

Formal gehört unsere Musik zum weiten Feld der Popmusik, ergänzt mit Elementen aus Jazz, Gospel und alten Kirchenliedern. Wir bezeichnen unseren Stil als „Kammerpop“, da wir in kleiner Besetzung spielen (nur Gesang & Klavier), auf Show verzichten, harmonisch und kompositorisch oft eigenwillige Wege gehen und unsere Texte, für die wir jeweils tief graben, sehr persönlich meinen.


Wie findest Du zur Stille?

Ich finde die Stille in vielfältigen Situationen. Immer dann, wenn ich mich ganz auf eine Sache (oder einen Menschen) konzentriere, dabei nicht aktiv etwas leiste, Gedanken kommen und gehen dürfen und ich ganz DA bin: in schweigender Stille auf dem Gebetsschemel, an einer Lesung, im Gottesdienst, wenn ich dem fallenden Schnee zuschaue oder im Wald spazieren gehe.


Kann Musik meditativ sein und wenn, in welcher Form?

Unbedingt. Meditation heißt für mich, mich auf eine Sache zu konzentrieren, mich selbst hinzuhalten und gleichzeitig für einen Moment abzulegen, was mich beschäftigt. Ruhig zu atmen und offen zu sein für eine Neuausrichtung.
Musik kann das möglich machen. Musik, die meinem Gedankenflug Raum lässt, also in gewissem Masse Zeit hat und Lücken lässt. Das muss nicht unbedingt ein langsames Instrumentalstück sein. Eine schlichte, warme Stimme (zB. von Sarah Groves oder Jónsi von Sigur Rós), die eine ehrliche Geschichte erzählt, kann höchst meditativ sein.
Damit ich mich in ein Musikstück aber ganz hineinversenken kann, muss ich mich sicher an der Hand geführt wissen. Ein gutes musikalisches Handwerk ist da für mich wichtig.


Schließen sich Musik und Stille nicht irgendwie aus?

Stille kann ganz schön laut sein und ich kenne Zeiten, in denen ich in der klanglosen Stille keine Ruhe finde. Höre ich bewusst ein Musikstück, werden meine herumwirbelnden Gedanken still. Ich lasse ruhen. Meine Aufmerksamkeit richtet sich auf die Worte und Klänge. Mein Herz wird ganz Ohr. Ich gebe der Sprache der Musik Zeit und Erlaubnis zur Begegnung mit meinem Herz.


Was möchtest Du mit der Musik, die Du machst, ausdrücken?

Ich möchte mit meinen Liedern Räume aufmachen. Weite, geschützte Räume, die zur Einkehr einladen. Meine Texte wollen ein Zuspruch sein, dass wir alle und in allem Gehaltene sind. Ich wünsche mir, dass Menschen nach dem Hören unserer Musik liebevoller mit sich und anderen umgehen, ehrlicher und angstfreier werden in der Begegnung mit ihren Zweifeln und allem Ungeraden und dass sie dem festen Boden, der Gott unter uns alle legt, wieder trauen und Zuversicht gewinnen.


Wie reagieren die Zuhörer darauf?

Sie sagen uns, dass ihnen unsere Musik gut tut, dass sie Balsam sei; dass sie Schweres tragen hilft, wieder aufrichtet und Mut macht zum Leben.

 

Hausammann
Natasha Hausammann

geb. 1975, ist freischaffende Sängerin und Liedertexterin, verheiratet mit dem Pianisten Andreas Hausammann und mit ihm im Duo (www.kammerpop.ch) seit 16 Jahren auch musikalisch unterwegs. Sie ist Mutter eines Sohnes und wohnt im Kanton Thurgau/Schweiz.

 

Fritz
Barbara Fritz
Für Barbara Fritz heißt Musik zur Stille zu finden und ihren Glauben auszudrücken. Sie singt im Chor und ist Piano-Schülerin von Andreas Hausammann in Sankt Gallen.