Den Zehnten geben - bringts das?
Den Zehnten geben – bringt’s das?
Beim Nachdenken über die Finanzen und den richtigen Umgang mit den uns anvertrauten Gütern kommen wir am biblischen Zehnten nicht vorbei. Seit langem machen Menschen mit dieser Praxis ihre Erfahrungen und erleben Gottes Durchtragen durch schwierige Situationen. So auch die Verfasserin des folgenden Artikels – ihr Name ist der Redaktion bekannt.
Unsere vier Kinder sind zum Großteil schon aus dem Haus. Wir erlebten mit ihnen viel Fürsorge Gottes und kamen – auch durch die Hilfe der Eltern – in keine materielle Not. Deshalb beschäftigte uns immer
wieder die Frage nach der „richtigen Fürsorge“ für andere. Obwohl unser Gehalt selten ausreichte, hatten wir über die Jahre kleine Spendendaueraufträge eingerichtet und opferten sonntags im Gottesdienst. Zusammengerechnet ergab das allerdings nicht den zehnten Teil des Pfarrergehalts und ich war oft unzufrieden mit unserer – in meinen Augen beliebigen – Spendenpraxis. Für einige Jahre waren wir dann im Auslandspfarrdienst und wurden dort mit der großen Not der Einheimischen konfrontiert. Die Frage, wo wir anfangen und aufhören sollten, Geld zu geben, bedrängte uns sehr. Wieder zurück in der Heimat suchte ich nach einer Regelung für unsere Spendenpraxis. Da fiel mir wieder der „Zehnte“ ein und ich hatte eine Idee, die ich in Absprache mit meinem Mann dann vor einem dreiviertel Jahr umsetzte.
Ein neues Konto wurde eingerichtet: Unser „Spendenkonto“. Der zehnte Teil unseres Nettogehalts geht durch einen Dauerauftrag monatlich auf dieses Konto. Seither fühle ich mich frei und finde es herrlich, dieses Geld zu verteilen. Die Hälfte davon geht als Dauerauftrag an christliche Einrichtungen, über den Rest entscheiden wir je nach Bedarf. So gaben wir z. B. einer Tochter Spendengeld mit nach Südamerika, eine andere fragte uns nach Unterstützung für eine missionarische Studentenaktion. Das Geben des Zehnten ist für uns kein Gesetz, dessen Erfüllung uns vor Gott besser dastehen lässt. Wir geben aus Freude und Freiheit und fühlen uns von Gott gesegnet.
Im Alten Testament war der Zehnte eine Art Steuer, die an die Leviten ging, um den Priesterdienst im Tempel zu versehen. Deshalb steht in 3. Mose 27,30: „Und aller Zehnte des Landes, vom Samen des Landes, von der Frucht der Bäume gehört dem Herrn; er ist dem Herrn heilig.“ Und in Maleachi 3,10 steht: „Bringt den Zehnten ganz in das Kornhaus, auf dass Speise in meinem Haus sei, und prüfet mich doch dadurch, spricht der Herr der Heerscharen, ob ich euch nicht des Himmels Fenster auftun und euch Segen in überreicher Fülle herabschütten werde!“ Im Neuen Testament spielt der Zehnte keine Rolle mehr. Es scheint Jesus Christus auf etwas anderes anzukommen. Aber es gilt immer noch: „Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb“ (1. Kor. 9,7). Darum möge jeder selbst nachdenken, wie er mit den ihm anvertrauten Gütern umgehen möchte.