Kommunikation als "Beziehungs-Schwarzbrot"
Kommunikation als „Beziehungs-Schwarzbrot“
Worte sind Fenster oder Mauern, können trösten und ermutigen, kritisieren oder verletzen. Tabea Hieber zu den Basiskompetenzen gelingender Kommunikation.
In der gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg habe ich für mich ein alltagstaugliches Modell für gelingende Verständigung entdeckt. Rosenberg ist international bekannt als Konfliktmediator und Gründer des internationalen Center for Nonviolent Communication in den USA.„Zürnet ihr, so sündigt nicht …“
Täglich sind wir mit Situationen konfrontiert, die in uns Ärger oder Aggression hervorrufen können. Lassen wir unserem Ärger freien Lauf, fühlt sich unser Gegenüber angegriffen. Unterdrücken wir unseren Ärger über längere Zeit, um dann irgendwann zu explodieren? Fressen wir unsere Aggressionen in uns hinein, so dass wir psychosomatisch erkranken?„Zürnet ihr, so sündigt nicht, lasset die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen“, mahnt Paulus die Gemeinde in Ephesus (Eph. 4,26). Negative Gefühle, Wut, Enttäuschungen und Ärger gehören zu unserem Leben, auch in der Gemeinde dazu. In der gewaltfreien Kommunikation geht es um die Fähigkeit, in schwierigen Situationen einfühlsam zu bleiben, ohne die eigenen Gefühle zu unterdrücken.

Vier Schritte gewaltfreier Kommunikation
- Beobachtungen:
Was geschieht in der konkreten Situation wirklich? Diese Beobachtung geben wir ohne Bewertung wieder. Das gibt dem Gegenüber die Möglichkeit sachlich zu reagieren. Beispiel: „Du bist eine halbe Stunde zu spät!“, erkläre ich meiner Freundin. - Gefühle:
Ihr Zuspätkommen ruft in mir Gefühle hervor. Ich ärgere mich darüber, weil ich so lange auf sie warten musste. Also spreche ich aus, was ich fühle: „Das ärgert mich.“ - Bedürfnis:
Hinter meinem Ärger steckt ein unbefriedigtes Bedürfnis und ich übernehme selbst die Verantwortung für meine Gefühle. Indem ich mein Bedürfnis mitteile, zeige ich mich selbst auch als bedürftiger Mensch und somit von meiner menschlichen, verletzbaren Seite. Beispiel: „Mir ist die Zeit mit dir so wichtig, weil ich etwas Dringendes mit dir besprechen möchte.“ - Bitten:
Darauf folgt eine konkrete Bitte, die positiv formuliert und verhandelbar ist. Beispiel: „Könnten wir uns dann bitte morgen noch mal treffen, weil die Zeit jetzt nicht mehr reicht?“ Die Gesprächspartnerin weiß nun, worum es mir geht. Kann sie meiner Bitte nicht nachkommen, dann hat sie durch die sachliche Ebene der Gesprächsführung die Möglichkeit, dies zu begründen. Sich in diesen vier Bereichen klar auszudrücken ist das eine. Ebenso gilt es, Informationen unseres Gesprächspartners auf allen vier Ebenen aufzunehmen. Mit Hilfe dieser Schritte ist es möglich sich ehrlich auszudrücken, einfühlend zuzuhören und nicht verletzend zu sein. So einfach es sich anhört, so viel Konsequenz braucht es im Alltag. Wie heißt es so schön: „It‘s simple, but not easy!“
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Tabea Hieber, ausgebildete Mediatorin und zweite Vorsitzende von Kirche für morgen |