mission audit - hinsehen, hinhören, fragen
mission audit – hinsehen, hinhören, fragen
Reinhold Krebs skizziert Ziele und Methoden des „mission audit“ aus der anglikanischen Church Planting-Bewegung. Diese Impulse helfen in der Gemeinde- und Jugendarbeit dazu, Kontext und Zielgruppen klarer in den Blick zu bekommen.
Mose hat Kundschafter ins gelobte Land geschickt, bevor der ganze Tross über den Jordan ging. Nehemia lief die Stadtmauer zur Bestandsaufnahme ab und startete dann erst mit dem Wiederaufbau. Auch Paulus, der wachen Auges durch Athen streift, bevor er auf dem Areopag seine Botschaft kontextgerecht kommuniziert (Apg 17), gehört zu den biblischen Beispielen für „mission audit“. Darunter versteht die Church Planting-Bewegung ein Konzept, das Situationsanalyse mit einem betenden Bedenken verbindet: Wie könnte Reich Gottes gerade hier Gestalt gewinnen? Die einzelnen Schritte sind nicht nur bei Gemeindepflanzungen, sondern bei allen Projekten eine gute Hilfe.Observation – Hinsehen
Mit wachen Augen einen Stadtteil, ein Gebiet begehen: Wo sind Treffpunkte, öffentliche Einrichtungen? Was sagen die Häuser aus über die Menschen? Welche Atmosphäre nehme ich wahr? Eine Art von Gebets-Spaziergang, allein oder im Austausch mit andern. Auch Pläne und Karten sind hilfreich, in denen man wichtige Punkte markiert.
Conversation – Hinhören
Mit den Menschen zwanglos reden und hinhören: Wo arbeiten sie? Wie verbringen sie ihre Freizeit? Was wünschen sie sich, was sind ihre Sorgen? Was mögen, was hassen sie an der Gegend? Interviews mit Experten (Lehrerinnen, Kommunalpolitikern, Sozialarbeitern, Seelsorgern, Ärzten) geben weitere Aufschlüsse. Fragebogenaktionen ermöglichen über die Ergebnisse ins Gespräch zu kommen – hervorragend für erste tiefere Kontakte.Investigation – Nachfragen
Daten aus der Stadtverwaltung, aus kirchlichen Statistiken interpretieren: Altersgruppen, soziale Schichtung, Zu-und Wegzüge, Geburten. Visitationsberichte oder Artikel zur Ortsgeschichte lesen: Was ist bis heute prägend? Wo liegen die Wurzeln für das, was ich wahrgenommen habe?Neben den geographischen und demographischen Fakten ist die soziale Ebene wahrzunehmen: Haushaltsgröße, Freizeitbeschäftigung, typische Berufe, Arbeitslosigkeit, Einkaufsverhalten, Beziehungsnetzwerke, Kriminalitätsrate. Zudem gilt es, der geistlichen Dimension auf die Spur zu kommen: Was denken die Menschen über die Kirche, welche Vorurteile haben sie? Was sind ihre Credos? Wie viele sind kirchennah oder spirituell interessiert, aber skeptisch gegenüber Christen? Gibt es noch einen christlichen „Grundwasserspiegel“? Welche Religionen, Kulte, Konfessionen sind vor Ort?
Was bringt’s?
Eine solche Situationsanalyse als „mission audit“ ist hilfreich- für eine klarere Profilierung der Gemeinde- oder Jugendarbeit,
- als „Weckerklingeln” für Gremien und Entscheidungsträger: „Gott umarmt uns mit der Wirklichkeit” (Heinrich Spaemann),
- für die Zusammensetzung von Teams: Welche Gaben sind da? Welche Kompetenzen und Charismen bräuchten wir unbedingt noch?
- für kontextbezogene Verkündigung. Was bedeutet Jesus, Reich Gottes, Evangelium für genau diese Zielgruppe? Was Versöhnung, Gerechtigkeit, Freiheit?
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Reinhold Krebs, Landesreferent im ejw und u. a. für Jugendgemeinden zuständig, hat viel von anglikanischen Gemeinden und Bewegungen gelernt. |
