Bausteine - Von Migrationsgemeinden lernen

Von Migrationsgemeinden lernen

„Glaube ist ein Fest“ – das ist vielen Gottesdiensten so genannter Gemeinden ande-rer Sprache und Herkunft abzuspüren. Markus Häfele hat sich für Sie umgesehen.

Munter klappern die Stöckelschuhe von Filomena (alle Namen geändert) über das Kopfsteinpflaster. Die Brasilianerin geht mit ihrem schwäbischen Mann Michael etwas zögernd auf die Stuttgarter Schlosskirche zu, wo es fast monatlich einen zweisprachigen Gottesdienst in Deutsch und Portugiesisch gibt. Die Unsicherheit weicht gleich, als sie das Gemeindeglied Rosirene an der Kirchentüre strahlend willkommen heißt. Beim Eingangslied „Cantai ao Senhor“ weicht der letzte Rest Unsicherheit. „Vor und nach dem Amen wird hier Gemeinschaft gefeiert“ schwärmen sie.
Davon ist auch Doris begeistert, die ursprünglich gar keinen Draht zu Glauben oder Kirche hatte. Sie kam zunächst vor allem, um ihre Portugiesischkenntnisse zu praktizieren. Ganz unkompliziert kommt man miteinander in Kontakt und inzwischen merkt sie, dass sie durch die Gottesdienste auch offen für den Glauben geworden ist.

Damit Gemeinschaft wächst

Zu fast 30 Gemeinden anderer Sprache und Herkunft pflegt unsere Landeskirche aktiv Kontakt. Gemeinsam planen sie den „Tag der weltweiten Kirche“, der seit 2006 am Pfingstmontag in und um die Stiftskirche in Stuttgart stattfindet. Es sind Anglikaner, Orthodoxe, orientalisch-orthodoxe Christen und Evangelische aus anderen Ländern.
Machen doch auch Sie einmal einen Besuch in einer Migrationsgemeinde in Ihrer Nähe und lassen Sie sich von ihrer missionarischen Kraft inspirieren. Vielleicht verunsichern Sie Elemente des Gottesdienstes zunächst auch. Mir haben Christen, die als Migranten hier leben, schon mehrfach die Augen geöffnet für unentdeckte Schätze der Bibel, und so wird meine „deutsche Bibellesebrille“ etwas zurechtgerückt. Es gibt viel voneinander und miteinander zu lernen.

Wie wäre es mit einem Kooperationsprojekt?

 … mit einer gemeinsamen Altpapiersammlung der Jugendarbeit oder einem gemeinsam vorbereiteten Jugendgottesdienst? Oder ein Mitarbeiter der Migrationsgemeinde berichtet bei Ihrem Männervesper darüber, wie er Globalisierung erlebt hat.
Mit offenen Augen und Ohren dürfte es auch in Ihrem Umfeld nicht schwer sein, auf Migranten zu stoßen, die Christen sind. Bereichernde Begegnungen, in denen der Geist von Pfingsten weht, wünscht Ihnen Markus Häfele.

Eine Selbstvorstellung und aktuelle Adressliste der Gemeinden anderer Sprache und Herkunft finden Sie auf den Seiten der Württembergischen Landeskirche hier.

  Markus Häfele arbeitet beim Dienst für Mission, Ökumene und Entwicklung unserer Landeskirche und koordiniert die Ökumenisch-internationale Arbeit des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg. Seit er mit seiner Familie sieben Jahre im Sudan gelebt hat, lässt ihn weltweite Kirche nicht mehr los.