Konservativ oder Progressiv? Eine Selbsteinordnung von "Kirche für morgen"
Erhard Eppler hat in der Politik die Unterscheidung von struktur- und wertekonservativ eingeführt, die unseres Erachtens auch in der Kirche hilfreich ist.
Kirche für morgen ist ganz gewiß nicht strukturkonservativ.
Das Hauptziel von "Kirche für morgen" ist, die Strukturen der Kirche so zu verändern, dass sie nah am Menschen ist. Alle Strukturen müssen sich daran messen lassen, dass sie die heutigen Menschen und die moderne säkularisierte und multireligiöse Gesellschaft mit dem Evangelium erreichen. Deshalb sind wir für eine Ergänzung des Parochieprinzips, eine Veränderung des Pfarrerwahlrechts und für die Ermöglichung von Profilgemeinden - insbesondere auch Jugendgemeinden. Uns scheint die Frage, wie das "Priestertum aller Gläubigen" sich auch in den Strukturen der Kirche wiederfindet und welche Rolle dabei das Pfarramt spielt, bisher sehr unzulänglich geklärt, auch die Unterscheidung zwischen Beauftragung der "Laien" und Ordination der "Geistlichen" müßte unseres Erachtens theologisch viel gründlicher reflektiert werden und dann strukturell neu gelöst werden. Letztlich ist die Kirche noch viel zu sehr von Strukturen, die durch die konstantinische Wende und nach Luther durch das landesherrliche Kirchenregiment entstanden sind, geprägt. In vielem hat die Kirche immer noch die selben Struktuen wie im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, in der die Gesellschaft noch viel homogener und immobiler war. Manche eher kosmetische Veränderungen ändern daran nichts Grundsätzliches.
Kirche für morgen ist "werte"konservativ - besser beziehungskonservativ
Wir halten die Werte des Evangeliums, der befreienden Botschaft von Jesus Christus für den einzelnen Menschen und die Gesellschaft nach wie vor für aktuell. Wir glauben, dass es Aufgabe der Kirche bleibt, diese befreiende Botschaft von Jesus Christus in unsere Gesellschaft und das Leben der einzelnen Menschen hinein so immer wieder neu zu dolmetschen, das ist und bleibt das Ziel von "Kirche für morgen". Insofern ist es für uns wichtig, den Bezugspunkt des Evangeliums zu bewahren (conservare). Also sind wir beziehungskonservativ.
Wir glauben an Jesus Christus, und bekennen uns wie die Urchristen zu Jesus, dem Christus, als dem am Kreuz für uns gestorbenen und auferstandenen Herrn (christos kyrios) über unser Leben und über diese Welt. "Was Christum treibet" das hat Luther für das rechte Verständnis der Bibel zum Kriterium erhoben. Und so verstehen wir die Bibel als das vielfältige, vielschichtige und immer wieder neu zu interpretierende Dokument, in dem von diesem Glauben erzählt und zu diesem Glauben eingeladen wird. Das Zentrum und der Einsatzpunkt aber und die Mitte der Schrift ist dieser Jesus Christus. Wir glauben also nicht an ein Buch - die Bibel - sondern an eine Person. Das befreit einerseits zum kritisch reflektierenden Umgang mit biblischen Texten und verhindert gleichzeitig die Beliebigkeit. Die Mitte - Jesus Christus - bleibt erhalten, auch wenn man biblische Texte als "den Schatz in irdenen Gefäßen" verstehen muss. Jesus Christus ist für uns das Wort Gottes, das in der Bibel bezeugt wird.
Dieser Glaube ist so befreiend, dass wir es nicht nötig haben, Menschen auf einen bestimmten Frömmigkeitsstil festzulegen ("Tiefe Wurzeln - weiter Raum"). Wir schätzen unsere Kirche gerade mit der Vielfalt der gelebten Formen des Glaubens in der Geschichte der Kirche (Klöster, Taize, Charismatiker, Pietisten, Hochkirchliche und Liturgiker, Jesusfreaks, ...), die sich gegenseitig zu ergänzen, aber auch zu korrigieren vermögen, um so Engführungen zu vermeiden. Wir sehen auch die Herausforderung für unsere Kirche und den einzelnen Christen, sich aktiv in die Gesellschaft einzumischen und ihren Beitrag zu Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung zu leisten. Kirche ist nur Kirche, wenn sie Kirche für andere ist (Bonhoeffer). Kirche muss auf der Seite der Schwachen stehen und sich für sie einsetzen.
Unser Kirchenverständnis ist geprägt von der Barmer theologischen Erklärung und dem Augsburger Bekenntnis
Ein paar Schlaglichter: Barmen 4: "Die verschiedenen Ämter der Kirche begründen keine Herrschaft." oder Barmen 3: Die Kirche ... hat mit ihrem Glauben wie mit ihrem Gehorsam, mit ihrer Botschaft wie mit ihrer Ordnung mitten in der Welt ... zu bezeugen, dass sie allein sein Eigentum ist." Und CA 7: "Kirche ist die Versammlung aller Gläubigen, bei denen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente laut dem Evangelium gereicht werden. Denn das genügt zur wahren Einheit der christlichen Kirche, daß das Evangelium einträchtig im reinen Verständnis gepredigt und die Sakramente dem göttlichen Wort gemäß gereicht werden."
