Lust und Frust im Ehrenamt

Lust und Frust im Ehrenamt

Die Gemeinde lebt von Menschen, die sich engagieren. Das macht Freude, ist manchmal aber auch mühsam. Claudia Bieneck und Tabea Hieber machen den Versuch eines inneren Monologs.

Frau M. legt ihre Beine hoch. Endlich frei! Sie macht es sich an ihrem Computer bequem. Kaum ist sie im Netz, erreicht sie eine Mail vom KGR-Vorsitzenden. Ganz dringend bräuchte er jemanden, der übermorgen den Frauenkreis übernehmen könnte, am besten sogar regelmäßig … Sie wäre sicher sehr geeignet dafür …

Erinnerungen kommen hoch

„Na, das ist ja nun ein Ding! Frauenkreis? Ich??? Wow, man traut mir das wirklich zu!! Irgendwie fühle ich mich schon geschmeichelt! Aber wäre das nicht auch ein bisschen weniger kurzfristig gegangen – und dann doch lieber persönlich am Telefon? Grundsätzlich bin ich ja nicht abgeneigt, aber ich weiß nicht – sind da meine Gaben?

Die ersten Schritte im Ehrenamt

Früher in der Kinderkirche war das ja toll. Selbst das sonntägliche Aufstehen fiel mir als Jugendliche leicht, weil wir eine tolle Truppe waren: Der Pfarrer hat uns gut eingearbeitet und ernst genommen. Ich habe ganz neue Fähigkeiten an mir entdeckt, die sogar bei meiner Berufswahl eine Rolle gespielt haben.
Ganz anders dann am Studienort: Hoch motiviert schloss ich mich einer Gemeinde an. Keiner fragte danach, was ich vorher gemacht habe. Die Andacht der Ehrenamtlichen im Mitarbeiterkreis wurde vorher vom Jugendreferenten korrigiert! Da fühlte ich mich bald nicht mehr ernst genommen, ja fast degradiert – und ging dann doch lieber zu einer SMD-Gruppe.
Dort übernahm ich die Verantwortung für den Info-Point in der Mensa und schätzte die Freiheit, aber auch die Gemeinschaft im Team mit durchaus kontroversen theologischen Diskussionen.
Dann die Heirat, und mit den Kindern kam die Elternzeit. Ehrenamt hieß nun für mich: Mutter – Kind –Kreis. Das brachte mir viele Kontakte zu anderen Frauen. Allerdings: So manchmal ärgerte mich auch die Selbstverständlichkeit, mit der ich mich trotz kleiner Kinder engagierte.

Ausgefüllter Alltag

Na ja, die Kinder wurden größer, der berufliche Wiedereinstieg gelang. Mein Alltag ist eigentlich ganz gut ausgefüllt mit Job, Haushalt, Sport und Kindern. Abends bin ich meistens platt.
Frauenkreis? Ob ich mir das jetzt antun soll? Seit Jahren bin ich ja auch noch Elternvertreterin in der Schule – ob das in der Gemeinde keiner als Ehrenamt ansieht?
Lust hätte ich schon. Es kribbelt in mir: Wieder eine Gruppe leiten, Gespräche führen, Themen vorbereiten… Aber ich habe mich auch entwickelt und möchte nicht nur Lücken füllen. Ich brauche die Zeit, mich einzuarbeiten und die Freiheit, meinen Stil zu entfalten. Und dann ist da noch die Frage, ob das wirklich Gottes Aufgabe für mich ist.

Was überwiegt?

Was schreibe ich jetzt als Antwort? Ich möchte einfach Teil meiner Gemeinde sein und meine Gaben einbringen. Ich rufe an. Das wird ein längeres Gespräch.“
Claudia Bieneck, Malmsheim, und Tabea Hieber, Markgröningen, haben langjährige ehrenamtliche Erfahrungen in verschiedenen Gemeinden gesammelt