Prozesse anstoßen - die neue Visitation

Prozesse anstoßen - die neue Visitation

Seit zwei Jahren gibt es eine neue Visitationsordnung für unsere Kirchengemeinden. Wie durch Beteiligung der gesamten Gemeinde und zielorientiertes Arbeiten das Gemeindeleben weiterentwickelt werden kann, beschreibt Marc Stippich.

Grunbach im Remstal, 18. April, 18.45 Uhr: Die Stellwände sind aufgebaut, die Stühle gestellt, Moderationskarten und Stifte liegen bereit. Wir erwarten über 100 Leute, kommen werden schließlich ca. 120. Das erste Grunbacher Gemeindeforum kann beginnen.
Unsere Moderatorin Christine Arndt aus Sindelfingen führt gekonnt durch den Abend. In einem ersten Teil stellen fünf Mitarbeitende stellvertretend für verschiedene Gemeindebereiche dar, was sie an unserer Gemeinde schätzen und was sie vermissen. Sie halten sich an die Vorgabe, auch Kritisches zu äußern. Bloß zum Bauchpinseln wollten wir nicht zusammenkommen. Danach kommen von außen geladene Gäste zu Wort: der Bürgermeister, die Schulleiterin, der katholische Kollege, eine Geschäftsfrau und der Vorsitzende des Sportvereins. Uns wird deutlich, für wie wichtig die kirchliche Arbeit am Ort gehalten wird. Erneut werden Wünsche für die Zukunft geäußert.

Viel Stoff zum Diskutieren

Viel Zeit ist für die Gesprächsphase vorgesehen. Nach knapp 1½ Stunden Zuhören sollen dann alle mitreden können. Am Ende der Pause, in der ein Imbiss gereicht wird, ertönt ein Gong, und die Besucher treffen sich in Gruppen an den Stellwänden. Sie diskutieren über das Gehörte, bringen eigene Gedanken und Wünsche ein. Alles wird aufgeschrieben und angepinnt. Am Ende sind über 300 Kärtchen beschrieben worden. Bis zum Klausurtag am kommenden Wochenende werden sie abgetippt und den Kirchengemeinderäten zugesandt.
Acht Tage später rauchen im Grunbacher Gemeindehaus die Köpfe. Der Vorschlag von Christine Arndt, aus den vielerlei Rückmeldungen drei Schwerpunktthemen herauszunehmen, erntet Zustimmung. In Kleingruppen sprechen wir über die Voten zu den Themen „Gottesdienst“, „Gemeindeleben“ und „Kinder- und Jugendarbeit“. Im Plenum stellen wir die Ergebnisse vor. Unsere Moderatorin nimmt als Außenstehende wahr, meldet manches zurück und sorgt dafür, dass geklärt ist, wer was wann weiterbearbeitet. Am Ende stehen klare Aufträge und Zeitvorgaben.

„Da kann man ja wirklich mit-reden …“

Wir sind mitten in einem Prozess. Wichtig ist, dass die Gemeinde informiert wird, was aus den Anregungen des Gemeindeforums wird. Der Dekan, dessen Visitation mit dem Forum begann, wird seinerseits während der kommenden Wochen manche der angestoßenen Themen unter uns warm halten.
Beim Forum hätten wir uns noch mehr Teilnehmende aus der jungen und mittleren Generation gewünscht. Viele dachten, sie würden nichts verpassen, wenn sie wegbleiben. Inzwischen haben manche gemerkt: Da kann man ja tatsächlich mitreden und Einfluss nehmen… Alle Anwesenden waren sich jedenfalls sicher: So ein Forum sollte es öfters geben!

Marc Stippich ist Pfarrer in Grunbach und freut sich über die Möglichkeiten neuer Beteiligungsformen.