Geld sinnvoll investieren
Bares für Wahres
Neue finanzielle Ressourcen für Kirche und Gemeinden – woher nehmen? Oft ist der Horizont eingeschränkt auf Opfer und Spenden. Reinhold Krebs zeigt vier Spielfelder für ein umfassendes Fundraising-Konzept auf, das neue Quellen erschließen hilft.
Vor rund 15 Jahren starteten die ersten Fördervereine in unserer Württembergischen Landeskirche. Heute sind es weit über 100, im Evangelischen Jugendwerk in Württemberg (ejw) werden bereits rund 20% der Stellen über Fördervereine finanziert. Ein geschichtlicher Umbruch, der vielen, auch in der Kirchenleitung, noch nicht bewusst ist. Von einer wirklichen Förderung der Fördervereine aber sind wir in der Kirche noch weit entfernt.Finanzen von oben und von unten
Vielen erscheinen sie noch irgendwie eigenartig und seltsam. Quantitativ ist es – verglichen mit dem kirchlichen Haushalt – freilich noch „Kleingeld“, was hier zusammenkommt. Die Frage ist jedoch, was Zukunft hat: was schrumpfen und was wachsen wird.Der gesellschaftliche Trend ist klar. Der Staat will immer weniger Betreuungsstaat mit hohen Steuern sein, eher „aktivierender Staat“, der einen optimalen Rahmen für’s Eigenengagement der Bürger schafft. Das Gründen von Stiftungen wurde z.B. erleichtert und löste einen Boom aus. Von den 16.000 Stiftungen in Deutschland wurden 1.134 allein 2007 gegründet. Auch das Absetzen von Spenden wurde drastisch verbessert. Selbst Firmen werden – unter dem Stichwort „corporate social responsibility“ – an ihre Verantwortung für’s Gemeinwohl erinnert.
Dass die meisten Kirchen weltweit keine Finanzierung per Zwangsabgabe (Steuer) kennen, gibt zu denken. Eine Steuer trifft zwar solidarisch alle. Aber „Gott hat fröhliche Geber lieb“ (2. Kor. 9,7), und Paulus betont die Freiwilligkeit. Kurzum, wir sollten für den „Steuerregen von oben“ dankbar sein. Wird er jedoch dünner, werden die „Quellen von unten“ als künftige Ressourcen immer wichtiger. Dabei geht es nicht nur um „Geldbeschaffung“, sondern auch um geistliche Fragen: - Ich kann andere nur wirklich zum Geben animieren, wenn ich’s selber tue. Ist uns das, was wir machen, so wichtig, dass sich unser Geldbeutel dafür öffnet? Oder muss die Vision dahinter noch stärker werden?
- Können wir die Ziele unserer Arbeit klar kommunizieren? Oder müssen wir hier noch deutlicher formulieren?
- Präsentieren wir uns mutig in der Öffentlichkeit? Viele Fundraising-Aktionen sind „öffentliche Verkündigung”, weil wir dabei vielen unsere Ziele vermitteln, die wir sonst kaum erreichen.
Arena 1: Spendenmanagement
Zu diesem „Spielfeld“ gehören das klassische Opfer im Gottesdienst, die projektbezogene Einzelspende sowie der (seltener werdende) Dauerauftrag. Schon Paulus hat zwei Briefkapitel für die Spenden-Überzeugungsarbeit aufgewendet (2. Kor. 8f.). Eine zielgruppenorientierte Öffentlichkeitsarbeit ist hier von zentraler Bedeutung.Weniger im Blick sind i. d. R. Firmenspenden. Viel Potential steckt allgemein im Bereich der Sachspenden – von der Altmaterialsammlung (warum nicht ’mal Handys?) über Flohmärkte, z.B. für CDs oder Bücher. Sachspenden können heute auch über Ebay verkauft werden, wenn sich das eine Gruppe auf die Fahnen schreibt. Viel Beziehungsarbeit und Fingerspitzengefühl braucht es, wenn wir beim Erben – also im Testament – vorkommen wollen. Generell müssen wir uns hierbei nicht nur als Bittsteller verstehen, sondern als Menschen, die anderen helfen, ihr Geld sinnvoll zu investieren.
