Gott oder dem Geld dienen?

Gott oder dem Geld dienen

Wie wir Gott mit dem Geld dienen können, darüber macht sich Andreas Kammer Gedanken, der sechs Jahre lang Lebenserfahrung in Afrika gesammelt hat.

Verhaltensregeln, die wir in unserer Kindheit erlernt haben, stellen wir normalerweise nicht in Frage – zum Beispiel, dass man zum Naseputzen ein Taschentuch verwendet. Eine ähnliche Prägung erfahren wir beim Umgang mit Geld. In Europa haben Geld und Besitz einen sehr hohen Stellenwert, was sich unter anderem auch in unserem Strafrecht widerspiegelt – z. B. kann der unbefugte Gebrauch eines Fahrrads mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft werden. Ganz anders in Afrika: Dort wäre es völlig legitim, dass ein Verwandter beim Besuch das eben erst erstandene Radio mitnimmt, weil er meint, dass er es braucht.

Die Brille unserer Prägung

Das Problem ist, dass wir die Aussagen der Bibel über den Umgang mit Geld immer mit der Brille unserer eigenen Prägung lesen. Wir neigen dazu, die Aussagen an unsere Prägung anzupassen, statt unsere Prägung an die biblischen Aussagen.
Wir Europäer nehmen z. B. das 8. Gebot gegen das Stehlen sehr ernst, während ein Afrikaner versucht ist, es zu relativieren, etwa so: „Ich habe das Geld dringend für etwas anderes gebraucht und hatte ja auch vor, es irgendwann zurückzugeben.”
Wenn andererseits wir die Geschichte des „reichen Jünglings” lesen, relativieren wir schnell die Aussage Jesu: „Verkaufe alles und folge mir nach!”

Nicht am Besitz hängen

Natürlich geht es letztlich darum, dass wir unser Herz nicht an den Besitz hängen. Wie aber schaffe ich es, nicht am Besitz zu hängen, wenn ich ihn nicht tatsächlich abgebe? Bin ich wirklich bereit, meinen wertvollsten Besitz zu verkaufen, um Jesus mit ganzem Herzen zu folgen?
Ein guter Indikator für unsere innere Bereitschaft ist unsere Praxis des Opferns. Wenn es wahr ist, dass letztlich alles Gott gehört, gibt es für uns Christen keinen Besitz, sondern nur Leihgaben. Den Zehnten geben heißt, die Hände wegnehmen von dem, was schon immer Gott gehört.
Ein guter Freund hat einmal erzählt, wie er seinen Söhnen eine Riesenportion Pommes Frites bestellt hatte. Als er selbst auch eine davon nehmen wollte, protestierten sie: „Wenn du Pommes willst, musst du dir selbst welche kaufen!”

Strategisch anlegen

Vielleicht sollten wir in Europa auch das Gleichnis von den anvertrauten „Talenten” nicht immer nur übertragen verstehen. Wir werden vor Gott auch dafür Rechenschaft ablegen müssen, wo und wie wir das uns anvertraute Geld angelegt haben. Setzen wir es im Reich Gottes ein, dann wird es eine Rendite bringen, von der man in der Finanzwirtschaft nur träumen kann (vgl. Mt.13, 8)!

Andreas Kammer war als Dozent an einer theologischen Ausbildungsstätte in Angola tätig. Seit September 2008 ist er Pfarrer in Heidenheim-Mergelstetten und Geschäftsführer von Overseas Council Europe, einer Organisation, die weltweit die Ausbildung christlicher Leiter fördert.
Die Bilder zeigen Familie Kammer am Kilimanjaro und Andreas Kammer im Gespräch mit seinen Studenten in Angola.