Kirche ist also weder nur die amtskirchliche Struktur der hauptamtlichen Repräsentanten noch die einzelne fromme Gruppe, sondern diese gesamte Gemeinschaft der Glaubenden. Daraus folgt aber:
a) eine Kirche wird z.B. nicht durch den "grünen Gockel" zu einer an der Bewahrung der Schöpfung orientierten Kirche, sondern dadurch, dass viele Gemeindeglieder davon erfaßt werden - denn wir alle sind Kirche!
Die Kirche macht Hausbesuche nicht nur dadurch, dass der Pfarrer Hausbesuche macht, denn wir alle sind Kirche!
b) Die geringer werdende Wahlbeteiligung ist ein deutliches Indiz dafür, dass viele nur noch Mitglied in der Kirche sind, wie in einer Versicherung: Für den Notfall ist es gut, drin zu sein, man hofft sie aber eigentlich nie zu gebrauchen. Damit kann sich Kirche nicht zufrieden geben, will sie wirklich die Versammlung aller Gläubigen sein. Diese Versammlung benötigt auch eine konkrete gelebte Gestalt (ecclesia visibile).
Ein paar Schlaglichter: Barmen 4: "Die verschiedenen Ämter der Kirche begründen keine Herrschaft." oder Barmen 3: Die Kirche ... hat mit ihrem Glauben wie mit ihrem Gehorsam, mit ihrer Botschaft wie mit ihrer Ordnung mitten in der Welt ... zu bezeugen, dass sie allein sein Eigentum ist." Und CA 7: "Kirche ist die Versammlung aller Gläubigen, bei denen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente laut dem Evangelium gereicht werden. Denn das genügt zur wahren Einheit der christlichen Kirche, daß das Evangelium einträchtig im reinen Verständnis gepredigt und die Sakramente dem göttlichen Wort gemäß gereicht werden."
Kirche ist also weder nur die amtskirchliche Struktur der hauptamtlichen Repräsentanten noch die einzelne fromme Gruppe, sondern diese gesamte Gemeinschaft der Glaubenden. Daraus folgt aber:
a) eine Kirche wird z.B. nicht durch den "grünen Gockel" zu einer an der Bewahrung der Schöpfung orientierten Kirche, sondern dadurch, dass viele Gemeindeglieder davon erfaßt werden - denn wir alle sind Kirche!
Die Kirche macht Hausbesuche nicht nur dadurch, dass der Pfarrer Hausbesuche macht, denn wir alle sind Kirche!
b) Die geringer werdende Wahlbeteiligung ist ein deutliches Indiz dafür, dass viele nur noch Mitglied in der Kirche sind, wie in einer Versicherung: Für den Notfall ist es gut, drin zu sein, man hofft sie aber eigentlich nie zu gebrauchen. Damit kann sich Kirche nicht zufrieden geben, will sie wirklich die Versammlung aller Gläubigen sein. Diese Versammlung benötigt auch eine konkrete gelebte Gestalt (ecclesia visibile).
c) Wir sind deshalb auch - bei einem vollen Ja zu Jugendgemeinden - letztlich für eine gelebte Einheit der Verschiedenen. Wir freuen uns über Hauskreise und Kleingruppen, wie freuen uns und fördern es, wenn in diesen Gruppen das Wort verkündet wird - und wollen ermöglichen, dass auch in diesen Gruppen z.B. Abendmahl "ordentlich" (recte!) gefeiert werden kann.
Uns ist aber die Einheit aller Glaubenden genauso wichtig, deshalb ist für uns die Vernetzung und gelebte Einheit, z.B. zwischen Jugendgemeinden und Parochie, sehr wichtig und die Einbindung von Hauskreisen in die Gemeinden. Wir lehnen eine Aufsplitterung des Leibes Christi ab.
Wenn man uns in eine Schublade stecken muss, dann in diese:
Kirche für morgen versteht sich als "Reforminitiative", die im Rückgriff auf Grundsätze der Reformation und der Barmer theologischen Erklärung, sich innerhalb der Kirche für mehr basisdemokratische Strukturen und mehr Kompetenzen und Gestaltungsspielräume für Nicht-Hauptamtliche einsetzt.
Kirche für morgen versteht sich als "Reforminitiative", die im Rückgriff auf Grundsätze der Reformation und der Barmer theologischen Erklärung, sich innerhalb der Kirche für mehr basisdemokratische Strukturen und mehr Kompetenzen und Gestaltungsspielräume für Nicht-Hauptamtliche einsetzt.
Kirche - das Beste kommt noch!
1. Ist "Kirche für morgen konservativ oder progressiv?