Ein weiter Bereich sind Finanzierungsaktionen. Von der Orangenaktion über Benefiz-Konzerte bis zur Arbeitsverleih-Aktion, vom Entenrennen (www.fundracing.de) über Sponsorenrallyes, vom Muttertags-Mittagessen bis zur Pizza-Service-Aktion und zum Kuhfladen-Lotto (www.kuhfladenlotto.de) können hier spannende Projekte entstehen. Auch Mitgliedsbeiträge (z. B. von Fördervereinen) und „Zeitspenden“ (also die gesamte ehrenamtliche Arbeit, aber z. B. auch kostenlose Dienstleistungen von Betrieben) gehören zu dieser Arena.
Arena 2: Zuwendungsmanagement
In diesen Bereich fallen Zuwendungen von Institutionen wie Kirche, Staat, Kommune und EU sowie Stiftungen, also alles, was zu beantragen ist. Lobby-Arbeit wird hier wichtig: unsere Anliegen gezielt den Entscheidungsträgern zu Gehör zu bringen und Beziehungen zu ihnen aufzubauen. Das betrifft z. B. die Kirchenbezirkssynode und andere Gremien.Zuschüsse der Stadt, Töpfe des Landkreises und des Landes (z. B. Landesjugendplan etc.) sollten
bekannt sein. Recherche lohnt sich – und hilfreich sind Menschen, die Anträge lieben … Gemeinnützige Organisationen können sich bei Gerichten eintragen, um etwas aus dem Topf der eingezogenen Bußgelder zu bekommen. Wer an Stiftungen herantritt, sollte die Zusammenarbeit suchen und nicht nur Geld abzapfen wollen. Man kann auch an „Standard“-Töpfe herantreten durch Anträge bei der „Aktion Mensch“, der Jugendstiftung Baden-Württemberg oder dem Innovationsfond der Landeskirche. Wer darüber hinaus zeitlich befristete Ausschreibungen (von Bund und Stiftungen) und gar EU-Fördertöpfe in den Blick nimmt, landet in einem Dschungel mit vielen Goldadern. Aber es gibt ja Menschen, die gerade in einer solchen Ausgangslage zu ihrer Höchstform auflaufen.
Arena 3: Kapitalmarkt
Geld richtig anzulegen – gerade bei größeren Rücklagen oder Stiftungsvermögen – ist ein weiteres Feld, das gestaltet sein will. Amerikanische Stiftungen erwirtschaften aktuell im Schnitt rund doppelt so viel Gewinn wie die deutschen. Es gilt, bei Geldanlagen generell abzuwägen zwischen einer soliden und politisch korrekten Anlageplanung und dem „Wuchern mit dem anvertrauten Pfund“.Arena 4: Erlöse am Markt
Hier geht es um die Frage, wo wir am Markt aktiv sind und eine Leistung gegen Bezahlung anbieten. Das betrifft Eintritte für Veranstaltungen, den Verkauf beim Weihnachtsmarkt, den Preis für eine Freizeit
oder ein Seminar, den Mietpreis für Räume oder Material und das „Merchandising“ (Produkte mit eigenem Logo, von der Chorkleidung bis zum Kalender). Auch Sponsoring von Firmen fällt darunter, wenn diese bei uns Raum zur Werbung bekommen und dafür zahlen. Dabei sind zwei Überlegungen wichtig: Wo wollen wir unsere Preise bewusst sozial gestalten und wo ist es legitim, durch gehobene Preise höhere Einnahmen zu erzielen? Steuerrechtliche Fragen sind außerdem mit zu bedenken – z. B. sollte man im Falle eines wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs auf die Höchstgrenzen für Steuerbefreiung achten. Es ist ein weites Feld, das die genannten vier Arenen aufzeigen. Wer über neue Quellen nachdenkt, sollte das jedenfalls gründlich tun, am besten im Team. Deutlich wird: Es geht beim Fundraising nicht nur um nüchterne Geldbeschaffung. Vielmehr können viele über spannende Projekte mit hoher Öffentlichkeitswirksamkeit ihre Gaben einbringen.
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Reinhold Krebs (ejw-Landesreferent), seit den Flohmärkten in seiner Jugend von Finanzaktionen begeistert. |
ABC DER FINANZAKTIONEN
(Dies ist eine gegenüber der Print-Ausgabe erweiterte Fassung)
Hier ein paar Ideen, wie Gelder für wichtige Projekte von Jugendlichen selbst gewonnen werden können. Es ist spannend, wenn man auch Finanzaktionen als beteiligungs- und projektorientierte Jugendarbeit angeht...
