Trachtet am ersten nach Gottes Reich - Erfahrungen und Impulse

Trachtet am Ersten nach Gottes Reich

Gedanken, Erfahrungen und Impulse zu einem schwierigen Thema, zusammengestellt von Claudia Bieneck.

Die Familienfrau

Als Paar mit einem Kind, einem Einkommen und einem überzogenen Konto beschäftigen wir uns ständig mit unseren materiellen Bedürfnissen: Mal fehlt uns das Geld für notwendige Dinge, mal fehlen uns Zeit und Platz, weil wir so viel Besitz angehäuft haben. Wir vermissen gewisse Luxusgüter und haben gleichzeitig ein schlechtes Gewissen, weil es vielen Menschen dieser Welt weniger gut geht als uns.
Auf viele Fragen im Bezug auf den Umgang mit Geld und die Armut in der Welt finde ich im Matthäusevangelium keine Antwort. Zuerst nach Gottes Reich zu trachten – das soll eigentlich eine Befreiung sein. Wir müssen zwar arbeiten und unsere Finanzen regeln, aber in Gottes Wort und seiner Welt gibt es für uns genug zu entdecken und zu tun. Da können unsere Gedanken gar nicht ständig um Brauchen, Haben, Wollen kreisen.
So brauche ich meine Zeit weder mit Sorgen zu verschwenden, die sowieso nichts ändern, noch brauche ich eine Zeitschrift weiter zu abonnieren, weil ich dann eine Digitalkamera erhalte. Es bleibt also eine spannende Gratwanderung.
Kendra Sanseverino

 

Der Theologe

„Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon“, so beginnt der Abschnitt von der Sorge. Wenn der Mammon das Denken bestimmt und die Maßlosigkeit der Gier sich austobt, dann ist Zerbruch die Folge und Angst greift um sich. Das haben wir jetzt gerade Tag für Tag vor Augen.
Dagegen sagt Jesus: „Lasst euch nicht vom Mammon bestimmen. Behaltet das Reich Gottes im Auge. Sorget euch nicht um euer Leben!“ Doch: Kann man das wörtlich nehmen – sich nicht um das Leben zu sorgen? Ist das nicht weltfremd? Müssen wir nicht Entwicklungen aufhalten, die uns bedrohen und uns die Lebensvoraussetzungen rauben?
Es ist ein befreiendes Wort, das Jesus sagt: „Um euer Leben braucht ihr euch nicht zu sorgen – wenn es mir gehört!“ Jesus will die ihm nachfolgende Schar davor bewahren, in Sorge und Angst zu ersticken.
Im Vertrauen auf das Wort Jesu verliert der „Mammon“ sein „Gewicht“, da weicht die Sorge. Sie kann uns nicht mehr lähmend bestimmen, auch wenn sie immer wieder nach uns greift. Und da gibt es dies: Geborgenheit mitten in der Angst, Zuversicht für den nächsten Schritt und Hoffnung über den Tag hinaus.
Manfred Bittighofer

 

Die Studentin

Als Studentin bin ich eigentlich immer knapp bei Kasse. Seit letztem Jahr verheiratet mit einem Studenten, haben wir zwei zwar ein bisschen mehr Geld, aber es ist nicht wirklich viel.
In den letzten Jahren habe ich viel zum Thema Geld gelernt. Oft habe ich mir große Sorgen gemacht darüber, wie ich über die Runden kommen soll. Aber Gott hat mich niemals im Stich gelassen. Manchmal hat mir einfach jemand Geld geschenkt, oder es hat sich etwas anderes ergeben. Aus diesen Erfahrungen heraus bin ich fest davon überzeugt, dass eine verantwortliche Investition in das Reich Gottes sich immer lohnt. Gott wird dafür sorgen, dass wir genug haben – so erlebe ich ihn!
Manchmal schenkt er uns sogar noch mehr, und wir können uns Dinge leisten, die wir eigentlich nicht unbedingt bräuchten. Das Einzige, was Gott möchte, ist, dass wir ihm vertrauen und denen geben, die noch viel dringender brauchen als wir.
Der Name ist der Redaktion bekannt

 

Die Alleinerziehende

In den Jahren 2004 bis 2006 lebten meine Kinder und ich unverschuldet von Arbeitslosenhilfe bzw. Hartz IV. Zu Beginn der staatlichen Unterstützung waren meine Kinder 13, 15 und 18 Jahre alt.
Im Sommer 2004 wurde mir die Arbeitslosenhilfe gekürzt, da mein Ältester einen vierwöchigen Ferienjob hatte. Der Verdienst, eigentlich für seinen Führerschein gedacht, wurde als Familieneinkommen gerechnet. Schließlich lieh ich mir Geld, damit mein Sohn nicht unter der Situation leiden musste. Schon zum normalen Leben reichte das Geld immer nur gerade so, standen aber besondere Dinge an, wurde es eng. Bei Familienfesten oder Klassenfahrten war ich sehr froh darüber, dass uns liebe Menschen aus dem Freundeskreis finanziell unterstützten.
Heute kann ich staunend auf diese Zeit zurückblicken: Gott hat uns immer durchgetragen und uns Menschen an die Seite gestellt, die uns ganz handfest geholfen haben.
Carmen Lauble

 

Der Unternehmer

Das Herz des Mannes ist ein Unternehmer-Herz: Unterlasser ist keine Option. Als Mann bin ich Samenträger und muss das Leben entfalten und die Welt gestalten. In drei Generationen Gartenbau-Familienbetrieb habe ich gelernt, dass nicht aufhören wird: Arbeit und Erholung, Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Was ich nicht gelernt habe ist, dass auf eine Nacht drei hell erleuchtete Tage kommen und auf eine einzige Aussaat fünf gigantische Ernten.
Genau das aber hat uns der reiche Teil der Welt als neue, moderne Wirtschaftswahrheit verkauft. Deshalb bin ich mit der Finanzkrise in der Tiefe meines Herzens richtig zufrieden – obwohl sie mich natürlich auch trifft! Es wäre eine schwere Unterlassungssünde, jetzt kein radikales Umdenken einzuleiten und zurückzufinden zu einem Lebensrhythmus im Takt der Schöpfung.
Unternehmen wir etwas! Nehmen wir das Leben bewusst in die Hand und gestalten es in, mit und unter dem Wirken des Geistes Gottes. Denn mit dem Reich Gottes kommt nicht das Ende, sondern die Zukunft dieser Welt.
Manfred Geywitz