Gott begegnen - Freunde treffen

Gott begegnen - Freunde treffen

In Schorndorf-Miedelsbach heißt es alle vier Wochen sonntags um 10 und 19 Uhr: „Come together“. Um den monatlichen, etwas anderen Gottesdienst herum hat sich ein lebendiges Gemeindeleben entwickelt. Marc Stippich war dort auf Spurensuche.

„99 Luftballons“ hatten sie schon „auf ihren Weg zum Horizont“ geschickt. Beim 99. „Come together“-Gottesdienst hatte die Sängerin Nena das erste Wort, gefolgt von einem Moderatoren-Männer-Duo – der eine achtzehn Jahre alt, der andere Ende vierzig. Die beiden nahmen selbstironisch ihren Altersunterschied auf´s Korn und führten mit viel Sprachwitz in das Gottesdienst-Geschehen ein. Dieses bestand aus gekonnten Musik-, Theater- und Predigtbeiträgen. Lachen und Nachdenken gleichermaßen konnten die rund 200 Gottesdienstbesucher. Ihr großes Altersspektrum übertraf das der Moderatoren noch erheblich. Pfarrer Thomas Binder predigte und übernahm die Klavierbegleitung. Sonst wurde fast alles von Ehrenamtlichen gestaltet, die überzeugend, sicher und frei redeten, beteten und Theater spielten. Hier war spürbar, was sich in Gesprächen hinterher bestätigte: Viele sind mit Engagement und Spaß dabei.

Brücken bauen für Kirchenferne

Inzwischen liegt der 100. „Come together“-Sonntag hinter den Miedelsbachern und es werden noch viele weitere folgen. Für Monika Bühner, Laienvorsitzende des Kirchengemeinderats, war das Entstehen dieses monatlichen Gottesdienstes der Beginn für die weitere Gemeindeentwicklung. Der örtliche Mesner war beim ersten Mal völlig irritiert darüber, dass die Kirche „an einem ganz normalen Sonntag“ plötzlich randvoll war. In dem 2000-Seelen-Ort sprach sich dies schnell herum und so blieben die Zahlen konstant hoch. Das Entscheidende ist aber nach Thomas Berger, Mitglied im „Come together“-Team, nicht ein perfektes Programm. Hier wurde mancher Aufwand inzwischen deutlich reduziert. Entscheidender sei, dass diese Gottesdienste Brücken bauen zu denen, die sich mit herkömmlichen Traditionen schwer tun. Thomas Berger hat mit seiner Familie über eine Tauffeier in die Gemeinde gefunden und war vom „Come together“ - Gottesdienst so angetan, dass er sich gemeinsam mit seiner Frau für die Mitarbeit im Team werben ließ. Genau so wollte er Gottesdienst feiern und so auch seinen Glauben leben, der längere Zeit brachgelegen hatte.

Kontakt suchen – Gaben entdecken

Wie er haben eine ganze Reihe von Menschen durch diese Gottesdienste zur Mitarbeit gefunden oder Zugang zu Kleingruppen und auch zum wöchentlichen, normalen Gottesdienst. Anscheinend steckt es an, wenn ganz „normale“ Leute da vorne ein gutes Bild abgeben. Mit den Menschen ins Gespräch zu kommen findet Monika Bühner ganz wichtig. Das anschließende Mittagessen schafft dafür Gelegenheit. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehen dann auf Fremde zu, begrüßen sie und lassen dafür lieber einmal die alten Freunde warten. Wer eingeladen wird mitzuarbeiten und die Atmosphäre ansprechend fand, überlegt es sich gerne. Die Verantwortlichen versuchen dabei nicht einfach kurzfristig Löcher zu stopfen, sondern nachzufragen, wo die Talente der einzelnen liegen. Sie sagen aber auch ehrlich und freundlich, wenn jemand seine Gaben an anderer Stelle hat. Das Anspielteam legt Wert auf Niveau. Dafür lassen sie sich regelmäßig auf Theaterworkshops fortbilden.

Alte mit den Jungen

Natürlich mussten sich die Besucher des normalen Gottesdienstes am Anfang umgewöhnen, wenn es einmal im Monat so ganz anders zuging. Nach einigen Gesprächen und Umfragen änderte man hier und da etwas, damit die Älteren auch bekannte Elemente bei „Come together“ finden. So singt man heute fast nur noch auf Deutsch und ein Choral darf auch nicht fehlen. Schön zu sehen, wie auch die zahlreichen Älteren über die Anspielwitze schmunzeln und moderne Lieder mitsingen. „Wir haben gelernt, aufeinander Rücksicht zu nehmen“, meint Monika Bühner. Und Thomas Berger fügt hinzu: „Das ist wie bei einer Familie, die nur einen Fernseher hat. Wir haben eben nur einen Gottesdienstraum – und es geht gut.“

Zwei Gottesdienste pro Sonntag

Dieser eine Raum wurde Sonntagmorgens immer wieder zu klein. Manche blieben weg, weil es ihnen zu voll war. Andere sind sonntags am Vormittag generell sportlich unterwegs. So entschloss man sich, den Gottesdienst am „Come together“-Sonntag zweimal anzubieten. Die Mitarbeitenden ließen sich darauf ein und seit 1½ Jahren kommen morgens 200 (mit Kindern)und abends rund 50 Leute. Dasselbe Programm wirkt dabei spürbar unterschiedlich. Abends ist die Atmosphäre ruhiger, ernster. Die Gespräche im Anschluss beim Stehimbiss gehen oft tiefer als am Vormittag.

Zukünftige Herausforderungen

Einige Kreise sind in den letzten Jahren in der Gemeinde neu entstanden, zudem zeitlich begrenzte Angebote wie „Reli für Erwachsene“. Zwei Mitarbeiterinnen bereiten dafür jährlich einen neuen Kurs vor und führen ihn zweimal durch, abends an verschiedenen Wochentagen – selbstverständlich ohne Pfarrer. Der sieht neben seinen anderen Aufgaben seinen Auftrag vor allem darin, die Mitarbeitenden für ihre Arbeit zu befähigen.
Alles bestens? Nein. Junge Erwachsene zwischen 20 und 35 sind leider nur wenig im Gottesdienst zu finden, auch wenn inzwischen Jüngere nachwachsen. Wie diese in der Gemeinde ihre bleibende Heimat finden können, darin sehen Monika Bühner und Thomas Berger eine der künftigen Herausforderungen. Und: „Wir müssen noch mehr einen Blick dafür gewinnen, was die Leute brauchen, die nicht da sind.“ Sie freuen sich mit all den anderen darüber, was in Miedelsbach gewachsen ist, aber sie sind bereit, die Kreise noch größer zu ziehen. Nähere Infos finden sich unter www.kirchengemeinde-miedelsbach.de

Marc Stippich, Gemeindepfarrer in Grunbach, nahm vom „Come together”-Gottesdienst dankbar manche Anregungen mit.