Aus dem Leben einer Kaffeemaschine

Aus dem Leben einer Kaffeemaschine

Fair mit Geld umgehen, müsste das für Christen nicht etwas Alltägliches sein? Johannes Stahl hat einer Kaffeemaschine zugehört und Erstaunliches zu hören bekommen.

Wieder so ein trostloser Tag. Nichts als braune Brühe. Kein Wunder, so gedankenlos, wie ich bedient werde. Wasser in den Behälter, Kaffeepulver in den Filter, und los geht’s mit dem Getröpfel. „Mmmh, der duftet“, höre ich eine naiv klingende Stimme sagen.
Wenn der wüsste, was mir die Kaffeebohnen erzählen. Es sind trostlose Lieder von Eduscho & Co. Traurige Weisen von mühsamer Handarbeit und mieser Bezahlung, von Pestiziden und Billigstlöhnen. Aber das interessiert hier viel zu wenig. Kürzlich hat einer beim Einfüllen geprahlt: „Voll cool, das Pfund hat nur 2,99 gekostet.“ Was daran cool sein soll, dass der Kaffeebauer an diesem Pfund höchstens 20 Cent verdient, soll mir mal einer erklären. Und der muss von seinem Lohn die Miete bezahlen, seine Familie ernähren, Strom, Wasser, Heizung, Kleider und Schuhe – genauso wie ihr. Dazu das teure Schulgeld für seine Tochter, aber das kann er sich nur leisten, wenn er Tag und Nacht durcharbeitet. Dabei hat er seine Gesundheit auch nur einmal.
Kürzlich sagte mir doch meine Kollegin, so eine nette Espressomaschine, dass es bei ihr ganz anders klingt. Ich konnte es zuerst nicht glauben. Ihre Besitzerin, so erzählte sie ganz entspannt, füllt nur gutgelaunte Kaffeebohnen ein. Auf der Packung könne man das den Bohnen schon ansehen, da sei immer so ein „gepa“-Zeichen oder „TransFair“-Siegel drauf. Die Kaffeebohnen erzählten fröhliche Geschichten von Kaffeebauern, die einen anständigen Lohn für harte Arbeit bekommen. Sie arbeiten nicht für Großkonzerne, die sie rücksichtslos ausbeuten, sondern in einer Genossenschaft. Jeder, der mitarbeitet, hat eine Stimme in der Genossenschaftsversammlung. Sie bekommen einen fairen Lohn und bessere Arbeitsbedingungen. Sie arbeiten gerne und können ihre Kinder auf die Schule schicken. Wenn sie abends nach Hause kommen, sind sie stolz auf das, was sie geleistet haben und können ihrer Familie in die Augen schauen. Die Kaffeebohnen singen ein Lied davon.
Die Espresso sagte noch, ihre Genießerin trinke nicht mehr so viele Tassen wie früher, aber sie sei jetzt genauso zufrieden und entspannt wie die Kaffeebohnen aus der TransFair-Tüte. Neulich erzählte mir mein Cousin sogar von einer Kaffee-Partnerschaft mit Kamerun, wo Christen mit einer Direktvermarktung mithelfen, dass Menschen in Kamerun von ihrer Arbeit in der Kaffee-Ernte leben können. Ich versteh echt nicht, dass da mein Besitzer noch nicht drauf gekommen ist. Ich würde meine Kaffeebohnen gerne singen hören. Von guten Erntebedingungen, gerechter Bezahlung und fröhlichen Kaffeebauern. Von Gottes Reich, das sich überall ausbreitet, wo Menschen Frieden und Gerechtigkeit über eigenes Wohl und ein paar Euros im Geldbeutel setzen. Ich bin sicher: Reich-Gottes-Bohnen schmecken nach Gerechtigkeit und Frieden. Oder haben Sie noch Lust auf braune Brühe?

Inzwischen sind rund 50 verschiedene Kaffeesorten mit dem TransFair-Siegel im Handel, darunter allein sieben entcoffeinierte Mischungen, fünf Espresso-Marken, sieben besonders milde Röstungen und neun Sorten aus kontrolliert ökologischem Anbau. Für den Kaffee erhalten die Produzentenorganisationen mindestens 5 US-cents/Pfund mehr als der jeweilige Weltmarktpreis, in jedem Fall mindestens jedoch 126 US-cents/Pfund. Der Aufschlag auf den Weltmarktpreis wird ohne Begrenzung nach oben bezahlt. Für Kaffee aus biologischem Anbau ist ein zusätzlicher Aufschlag von 15 cents zu zahlen. Importeure und Hersteller müssen Kontrollen von TransFair und unabhängigen Wirtschaftsprüfern zulassen. Zu mehr Infos siehe www.transfair.org; Kamerun-Kaffee: www.kumboja.de
Johannes Stahl, Eschenbach, trinkt gerne fair gehandelten Kaffee