Editorial
Liebe Leserinnen und Leser,
"Wir können alles außer Hochdeutsch“ … das ist die etwas ironisch gemeinte Selbsteinschätzung in einer Werbekampagne für das Land Baden-Württemberg. Wie ist das mit unserer Kirche? – besonders unserer württembergischen evangelischen Landeskirche? Manchmal gewinnt man den Eindruck, dass die württembergisch-schwäbische Bescheidenheit in der Kirche besonders oft gepaart mit einer Form von Selbstgenügsamkeit auftritt. „Mir brauchet nix“. Wir können alles – zumindest besser als die anderen:- Da ist das Papier „Kirche der Freiheit“ eigentlich nur für die nördlichen und östlichen Landeskirchen geschrieben. Im Süden – da ist alles besser.
- Da erlebt man Aufbrüche in und außerhalb unserer Landeskirche – aber wir wissen sehr schnell, wie theologisch fragwürdig manche Positionen sind, und deshalb können wir auch gleich das Kind mit dem Bade ausschütten.
- Da erleben wir, wie immer mehr Menschen – gerade auch junge! – nach Gott fragen, aber in unserer Landeskirche keine Heimat finden – und dennoch ist das für uns kein Grund zu fragen: Was müssen wir an unserer Kirche verändern? „Von anderen lernen“ – das ist die einzige Chance den eigenen Horizont zu erweitern! Fremdes sich zu Eigen machen: genau so geschieht lernen. Indem wir Fremdes kategorisch ablehnen – bleiben wir bei dem, was wir schon immer waren.
- Wir nehmen wahr, wie es in anderen Ländern Aufbrüche innerhalb von Kirchen gibt – auch in der guten alten anglikanischen Kirche. Aber wie schnell sind wir dabei, das dann wieder abzutun mit den berühmten sechs Worten: „Das geht bei uns so nicht.“
Ihr Friedemann Stöffler