Aktien verkaufen
Warum nicht auf spielerische Weise Erwachsene finanziell an der Jugendarbeit beteiligen – mit schön gestalteten Jugendarbeits-Aktien? Und natürlich gibt es dann die jährliche „Aktionärsversammlung“ mit „Kuchen-Dividende“ und Berichten.Babysitter-Service
Zuerst die Schulung (ein bisschen Psychologie, Säuglinge wickeln) nach dem Motto „Was tue ich, wenn...“. Dann den Service (und die „Babysitter“) im Gemeindebrief oder örtlichen Mitteilungsblatt anbieten – gegen eine Spende für die Jugendarbeit.CD-FLOHMARKT
Klein, aber fein: CDs brauchen keinen großen Lagerraum. Können über Bekanntmachungen und persönliche Kontakte, bei Plattengeschäften, Musikverlagen und eventuell auch durch eine angemeldete Straßensammlung gesammelt werden. Der Flohmarkt findet bei einem Straßenfest oder in den eigenen Räumlichkeiten statt.EINE(R) FÜR ALLE FÄLLE
Für eine Spende (z.B. 5,55 € pro Arbeitsstunde) kann man sich die Arbeitskraft Jugendlicher "mieten": zum Garten umgraben, Hecken schneiden, Wände streichen... Empfehlenswerter Termin: Ende Oktober.GEBURTSTAGSFEIER IM CAFÉ
Und weil das Geburtstagskind eh schon alles hat, dürfen die Gäste als Geschenk was für das Projekt spendenKONZERTE FÜR EINEN GUTEN ZWECK
Ein Benefiz-Konzert organisieren und dafür örtliche Bands und vielleicht auch ein bekannteres “Zugpferd” gewinnen.LEBKUCHEN IM RIESENFORMAT
Mehrere Backbleche an- und übereinander gestellt ergeben z.B. eine große Weltkugel, von der man sich „ein Stück abschneiden“ lassen kann beim Weihnachtsmarkt.MUTTERTAGS-MITTAGESSEN
Am Muttertag gegen einen Spendenbetrag ein Mittagessen im Gemeindehaus anbieten und an das schlechte Gewissen aller Kinder und Väter appellieren. Ein Tag Küchenurlaub...NIKOLAUS-AKTION
Für den 6.12. sämtliche rote Mäntel in der Verwandt- und Bekanntschaft ausleihen – und die „Rent a Nico“-Aktion starten. Braucht eine exakte Zeitplanung und eine kleine (Stimm-) Schulung für die Nikoläuse.RECYCLING-NOTIZBLÖCKE
In Buchbindereien fällt viel Restpapier an. Dort nachfragen, vor Ort zu Notizblöcken verarbeiten und an Marktständen verkaufen.OFFENE TÜR
Was jedes Autohaus kann, können wir auch: Am „Tag der offenen Tür“ gibt es Einblicke in die Jugendarbeit und Kaffee und (gespendeten) Kuchen.SERVICE
Mal bei Firmen vorfühlen, was wir an Kinderprogrammen etc. für sie (gegen eine kräftige Spende) tun können.TELEFONKARTEN
…sind mittlerweile zu einem begehrten Sammelobjekt geworden. „Sammelbüchsen“ basteln und an geeigneten Orten aufstellen.VERSTEIGERUNG AUF AMERIKANISCH
Ein witziger Gegenstand kann „amerikanisch“ versteigert werden. Ein (unsichtbarer) Wecker wird gestellt - dann können alle so oft sie wollen einen oder zwei Euro beisteuern – der Betrag klettert in die Höhe, bis es klingelt. Den Zuschlag erhält, wer als Letzter „geboten“ hat.WOHLFAHRTSMARKEN
…können von kirchlichen oder diakonischen Einrichtungen vom 1.9. bis 31.3. an Firmen etc. weiterverkauft werden. Infos: www.diakona.de.ZWIEBELKUCHENFEST
…und andere Straßen- und Gemeindefeste vor Ort sind wichtige Plattformen, um mit kulinarischen Angeboten oder andern Ständen präsent zu sein.Reinhold Krebs – Auszug aus Krebs /vom Schemm „Aktivgruppen“, Edition Im_puls, Stuttgart 2006
