Bausteine - Von den Simpsons lernen
Von den Simpsons lernen
Kennen Sie Familie Simpson? Homer Simpson, der Vater, ist ein Vielfraß, der seine Arbeitszeit als Kontrolleur in einem Kernkraftwerk verträumt. Seine zupackende Ehefrau Marge versorgt die Kinder: Maggie, das Baby, Lisa, die hochbegabte Tochter, und Bart, den hyperaktiven Strolch.
In Deutschland verfolgen ein bis zwei Millionen Zuschauer täglich das Leben der Simpsons, die Mehrheit der Zuschauer ist zwischen 14 und 49 Jahre alt. In England hat sich sogar der Primas der anglikanischen Kirche, Erzbischof Rowan Williams, als Fan der Serie geoutet – auch deshalb, weil die Simpsons regelmäßig in die Kirche gehen. Marge ist die praktizierende Christin in der Familie, wogegen ihr Ehemann Homer dem Glauben gegenüber völlig gleichgültig ist – er kann sich nicht einmal den Namen seiner Ortsgemeinde merken.
Bekannter als Billy Graham
Der Pfarrer der Simpsons, Lovejoy, ist ein nüchterner Realist. Trotz seines klingenden Namens strahlt er meist wenig Freude oder Liebe aus. Seine Predigten sind langweilig, und das weiß er auch. In Krisensituationen der Familie erweist er sich jedoch als geduldiger Seelsorger. Nur selten ist seine Geduld erschöpft, meist dann, wenn der Nachbar der Simpsons anruft, der überreligiöse Ned Flanders. Ned: „Herr Pfarrer, ich glaube, ich begehre meine Frau!“ Trotz seines kleinen religiösen Schadens wird Flanders als vorbildlicher Nachbar und treu sorgender Vater dargestellt. Ned Flanders, der nette evangelikale Nachbar von nebenan, versäumt keinen Gottesdienst. Er hat sogar immer eine Notfallpredigt dabei, falls Lovejoy verhindert sein sollte. Bei Umfragen nach der bekanntesten und populärsten christlichen Persönlichkeit der Gegenwart wird Ned Flanders regelmäßig auf einem der ersten Plätze genannt. Wurden bisher die Frommen von Comedy-Autoren als Heuchler dargestellt, trifft dies auf Flanders keineswegs zu. Müsste man zwischen Ned und Homer als Nachbar wählen, würde sich jeder normal denkende Mensch für den freundlichen Flanders entscheiden.
Kann man von den Simpsons lernen?
Die Antwort lautet: Ja – und das sogar in zweifacher Weise: Zum Einen ganz praktisch. Die anglikanische Kirche hat einen Glaubenskurs für Jugendliche entwickelt, der auf einzelnen Folgen der Serie aufbaut, in denen religiöse Themen vorkommen. Ähnliche Kurse gibt es auch in den USA. In den Kursen treffen sich gläubige und ungläubige Fans der Serie, um über religiöse Themen – wie etwa die Gebetspraxis der Familie Simpson – ins Gespräch zu kommen.Man kann aber auch von den Simpsons lernen, indem man Anteile von Homer, Flanders oder Lovejoy bei sich selber entdeckt. Die real existierende Gemeinde Jesu Christi ist eben noch keine perfekte Gemeinde. Humor lockert auf, und Humor erhellt auch manches. Es kann unheimlich erheiternd wirken, wenn man sich nicht immer allzu ernst nehmen muss.
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Thomas Hoffmann-Dieterich lacht gerne über die Witze der Simpsons, der erfolgreichsten Animationsserie der Welt. |
